Nitzow l „Jeder ältere Mensch möchte so viel Selbstständigkeit wie möglich haben, auch im Alter und bei einer drohenden Pflegebedürftigkeit. Betreutes Wohnen stellt für viele Menschen eine attraktive Alternative zu einem Pflegeheim dar“, ist sich der Nitzower Wolfgang Merda sicher. Er hat in der Dorfstraße 35 des Haveldorfes ein Haus erworben und dort vier behindertengerechte Wohnungen eingebaut. Und damit hat er sehr geschmack- und liebevoll aus dem „alten Gemäuer“ ein schmuckes Anwesen für betreutes Wohnen gestaltet, das nun zur Vermietung steht.

Lehrgang besucht

„Ich bin auch nicht mehr der Jüngste und war in den zurückliegenden Monaten gesundheitlich sehr angeschlagen. Den Gedanken, etwas in Richtung betreutes Wohnen zu schaffen, hatte ich aber schon lange“, erzählt der 66-Jährige. Gemeinsam mit Birgit Prätorius will er das neue Nitzower Projekt jetzt starten. Aber so einfach ist das nicht, denn es gibt da gewisse Vorschriften. Also setzte sich der Nitzower im Februar 2014 noch einmal auf die Schulbank und besuchte im Rahmen des Modellprojektes „Leben mit Familienanschluss“ (LeFa) – ein Projekt für die ostdeutschen Bundesländer – diesen Lehrgang. Das LeFa-Projekt stand unter der Leitung der Sozialakademie der AWO SANO Potsdam und Wolfgang Merda schloss die fast einhundert Unterrichtsstunden mit einem Zertifikat ab.

Verhinderungspflege gehört dazu

Was tun, wenn die eigene Wohnung nicht altersgerecht konzipiert ist, eine Pflegebedürftigkeit droht oder gar schon vorhanden ist und die Angehörigen zu weit weg wohnen, um regelmäßig nach dem Rechten zu sehen? Angehörige oder Menschen, die andere Menschen pflegen, brauchen auch einmal eine Auszeit, aber wie soll das gehen? „Diese und viele ähnliche Fragen galt es zu beantworten. Zahlreiche rechtliche Dinge, praktische Übungen in unterstützenden Pflegeleistungen, Verschwiegenheitspflicht, Datenschutz, Vorsorgevollmachten und vieles, vieles mehr wurde in dem Lehrgang vermittelt“, blickt Wolfgang Merda, der nebenan die Gastwirtschaft betreibt, zurück. Er will auch eine Verhinderungspflege anbieten, um Pflegepersonal wie zum Beispiel Kinder oder andere Verwandte zu entlasten. „Die Verhinderungspflege ist die Vertretung einer privaten Pflegeperson in der häuslichen Pflege, wenn diese vorübergehend ausfällt. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten der Ersatzpflege. Wir könnten es uns aber auch gut vorstellen, dass die vier Wohnungen dauerhaft zum betreuten Wohnen vergeben werden“, sagt Wolfgang Merda.

Bilder

Therapietiere im Garten

Der Pflegedienst wäre dann weiterhin für die Leute da und Birgit Prätorius und Wolfgang Merda fungieren als Betreuer. Dazu würden sie dann die Bewohner bei Arztbesuchen, Einkäufen und anderen Dingen unterstützen. „Wir haben uns zudem fünf Alpakas als Therapietiere angeschafft. Im Garten, gleich am Haus gelegen und auch mit dem Rollstuhl oder Rollator erreichbar, können diese bestaunt und gestreichelt werden.“ Auch einige Schafe tummeln sich im Garten. Die Idee mit dem betreuten Wohnen im Haveldorf sehen Birgit Prätorius und Wolfgang Merda als Bereicherung für Nitzow.