Taufe, Epitaph und Schützenscheibe restauriert

Die Restaurierung der drei Exponate übernahmen Oliver Helle aus Rhinow, er ist für die Fassung zuständig, und Jens Zimmermann aus Heiligengrabe, der sich um alle Holzteile kümmert.

Die kelchförmige Taufe aus dem Jahre 1676 stand in der Ende des 15. Jahrhunderts erbauten Dorfkirche von Toppel. Sie hatte an mehreren Stellen Schwundrisse und lose Teile. Die Farbe auf dem Eichenholz war stark verschmutzt, teilweise abgeplatzt und mit einer dunkelbraunen Lasur überstrichen. Bei der Restaurierung wurden drei Farbfassungen von hellgrau über ocker bis rotbraun freigelegt. Die jetzige rotbraune Fassung stammt wahrscheinlich von 1862. Die Zierleisten blieben in ihrer Farbigkeit seit 1676 unverändert und wurden lediglich gereinigt.

Das hölzerne Epitaph von 1741 stammt aus der Dorflirche Göttlin und wurde für den Havelberger Apotheker Daniel Andreas Wilhelmy angefertigt. Die Gedächtnistafel aus Kiefernholz wies einen 1,8 Zentimeter breiten Spalt auf, war ebenfalls stark verschmutzt und nachgedunkelt. Die Restauratoren nahmen eine Verleimung und Reinigung der gesamten Tafel vor und retuschierten Fehlstellen.

Die Schützenscheibe aus Havelberg vom Mai 1853 wurde aus Kiefernholz gefertigt und mit einem romantisierten Landschaftsbild bemalt. Die 31 Schusslöcher stammen vom Schützenfest der Havelberger Schützengilde in jenem Jahr und wurden später mit Holzdübeln zugesteckt. Die Scheibe war zerbrochen und die hinteren Leisten instabil. Die Farbfassung wies zahlreiche Aufbrüche aus, war stark verschmutzt und vergilbt.

Quelle: Prignitz-Museum

Havelberg l Die kelchförmige Taufe aus dem Jahre 1676 ist eines von drei Exponaten, die der Verein Freunde und Förderer des Prignitz-Museums Havelberg mit Hilfe der Fielmann AG restaurieren lassen konnte. Bei der Vorstellung der Objekte am Montag in einer kleinen Kabinettausstellung wurde zugleich der Startschuss gegeben für eine weitere Zusammenarbeit. Auch in den nächsten Jahren soll das Museum durch Restaurierungen und Schenkungen unterstützt werden, sicherte Jürgen Ostwald von der Fielmann AG zu.

Neben der kelchförmigen Taufe, die aus der Dorfkirche in Toppel stammt, wurden ein hölzernes Epitaph aus dem Jahre 1741 und eine Schützenscheibe von 1853 aufwendig restauriert. Allen drei Exponaten hatte der Zahn der Zeit arg zugesetzt. Dank der finanziellen Zuwendungen von mehreren tausend Euro von der Fielmann AG und Geldern des Fördervereins konnten sie wieder so hergestellt werden, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben. Sie sind noch zwei Wochen in der Kabinettausstellung des Prignitz-Museums zu sehen, bis sich eine neue Ausstellung dem 500-jährigen Geburtstag von ­Matthäus Ludecus widmet. Er war der erste protestantische Dechant am Dom.

Die Fielmann AG fördert seit über 20 Jahren vor allem kleinere und mittlere Museen und Archive in Deutschland, die über keinen oder nur einen geringen Anschaffungsetat verfügen, berichtete Jürgen Ostwald. Inzwischen sind es rund 200 Einrichtungen. Angefangen hatten die Schenkungen im Norden Deutschlands – Fielmann stammt aus Schleswig-Holstein –, durch Kontakte von Museumsleitern in den Osten Deutschlands kamen weitere hinzu. In Sachsen-Anhalt werden Kunst- und kulturhistorische Museen etwa in Bernburg, Dessau, Genthin, Halberstadt, Osterburg und Stendal unterstützt. Aber auch das Goethe-Nationalmuseum in Weimar erfreut sich der Schenkungen.

Nächstes Objekt im Blick

„Wir werden uns schon in diesem Jahr wieder sehen“, versprach Jürgen Ostwald und machte darauf aufmerksam, dass der ersten Finanzspritze weitere folgen werden. Er ist europaweit in Auktions- und Kunsthäusern unterwegs und hat nun auch Havelberg mit im Blick. Wenn er etwas Interessantes für die historische Sammlung entdeckt, fragt er an, ob das Museum es gebrauchen kann. Und so wird die nächste Schenkung zur Weihnachtszeit mit einem Gemälde eines Havelberger Porträtmalers zusammenhängen, machte er bereits neugierig.

Für den Förderverein des Prignitz-Museums und das Museum selbst ist diese Zusammenarbeit ein sehr glücklicher Umstand, wie der Vereinsvorsitzende Harald Wildhagen und der Leiter der Museen des Landkreises Stendal Frank Hoche am Montag sagten. Der Förderverein freut sich über die Schenkungen, ist es dadurch doch möglich, weitere Exponate aus dem Depot des Prignitz-Museums zu restaurieren.

Sonnenuhr und Gemälde

Der 1994 gegründete Verein engagiert sich ebenfalls seit Jahren für Restaurierungen. Dafür wird unter anderem alljährlich zur Weihnachtszeit ein Spendenaufruf für ein bestimmtes Objekt gestartet. Restauriert werden konnten auf diese Weise ein Kirchenlehnstuhl aus dem 18. Jahrhundert, eine Prachtfahne der Havelberger Schützen, eine Kurfürstenbibel von 1725, ein Schwert aus dem 12. Jahrhundert und ein Promenadenkleid aus der Zeit um 1900.

In der Kabinettausstellung sind acht Exponate zu sehen, die mit Hilfe des Fördervereins, der Fielmann-Stiftung und der Gaben in der Spendentruhe restauriert werden konnte. Neben den drei genannten Objekten werden eine mit der Weihnachtsspendenaktion 2014 restaurierte Sonnenuhr aus Holz von 1717, die sich an einer Scheune in der Weinbergstraße befand, sowie Gemälde präsentiert. Ausreichend Exponate, die mit Spenden restauriert und somit der Öffentlichkeit vorgestellt werden könnten, gibt es. So wünscht sich das Museum bereits seit Jahren die Restaurierung einer Recamiere, einem Lehnsofa aus dem Klassizismus.