Havelberg l Ob dezent in Weiß für den Dienst oder in bunt, auch mit witzigem Motiv, für den Freizeitgebrauch: Christina Friedl war am Wochenende kreativ und hat erste Mundschutzmasken selbst genäht. Leinen oder Baumwolle, also Stoff, der Hitze verträgt, hat sie in Falten zusammengenäht, einen dünnen Draht eingenäht und mit Gummizug versehen. „30 Stück sind entstanden. Um mehr herzustellen, bräuchten wir Hilfe von Leuten, die dieses Handwerk verstehen“, sagt Gerald Friedl. Das Apotheker-Ehepaar und seine Mitarbeiter in der Havel-Apotheke haben in den vergangenen Tagen immer wieder Anfragen von Patienten nach Schutzmasken gehabt. Wie schon beim selbst hergestellten Desinfektionsmittel, könnte auch hier Eigeninitiative nutzen.

Wer mithelfen möchte, möge sich bitte in der Apotheke melden. Christina Friedl würde eine Anleitung zur Verfügung stellen. Die Näherinnen – von denen es bestimmt zum Beispiel noch einige versierte aus dem einstigen Bekleidungswerk Havelberg gibt – würden ihre Mühe auch bezahlt bekommen und die Apotheke die Masken zum Selbstkostenpreis an die Kundschaft abgeben.

Friedls hatten zunächst Bedenken, dass sie mit dem Aufruf, Masken selbst zu nähen, Panik auslösen könnten. Das Thema wird kontrovers diskutiert. Doch auch wenn es keine Garantie für den Schutz vor dem Coronavirus gibt, schaden kann eine solche Maske nicht. „Und sie werden ja auch täglich nachgefragt“, weiß Christina Friedl vom Interesse aus der Bevölkerung. Die Masken können in heißem Wasser durchgespült und am besten noch mit einem Bügeleisen erhitzt werden. Probehalber hat Christina Friedl am Montag im Supermarkt schon mal eine Maske aufgesetzt. Manche Leute hätten sie komisch angeguckt, andere fanden diese Art des Selbstschutzes gut. „Wir können dazu beitragen, Masken salonfähig zu machen und als Modeaccessoire zu sehen, das zugleich dazu beiträgt, uns und unsere Patienten zu schützen.“

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Dafür stehen in der Apotheke ein Spender zur Desinfektion der Hände und Papiertaschentücher bereit. Im Kassenbereich sind Plexiglasscheiben angebracht.

Gerüchte stimmen nicht

Solche hat auch Dr. Frank Hommel in seiner Dom-Apotheke zum Schutz der Mitarbeiter und Patienten installieren lassen. Geändert hat er ein Schild. Denn mit dem Hinweis auf Verhaltensweisen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus – wie es ihn seit Wochen zum Beispiel auch in Krankenhäusern und Arztpraxen gibt – hat er schlechte Erfahrungen gemacht. Aus dem Hinweis mit dem roten Stopschild und der Frage „Verdacht auf Coronavirus?“ hätten manche herausgelesen, dass die Apotheke unter Corona-Verdacht und damit unter Quarantäne stehe.

„Das ist überhaupt nicht der Fall und nicht schön, dass in solch einer Situation solche Gerüchte entstehen“, sagt Frank Hommel. Mit diesem Hinweis sollten die Patienten dafür sensibilisiert werden, sich im Verdachtsfall etwa an den bundesweiten medizinischen Bereitschaftsdienst zu wenden oder zum Beispiel die Notfallklingel der Apotheke zu benutzen. „Im Moment sind noch alle gesund in Havelberg, wir wissen von keinem Corona-Fall. Wir sollten doch alle vernünftig und besonnen mit der Situation umgehen“, bittet der Havelberger.

Den Kassenbereich hat er schon vorige Woche mit Plexiglasscheiben abgesichert. Zum Schutz der Mitarbeiter und der Patienten. Viele Kunden verhalten sich den Empfehlungen zur Bewältigung der Corona-Krise entsprechend, halten Abstand. Damit, dass es keinen Mundschutz gibt und kaum noch Desinfektionsmittel, stehen die Apotheken nicht allein. „Wir würden auch selbst Desinfektionsmittel herstellen. Doch ist nicht mal der dafür erforderliche Alkohol im Moment zu haben“, bedauert Frank Hommel.

Das „Stopschild“ hat er aus dem Eingangsbereich der Apotheke verbannt. Stattdessen weisen nun Schilder darauf hin, dass sich maximal drei Kunden/Patienten gleichzeitig in der Apotheke aufhalten dürfen. „Auch wir möchten, dass wir alle gesund bleiben“, steht groß darüber.

Neben diesen beiden genannten Apotheken in der Oberstadt gibt es auf der Altstadtinsel außerdem die Markt-Apotheke von Eileen Timm. „Soweit ist alles in Ordnung. Wir halten natürlich auch alle Vorschriften ein und bitten unsere Patienten mit Aufstellern um den richtigen Sicherheitsabstand. Sie können ihre Hände desinfizieren und an der Kasse haben wir entsprechenden Schutz“, berichtet die Mutter der Inhaberin, Apothekerin Sabine Timm auf Volksstimme-Nachfrage.

Viele würden jetzt lieber telefonisch ihre Medikamente bestellen. „Wir müssen alle vorsichtig sein. Wir desinfizieren uns oft die Hände und ziehen Handschuhe an. Viele nutzen nun auch die Kartenzahlung, um den Umgang mit Bargeld zu minimieren“, berichtet sie weiter.