Schönhausen l Ganze 140 Seiten stark sind die Risiko-Analyse und der Brandschutzbedarfsplan der Verbandsgemeinde, welche derzeit fortgeschrieben werden. Hinzu kommen noch Anlagen wie die Alarm- und Ausrückeordnung oder eine Dokumentation zu den Gerätehäusern. Sie alle bilden die Grundlage für die Arbeit mit den Ortswehren.

Derzeit ist das Ordnungsamt mit der Programmierung und Auslieferung der zweiten Funkgeräte-Charge beschäftigt. Ist dies erledigt, kann man sich wieder voll der Arbeit mit der Fortschreibung widmen, wozu allerdings auch noch einige Wehren ihre Zuarbeit abliefern müssen.

Wasserträger wegen anhaltender Dürre nötig

Die extrem trockene Witterung der letzten Jahre hat die Wehren vor neue Herausforderungen gestellt. Da Brunnen wegen des gesunkenen Grundwasserspiegels weniger Wasser abgaben oder gar versiegten, sind andere Kraftfahrzeuge vonnöten. Beschafft werden sollen künftig verstärkt „Wasserträger“, also solche Fahrzeuge, die mindestens 1000 Liter Löschwasser und eine Gruppe (acht Aktive) mit sich führen können. Alternativ könnte man 30 Meter tiefe und mit einer Pumpe ausgestattete Tiefbrunnen bohren – sie sind dreimal so teuer wie ein herkömmlicher Brunnen – oder Löschteiche anlegen, doch ist man mit diesen nicht flexibel.

Mit diesen neuen Einsatzfahrzeugen kann zudem die schwindende Anzahl einsatzbereiter Maschinisten in den Ortswehren kompensiert werden, hofft das Amt.

Ausbildung zu wenig genutzt

Probleme werden von den Wehrleitungen auch bei der Standortausbildung gemeldet. Die Corona-Pandemie – wodurch etliche Dienstabende und weitere Veranstaltungen ausfallen mussten – hat scheinbar mit dazu beigetragen, dass die Bereitschaft zur Ausbildung vor Ort gesunken ist. Um den Trend zu stoppen, wird im Ordnungsamt über die Einführung einer Prämie nachgedacht. Diese erhält der Aktive, wenn er die von der Unfallkasse vorgeschriebene Mindestzahl an Ausbildungsstunden – also 40 pro Jahr – absolviert hat. Ansonsten wäre der Aktive auch nicht einsatzfähig.

Seit Jahren ein großes Problem sind fehlende Atemschutzgeräteträger. Vor allem in der Arbeitszeit sind diese oftmals nicht in ausreichender Anzahl vorhanden, so dass bei größeren Schadenslagen alle umliegenden Wehren mit alarmiert werden. – Wie zuletzt beim Wohnhausbrand in Kamern, wo fast 100 Feuerwehrleute vor Ort waren.

Auch bei den Atemschutzträgern wird über die Einführung gleich zweier Prämien nachgedacht: Für die Ausbildung soll es einen Zuschuss von 50 Euro geben, pro Jahr dann 25 Euro für die Absolvierung der Atemschutzstrecke und der erforderlichen Untersuchung. Erhöht werden sollten laut den Überlegungen auch die Aufwandsentschädigungen für Verbandsführer von 100 auf 200 Euro, für Zugführer von 75 auf 150 Euro und für Gruppenführer von 50 auf 70 Euro. Was dem Schnitt in anderen Regionen entspräche.

Vier Ausrückebereiche bleiben

Im neuen Konzept sollen die vier bestehenden Ausrückebereiche nur geringfügig geändert werden. Dies sind Sandau und Kamern, Klietz und Schollene, Schönhausen sowie Wust-Fischbeck. Schwerpunkt ist die gemeinsame Zusammenarbeit, damit Minderbesetzungen notfalls kompensiert werden können. In jedem Abschnitt gibt es mindestens einen technischen Hilfeleistungssatz (Schere/Spreizer), sieben Wehren sind damit ausgestattet. Zuletzt hatte Wust einen solchen erhalten, womit eine große Lücke an der B 188 geschlossen wurde.

In der Region gibt es naturgemäß Überschneidungen bei den individuellen Ausrückebereichen. Sandau mit im Schnitt sechs rund um die Uhr einsatzbereiten Kräften und Kamern (7 Einsatzkräfte) decken das Gebiet bis Rehberg und Schönfeld ab und sind auch für die Absicherung des Wulkauer Heimes vonnöten. In Schönfeld ist der Campingplatz ein Schwerpunkt, dafür ist die Ortswehr unabdingbar.

Personelle Probleme gibt es zudem in Kabelitz, von den lediglich noch vier Aktiven scheiden in den kommenden Jahren zwei aus. Gleiches trift auf Molkenberg zu. Bei diesen beiden Wehren muss entschieden werden, was geschehen soll – denn Nachrücker sind wenig wahrscheinlich. Soll man diese Wehren – beide fungieren bereits als Löschgruppen von Fischbeck beziehungsweise Schollene – dann abmelden oder warten, bis auch der letzte Aktive ausgeschieden ist?

Jenny Wolff: Klietz ist eine Vorzeige-Wehr

Zentral gelegen ist die Klietzer Wehr, Jenny Wolff bezeichnete sie als „Vorzeige-Feuerwehr“. Hier gibt es etliche Mitglieder, es existiert eine aktive Jugendwehr und hier ist die Drehleiter der Verbandsgemeinde stationiert. Wichtig sind zudem die stets einsatzbereiten Wehren in Schollene und Schönhausen. Für Fischbeck bildet die unfallträchtige Kreuzung der B 107 mit der B 188 einen Einsatzschwerpunkt. Ganz im Südosten ist Sydow mit seinen neun Aktiven auf sich allein gestellt – und für die umliegenden Orte unabdingbar. Ausgebildet wird in Wust, das funktioniert gut.

Im Bedarfsplan sind alle Einsatzfahrzeuge und Anmerkungen dazu aufgelistet. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Kauf eines Einsatzleitwagens für den Gemeindewehrleiter. Dieser könnte im Katastrophenfall als Leitstelle fungieren, für Großschadenslagen wie jüngst in Kamern ist er unabdingbar. Im neuen Etatentwurf sind dafür 100 000 Euro geplant. Nächste größere Anschaffung ist das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) für Sandau, was im 1. Quartal nächsten Jahres anrollen soll.

Einsatzleitwagen soll gekauft werden

Zu den nächsten Anschaffungen gehört wegen der dringend nötigen Wasserträger ein Tanklöschfahrzeug, was mindestens 3000 Liter Wasser mit sich führt. 2023 soll Kamern ein HLF 10 bekommen, ein solches ist drei Jahre später auch für Schönhausen vorgesehen.

Die Wehr in Fischbeck ist laut Bedarfsplanung im Jahr 2031 an der Reihe. Noch ist unklar, welches Fahrzeug dafür ausgemustert wird: Das Löschfahrzeug ist zwar jünger als der Tanker, es ist aber in der Unterhaltung teurer.