Havelberg l Wie kann der hohen Luftfeuchtigkeit in der Havelberger Stadtkirche, die teilweise sogar bei über 90 Prozent liegt, ein Ende gemacht werden? Diese Frage soll im Rahmen eines Klimakonzeptes geklärt werden. Darauf haben sich Vertreter der Kirche und des Planungsbüros geeinigt, die sich in dieser Woche im Gotteshaus getroffen haben. Ein Lüftungskonzept war ohnehin schon geplant, berichtet Wolfram Schwelgin vom Ingenieurbüro IBS aus Hoppegarten bei Berlin. Der Bauingenieur begleitet die Sanierungsarbeiten in der Havelberger Stadtkirche seit etlichen Jahren.

Dass es eine hohe Luftfeuchtigkeit gibt, ist bekannt. Der Echte Hausschwamm hatte den Fußbodenbereich im Eingangsbereich unter der Orgelempore schon einmal in seinen Besitz genommen. Darauf folgte im Jahr 2018 eine umfangreiche Sanierung des Holzfußbodens. Im September dieses Jahres trat der Pilz erneut zutage. In einer solch aggressiven Form, wie es selbst Fachleute noch nicht oder selten gesehen haben (die Volksstimme berichtete). Der Schwamm quoll aus den Holzdielen heraus, suchte sich einen Weg auch an den Säulen. Als Sofortmaßnahme hatte die Baufirma, die den Fußboden saniert hatte, sämtliches befallenes Holz rausgenommen und den Bereich mit einer dichten Folie abgedichtet. Wie feucht der Fußboden ist, zeigte sich beim Vororttermin beim Hochklappen der Folie. An ihr hat sich Wasser gesammelt.

Orgelrestaurierung wird nicht beeinflusst

„Wir wollen ein Gesamtkonzept erarbeiten und dabei den gesamten Innenraum der Kirche betrachten. Wir müssen das Feuchteniveau auf ein Maß bringen, das akzeptabel ist. Die Orgel verträgt bis maximal 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, jetzt haben wir hier teilweise über 90 Prozent“, sagt Wolfram Schwelgin. Wie die Lösung aussehen kann, stehe noch nicht fest. Für den Fußboden gehen erste Überlegungen dahin, künftig generell auf Holzdielen zu verzichten. Ein Ziegelfußboden könnte die Alternative sein.

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Denn das Holz scheint immer wieder anfällig für den Befall mit Hausschwamm zu sein. Dass sich der Pilz erneut ausbreiten konnte, könne daran liegen, dass sich Sporen im nicht sanierten Bereich befanden. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit haben sie einen guten Nährboden und konnten die neuen Dielen aus Kiefernholz, die zur Unterlüftung auf Eichenhölzern lagerten und wo Lüftungsschlitze aus Metall eingebaut waren, in Besitz nehmen.

Wie die Finanzierung erfolgen könnte, muss geklärt werden, wenn das Konzept fertig ist. „Darin müssen die einzelnen Maßnahmen herausgearbeitet werden. Die Umsetzung des Konzeptes wird wohl in Stufen über mehrere Jahre erfolgen müssen“, schätzt der Bauingenieur ein. Wenn die Kosten feststehen, müssten sich Landeskirche und Kirchenkreis abstimmen und schauen, wo möglicherweise Fördertöpfe aufgemacht werden können.

Die Restaurierung der wertvollen Scholtze-Orgel aus dem Jahre 1754, die im Oktober nächsten Jahres abgeschlossen sein soll, werde momentan nicht vom Schwammproblem beeinflusst. Der Bereich ist abgedeckt und werde noch gereinigt. „Erstmal ist es jetzt so kalt, dass der Schwamm nicht wächst“, so Wolfram Schwelgin. Auch in der Orgelempore hatte sich Schwamm ausgebreitet. Hier hatte im Frühjahr eine umfangreiche Sanierung stattgefunden.