Havelberg l 65.000 Biberschwänze werden es insgesamt sein, die in drei Bauabschnitten auf das Dach des Hauptschiffes kommen. Die Dachziegel wurden extra für den Havelberger Dom hergestellt. Weil sie eine besondere Form haben, musste dafür ein Mundstück für die Strangpressform angefertigt werden, berichtet Ralf Lindemann, Baudirektor in der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Diese hat die Sanierung des Daches beauftragt. Für den ersten Bauabschnitt ist knapp eine Million Euro veranschlagt.

Am Donnerstag tagte die Dombaukommission im Dom. Im Anschluss schauten sich die Mitglieder auf der Baustelle um. Ein Aufzug führt hoch auf das Gerüst. Von dort geht es hinein in den Dachstuhl. Dort mussten einige Hölzer im Traufbereich ausgetauscht werden. Arbeiten waren auch an der Mauerkrone erforderlich. Die Mauerlatten wurden komplett ersetzt. Die waren getrennt, müssen jedoch aus einem Stück sein, um die Lasten des Dachstuhles abzuleiten. Auch einige verfaulte Hölzer wurden ausgetauscht.

Harzer Unterdach schützt

Auffallend ist im Bereich des ersten Bauabschnittes gegenüber dem nächsten das sogenannte Harzer Unterdach. Eine Schalung aus Holz, auf die Dachpappe kommt. Das sorgt für Wind- und Regendichtigkeit. Außen sind die Vorbereitungen soweit getroffen, dass die neuen Dachziegel, sobald sie geliefert worden sind, aufgebracht werden können. Der Vorteil eines solchen Unterdaches liegt darin, dass kein Flugschnee mehr in den Dachstuhl geraten kann. Der ist dadurch nicht mehr so reparaturanfällig.

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Neu sind auch zwei hölzerne Laufgänge, die künftige Wartungsarbeiten im Dachstuhl leichter machen. Auch Saubermachen ist angesagt. Vom Gewölbe des Hauptschiffes wurde der Schmutz der vergangenen Jahrhunderte heruntergeholt. Das Ganze ist eine Schwarz-Weiß-Baustelle. Bedeutet, dass die Bauleute ihre Kleidung wechseln müssen. Sie arbeiteten unter Vollschutz und mit Atemschutzmaske. Denn im Dachstuhl war einst Holzschutzmittel verwendet worden. Wird Staub aufgewirbelt, sind die Schutzmaßnahmen erforderlich.

Im Zuge der Sanierung war auch ein Bauforscher tätig. Er hat die Hölzer untersucht und bestätigt, dass es sich um einen mittelalterlichen Dachstuhl handelt. Das Holz wird ins 14. Jahrhundert datiert.

Stiftung hat investiert

Der Baudirektor hofft, dass die Witterung es zulässt, dass die Biberschwänze, die ein bisschen dicker als herkömmliche Dachziegel dieser Art und anders geformt sind, in den nächsten Wochen aufgebracht werden können. Über den Winter soll dann der zweite Bauabschnitt ausgeschrieben werden. Die Arbeiten der Zimmerer, Dachdecker und Dachklempner sowie Maurer sind die gleichen wie im ersten Bauabschnitt.

Im Jubiläumsjahr 2020 erhält das Hauptschiff des Domes somit ein rundum saniertes Dach. Das war schon länger dringend erforderlich. Große Schäden hatte das Dach während der letzten starken Stürme erlitten.

Die letzte große Baumaßnahme im Bereich des Havelberger Domes war die Sanierung des Westflügels mit Dach, Dachkonstruktion und Ausstellungsbereich des Prignitz-Museums für gut eine Million Euro. Die hatte 2016 begonnen und wurde im Jahr darauf abgeschlossen.

Aber auch kleinere Arbeiten gibt die Kulturstiftung in Auftrag. So wurde im Sommer das Triumphkreuz im Dom restauriert. Vor allem galt es, den Schmutz der vergangenen 130 Jahre zu beseitigen. Auch Korrekturen in der Farbschicht wurden von den Restauratorinnen vorgenommen. Unterstützt wurden die Arbeiten von Studierenden. 40.000 Euro hat die Kulturstiftung investiert. 2018 wurde das Wappenfenster in der Sankt Annenkapelle des Domes restauriert. Die Kosten hierfür lagen bei 80.000 Euro, wovon 20.000 Euro von der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt kamen. Zum Reformationsjubiläum hatte die Kulturstiftung 2017 das Andachtsbild des Havelberger Reformators Matthäus Ludecus im Dom restaurieren lassen.

Der Dom wurde 1170 geweiht. Das 850jährige Jubiläum wird am 16. August 2020 groß gefeiert. Im Laufe des Jahres gibt es aus diesem Anlass weitere Veranstaltungen.