Schönhausen l Am Frauentag nahmen Charlotte Knappstein und Torsten Urban ihr treues Schönhauser Publikum mit auf eine spannende Zeitreise und präsentierten musikalisch wie rhetorisch auf sehr amüsante aber auch besinnliche Art neue und „alte“ Stücke aus ihrem Programm.

Ingrid Poppe und Christel Guß-Siedler haben sich wieder der großen Aufgabe gestellt, mit vielen fleißigen helfenden Händen einen wunderbaren Theaterabend im Schönhauser Bürgersaal zu ermöglichen. Das Publikum strömt zahlreich und in froher Erwartung auf den Abend. Nicht nur der bereitgestellte Sekt sorgt für eine prickelnde Atmosphäre.

Diese gute Stimmung überträgt sich auch auf die Hauptakteure dieses Abends. Torsten Urban ist seit einigen Jahren die feste musikalische Begleitung von Charlotte Knappstein. Im Gespräch betonen beide, dass sie sich unbedingt aufeinander verlassen können, in vielen Proben an den Details feilen und einfach ganz viel Spaß haben. So nehmen beide sehr professionell auf leichte und beschwingte Art ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Jahrzehnte.

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Traum von der Welt der Stars

Im plüschigen Bademantel begrüßt ‚Edith Erdmann‘ – eine von Charlotte Knappstein in den 90-er Jahren kreierte Bühnenfigur. Edith ist im realen Leben eine Hausfrau in der Ruhrpott-Arbeiter-Tristesse, die sich gern im Kaufrausch des Werbewahns austobt, so wie Frau Schmittkoweit. Aber Nachts – ach ja! Da träumt sie sich in die Welt der Stars. Es darf gern die Pariser Bühne sein, auf der das leichtfüßige Lied über die Faulheit oder das dramatisch gefühlvolle Chanson „Verlass mich nicht“ präsentiert wird. Aber der malochende Walter, Ediths Ehemann, passt gut auf, dass sich die Träume seiner Frau nicht auswachsen und augenzwinkernd gibt sie zu: „Der Walter lässt mich nicht verkommen“.

Die Rezitation von Torsten Urban aus „Der brave Soldat Schwejk“, in der die Fragen von Stanislaus zur Musterung sehr humoristisch beantwortet werden, macht aber doch sehr nachdenklich über den Unsinn von Krieg. Dieser Besinnlichkeit geben die beiden Akteure zunächst im zweiten Teil des Abends Raum. Im gleichen Kontext stehen die Geschichte von der heißgeliebten Puppe Doris, die ein kleines Mädchen auf der Flucht in den Luftschutzbunker verliert und das nachdenkliche jüdische Lied über Freude, Liebe und Sehnsucht. Das Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ von Erich Kästner macht - leider – deutlich, dass es wohl nie an Aktualität verlieren wird.

Rote Rosen regnen

Ja und dann ist die Knappstein die Knef! Perfekt gestylt präsentiert die Künstlerin Texte und Lieder aus ihrem letzten Bühnenprogramm, immer vom virtuosen Gitarrenspiel Torsten Urbans begleitet. Die „roten Rosen“ dürfen nicht fehlen und das begeisterte Publikum stimmt als leiser Chor mit ein. Tosender Applaus fordert eine Zugabe, die beide Künstler auch gern geben. So erfährt das Publikum auf äußerst amüsante Weise, wie aus russischer Eifersucht ein kulinarischer Genuss kreiert wurde, das Filet Stroganoff.

Gute Musik, nette Gespräche, nachdenkliche Texte, freundliche Menschen – alles gute Zutaten für einen gelungenen Abend, der dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben wird. Dafür gebührt den beiden Organisatorinnen Ingrid Poppe und Christel Guß-Siedler wieder ein ganz großes Dankeschön!