Schönhausen l Ausgerechnet im besucherstarken Jubiläumsjahr drohte dem Museum die Schließung – kein schönes Geschenk zum 200. Geburtstag des ersten deutschen Reichskanzlers. Denn am Montag endeten die Maßnahmen von vier Langzeitarbeitslosen, die hier in den zurückliegenden zwölf Monaten über den zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt waren. Lediglich die angemeldeten Gruppenführungen hätten mit Hilfe von Honorarkräften stattgefunden, deren Budget für dieses Jahr allerdings auch schon ausgeschöpft ist.

Die Gemeinde ist kurzfristig in den Bresche gesprungen und finanziert ab sofort zwei Minijobs für Marita Pusch und Rita Heidensohn aus Fischbeck. Die Frauen waren bis zum 14. September über das Programm FAV (Förderung von Arbeitsverhältnissen) im Museum tätig, dazu kamen zwei weitere AGH-Beschäftigte. Wie Iris Warnstedt, Leiterin des Jobcenters, Geschäftsstelle Havelberg, erklärt, konnten die Maßnahmen nicht verlängert werden. Auf Wunsch der Gemeinde waren sie nur für ein Jahr statt, wie auch möglich gewesen, für zwei Jahre beantragt worden. Die FAV seien auch nur für Personen gestattet mit hohen Vermittlungseinschränkungen. „Da beide Frauen aber so eine gute Beurteilung bekommen haben, sind sie nun nicht mehr förderfähig und damit ist auch gar keine Verlängerung für sie möglich gewesen.“

Davon abgesehen, dass seitens der Gemeinde gar kein Antrag auf Verlängerung gestellt worden war, sei es auch sehr schwierig, für das Museum geeignete Personen zu finden, so Iris Warnstedt.

Die Regelung der Bundesregierung, dass Langzeitarbeitslose innerhalb von fünf Jahren nur zwei Jahre lang gefördert werden dürfen, hält Hannes Rühlmann von der Gesellschaft für Arbeitsförderung des Landkreises Stendal für nicht mehr zeitgemäß. Auch er bedauert, dass für das Museum keine Lösung gefunden werden konnte. Iris Warnstedt erklärte Gesprächsbereitschaft, „vielleicht können wir ja doch noch kurzfristig eine Lösung finden“.

Denn die beiden Minijobs belasten den Haushalt der Gemeinde. Aber sie sichern bis zum Jahresende erst einmal die Öffnung ab, wenn auch leicht verkürzt von 11 bis 16 Uhr. „Das ist sehr erleichternd“, sagt Dr. Andrea Hopp, die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen, der die verschlossenen Türen gegenüber den Touristen sehr unangenehm gewesen wären. Es müsse eine grundsätzliche Regelung gefunden werden, denn zwei Beschäftigte seien nicht ausreichend, um die Arbeit abzusichern. Sie hat das Kultusministerium über den Umstand informiert. Und auch gestern bei der Mitgliederversammlung der Bismarckstiftung in Friedrichsruh war Schönhausen ein Thema. Noch in diesem Jahr muss der fünf Jahre geltende Kooperationsvertrag als Grundlage für den Museumsbetrieb in Schönhausen zwischen Stiftung, Land, Landkreis und Gemeinde verlängert werden.