Havelberg l Ihre Klassenkasse besonders gut auffüllen konnten am Dienstag die Schüler aus der Klasse 7b der Sekundarschule „Am Weinberg“ in Havelberg. Noch als „6b“ hatten sie sich am landesweiten Wettbewerb „Berufsentdeckungen am Zukunftstag – unsere Klasse ist dabei“ beteiligt. Dieser ist 2019 von den Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau und Magdeburg in Kooperation mit dem Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt zum zweiten Mal ini­tiiert worden. Schulklassen aller Schulformen reichten dafür Beiträge ein, die ihre Teilnahme am Zukunftstag für Mädchen und Jungen (Girls Day und Boys Day) dokumentierten.

Ein Video gedreht

Von der damaligen 6 b aus Havelberg war es ein Video, in welchem alle Mädchen und Jungen der Moderatorin Cecil Löper Rede und Antwort über ihre beim Zukunftstag gemachten Erfahrungen in Betrieben und Einrichtungen standen. Nur ein Beispiel: Leonie Radecker, die sich einen Industriebetrieb in Dretzel ausgewählt hatte, gestand ehrlich, dass sie mit den technischen Zeichnungen dort überhaupt nicht klar kam. „Das ist mehr was für Jungen“, meinte sie.

Tagesfahrt nach Berlin

Die Jury befand den Wettbewerbsbeitrag der 6 b auszeichnungswürdig. Hinter einer Magdeburger Schule wurden die Havelberger auf Platz 2 gesetzt, dahinter folgte wieder eine Magdeburger Schule. Platz 2 war am Ende 300 Euro wert. Bildungsstaatssekretärin Eva Feußner sowie die Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, Ramona Miedl, und Sylvia Radtke von der IHK-Geschäftsstelle in Salzwedel übergaben in der Aula des Schulzentrums die Auszeichnung: eine Urkunde und einen symbolischen Scheck über 300 Euro. Das Geld soll in eine Tagesfahrt nach Berlin investiert werden.

Früh orientieren

Eva Feußner würdigte die Teilnahme von fast allen Schülern der Klasse am Zukunftstag und deren anschließenden Fleiß beim Erarbeiten des Wettbewerbsbeitrages. Sie machte den jetzigen Siebtklässlern Mut, auch beim Zukunftstag 2020 wieder so aktiv zu sein. Es sei lobenswert, sich bereits so früh Gedanken bei der Berufsorientierung zu machen.

Vier Lehrer aktuell zu wenig

Ulrich Gruber, amtierender Leiter der Havelberger Sekundarschule, nutzte den Besuch der Staatssekretärin, um in seiner Eröffnungsrede auf einige größere Probleme „Am Weinberg“ aufmerksam zu machen. „Ich bin jetzt im 37. Dienstjahr, aber einen solchen Schuljahresbeginn wie in diesem Jahr habe ich noch nicht erlebt“, sagte er. Durch den Weggang von Lehrerinnen aus verschiedensten Gründen würden der Schule aktuell gleich vier Lehrkräfte fehlen. „Wir haben Probleme, den Unterricht in den Fächern Musik, Mathematik, Hauswirtschaft und Biologie abzusichern.“ Die Unterrichtsversorgung liege nur noch knapp über 80 Prozent. Um den Unterrichtsausfall so gering wie möglich zu halten, mussten Klassen zusammengelegt werden, unter anderem wurden so aus drei 8. Klassen zwei. Hinzu kommt, dass im havarierten Haus C drei Unterrichtsräume, der Hauswirtschaftsraum und drei Technikräume derzeit nicht genutzt werden können.

Bleibender Lehrernotstand

Was den Bestand an Lehrkräften angehe, machte Eva Heußner kaum Hoffnung da­rauf, dass sich diese Situation, gerade in ländlichen Gegenden, vorerst verbessern werde.