Zwischen Höhengöhren und Lübars

Radweg nahe Bundesstraße endet im Niemandsland

Langes Warten auf den Radweg zwischen Lübars und Hohengöhren. Nun legt die Landesstraßenbaubehörde den Gemeinden Schönhausen und Klietz einen neuen Vertrag vor.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt 09.07.2021, 14:15
Hier ist Schluss mit dem Radweg! Mila Petersen wohnt in Lübars  und weiß, wie sie weiter nach Hohengöhren fahren kann. Touristen dagegen stehen da und wissen nicht, wo lang ? und entscheiden sich dann für die nicht ungefährliche Fahrt auf der B107.
Hier ist Schluss mit dem Radweg! Mila Petersen wohnt in Lübars und weiß, wie sie weiter nach Hohengöhren fahren kann. Touristen dagegen stehen da und wissen nicht, wo lang ? und entscheiden sich dann für die nicht ungefährliche Fahrt auf der B107. Foto: Anke Schleusner-Reinfeldt

Hohengöhren/Lübars - Eigentlich selbstverständlich: Bundesstraßen begleitende Radwege werden vom Bund bezahlt, gepflegt und wenn es sein muss repariert. So aber nicht zwischen Klietz und Hohengöhren. Weil der Weg nach Ansicht des Bundes mit bis zu 700 Metern Abstand zur B107 nicht mehr „begleitend“ ist, will er ihn den Gemeinden überhelfen. Auf diesem rund sechs Kilometer langen Stück fehlt noch der Lückenschluss zwischen Lübars und Hohengöhren. Die Verbindung führt über einen schlecht befahrbaren Sandweg am Waldrand entlang, direkt auf der B107, einen Wirtschaftsweg in Elbnähe oder auf dem Deich entlang – das wissen Ortskundige, Fremde stehen fragend am Ende des Weges und wissen nicht weiter.

Gemeinden sollen pflegen und reparieren

Warum nicht, wie von der Landesstraßenbaubehörde angestrebt, die fehlenden anderthalb Kilometer auf dem alten Bahndamm gebaut werden, liegt nicht etwa am Geld – das ist längst bewilligt. Vielmehr geht es darum, wie es mit dem Weg nach dem Bau weitergeht. Weil der Bund meint, diese Trasse sei nicht straßenbegleitend, sollen die Gemeinden ihn nach Bauende übernehmen. Dann sind sie zuständig für die Pflege, die Verkehrssicherungspflicht, den Winterdienst und Reparaturen. Bislang haben beide Gemeinden das abgelehnt.

Ablösesummen für Folgekosten

Nun aber gibt es einen neuen Vertragsentwurf. Und der sichert den Gemeinden eine Ablösesumme für alle künftigen Arbeiten und Investitionen zu: Schönhausen erhält rund 64000 Euro, Klietz sogar satte 391000 Euro. Denn nicht nur ihr Anteil des Lückenschluss auf Lübarser Gebiet soll in ihr Eigentum übergehen, sondern auch der restliche schon fertige Weg vom Klietzer Bahnhof an.

„Fast 400000 Euro – das hört sich ja erst mal nach viel Geld an. Aber die Kosten und alles andere, das auf uns zukommt, ist doch gar nicht abzusehen“, ist Helmut Lemme aus Neuermark-Lübars skeptisch. „Natürlich könnten wir sagen: ,Nach uns die Sintflut’ und das Geld einstecken. Aber was ist in 30 Jahren, wenn der Weg komplett erneuert werden muss? Für das Mähen der Böschung müssten wir uns einen Unimog anschaffen – dann ist das Geld schon weg.“ Auch andere Klietzer Ratsmitglieder äußerten arge Bedenken und können nicht nachvollziehen, „warum der Bund überall die Wege in seinem Eigentum hat, nur hier in Klietz nicht“. Es sei doch nur logisch, wenn die Trasse auf dem alten Bahngleis entlang führt. So könnte man das Bett nutzen, müsste kaum Bäume fällen und keinen Grund und Boden erwerben.

Kompletter Neubau dauert mehrere Jahre

All das ist nämlich nötig, wenn die Alternative umgesetzt wird: Kompletter Neubau des Radweges von Klietz bis nach Hohengöhren direkt neben der Straße. „Das dauert dann aber etliche Jahre, bis das Verfahren durch ist. Wenn aber jetzt beide Gemeinden die Vereinbarung unterschreiben, können wir noch im Herbst ausschreiben und den Weg im Frühjahr bauen“, machten Vertreter der Landesstraßenbaubehörde, als Gäste auf den Ratssitzungen anwesend, deutlich. Geschätzt 260000 Euro kostet der Lückenschluss.

Während man sich in Klietz „den schwarzen Peter zugeschoben“ fühlt und es etliche Skeptiker wegen der großen Last gibt, kristallisierte sich am Donnerstagabend in Schönhausen eher Zustimmung heraus, auch wenn Ratsmitglieder wie Dieter Hertel Bedenken äußerten.

„Hier wird uns ein Radweg, der mitten durch den Wald führt, übergeholfen, das kann uns in Zukunft auf die Füße fallen.“ Die Sorge wegen der Wurzeln, die den Weg schnell schädigen könnten, nahm die Landesstraßenbaubehörde. „Es werden bei Wegen, die am Wald entlang führen, Wurzelsperren eingebaut.“

Auf diese Technik und einen soliden Untergrund auf dem Gleisbett vertraut Wolfgang Gehrke, Berbel Wischer plädiert für einen zügigen Bau ebenso wie Bernd Bleis und Bernd Witt. Und auch Jürgen Mund ist dafür, den Vertrag zu unterschreiben: „Wir müssen endlich mal handeln! Wenn wir immer nur diskutieren und Bedenken äußern – erreichen wir nichts! Nicht nur für Touristen, sondern vor allem auch für die Dorfbewohner ist diese Verbindung wichtig!“

Kein Verständnis für Haltung des Bundes

Auch wenn es keine Abstimmung gab, ob der Vertrag unterschrieben wird, so gab es doch mehrheitlich zustimmendes Nicken in Schönhausen. Zur nächsten Sitzung sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Aber wir können entscheiden, was wir wollen – wenn Klietz nicht mitzieht, wird der Weg nicht gebaut“, äußerte Jürgen Mund seine Sorge. Wolfgang Gehrke appellierte deshalb an den benachbarten Rat, die Entscheidung gut zu durchdenken. Doch die Last, die Klietz trägt, ist ein Vielfaches höher und das Unverständnis über die Haltung des Bundes, der seine Verantwortung abgibt, umso größer.