Schönhausen l Die Schönhauser Konfirmanden hatten im Vorjahr für ihr Projekt einer modernen Kirchenführung mittels QR-Code den goldenen Romanikpreis erhalten. Darum war die Kirche jetzt Gastgeber für die aktuelle Preisverleihung.

In seiner Begrüßung verwies Pfarrer Ralf Euker als Gastgeber auf den 25. Jahrestag der Straße der Romanik – mit dem von der FDP gestifteten Preis wird das Engagement an dieser Touristikroute gewürdigt. Die Ehrung habe der Konfirmandenarbeit viel Rückenwind verschafft, lobte der Pfarrer. Denn freiwilliges Engagement sei das tragende Fundament dieser Touristikroute. Es zu erhalten, fortzuführen und zu verjüngen sei eine große Herausforderung.

Restauriertes Epitaph

Ralf Euker wies die Gäste auf das jüngste Ergebnis des Schönhauser Engagements hin: Den frisch restaurierten Epitaph Augustus I. und seiner Frau Frederike von Möllendorff.

Viel ehrenamtliches Engagement gibt es seit Jahren auch in Sandau, wo seit 2002 der kriegszertörte Kirchturm wieder aufgebaut wird. Dafür gab es einen Romanikpreis in Silber, den Ingo Jurig, Vorsitzender des Vereins der Förderer und Freunde der Sandauer Kirche, entgegennahm. Er dankte nach der Ehrung vor allem den ehrenamtlichen Kirchenführern, welche ihre privaten Belange im Interesse des Wiederaufbaus zurückstellen.

Holger Hövelmann als Laudator

In der von Holger Hövelmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt, vorgetragenen Laudatio wurde die Ehrung wie folgt begründet: „Der wieder aufgebaute Turm der Sandauer Kirche ist ein Symbol für den Frieden in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur durch die unermüdliche Tatkraft der Mitglieder des Fördervereins konnte dieses Projekt verwirklicht werden und ist zugleich ein Vorbild für gesellschaftliches Engagement in Sachsen-Anhalt.“

Der Förderverein zum Wiederaufbau des Kirchturms wurde 1996 mit 19 Mitgliedern und hat aktuell 176 Mitglieder. 1998 begann er mit der Beräumung der Trümmer und 2002 erfolgte die die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Turmes, geplant für eine Mehrzwecknutzung auf fünf Ebenen. Aktuell läuft der zehnte Bauabschnitt in einem Wertumfang von 80 000 Euro, mit ihm wird die vollständige und barrierefreie Nutzung möglich sein.

Nach Abschluss dieses Bauabschnittes wurden etwa 1,7 Millionen Euro investiert, davon etwa eine Million Euro Fördermittel und immerhin 700 000 Euro Spenden. Letztere hatte der Förderverein mittels vieler Aktionen und Einzelspenden in den 22 Jahren seines Bestehens eingeworben. Bis zur Gesamtfertigstellung sind zwei weitere Bauabschnitte nötig – für die Komplettierung des Brandschutzkonzeptes sowie für den Dachreiter, dann werden etwa 1,9 Millionen Euro verbaut sein.

Die romanische Kirche Sankt Laurentius / St. Nikolaus wird seit 2008 durch ehrenamtliche Mitglieder des Fördervereins als offene Kirche und Radwegekirche an der Straße der Romanik und dem Elberadweg von April bis Oktober täglich offengehalten. In den zurückliegenden Jahren wurden jährlich zwischen 3 500 und 5 000 Besucher begrüßt.

Fünf Ebenen im Turm

Der Förderverein organisiert in den fünf Ebenen des Turmes diverse Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Workshops, Leader-Konferenzen, den Tag des offenen Denkmals, Klassen- und Spendertreffen, Buchlesungen, Konzerte, Jubiläumsfeiern, Kirchenfeste, Neujahrsempfänge, Elberadeltage sowie Romanik-Matineen. Zur Bundesgartenschau 2015 machten viele Besucher extra einen Abstecher in die Kirche. Zudem legen viele Reiseunternehmen hier einen Zwischenstopp ein.

Die Straße der Romanik ist eine etwa 1000 Kilometer lange Touristenroute in Sachsen-Anhalt in Form einer Acht, an ihr befinden sich 80 romanische Objekte in 65 Orten. Im Altkreis gehören dazu die Kirchen in Schönhausen, Sandau, Wust und Melkow sowie der Havelberger Marien-Dom. Allein in Altmark und Elb-Havel-Land stehen 517 Kirchen, erinnerte Beigeordneter Denis Gruber vom Landkreis. Dabei sie die Schönhauser Kirche wegen Otto von Bismarck sogar von überregionaler Bedeutung.