Havelberg l „Alle Spatzen sind schon da“, singen die Mädchen und Jungen aus der Spatzengruppe der Havelberger Kita „Zwergenland“ am Vormittag auf dem Hof des Evangelischen Seniorenzentrums. Auf Abstand zu Heimbewohnern, die es sich dort bei schönstem Sonnenschein gemütlich gemacht haben. Ein direkter Kontakt ist nicht erlaubt. Und das nun schon seit Mitte März, als die harten Corona-Bestimmungen in Kraft getreten sind. Inzwischen sind sie gelockert. Somit konnten die Kinder mit ihren Erzieherinnen Nicole Kaufmann und Anke Müller ihre in den vergangenen Wochen liebevoll gestalteten Bilder überbringen. Und auch singen – auf Abstand natürlich.

Die Freude bei den Senioren war groß. „Ich bin zum ersten Mal dabei, aber so was ist doch einmalig“, sagt Anita Pietzner. Renate Krause lebt schon länger im Seniorenzentrum und weiß, wie gut die Besuche von den Kindern tun. „Normalerweise kommen sie immer, wenn hier jemand Geburtstag hat“, berichtet die Seniorin.

Senioren vermissen die Kinder

„Das ist eine schöne Tradition, die nun wegen Corona leider gerade nicht möglich ist“, sagt Nicole Kaufmann. Eine der fünf Gruppen der Kita gratuliert immer musikalisch zum Geburtstag einer Bewohnerin oder eines Bewohners. Auch gebastelt wird für die Senioren. Der Chor kommt zu Festen im Heim und erfreut mit seinen Liedern.

Bilder

Die Bilder, darunter auch eines vom Regenbogenfisch, werden an die Wohnbereiche im Seniorenzentrum, das 99 Plätze hat, verteilt. Die Tagespflege bekommt ebenfalls ein Exemplar, sagt die Leiterin des Teams soziale Betreuung Peggy Lieberenz. Auch sie ist froh, die Kinder mal wieder begrüßen zu können – wenn auch nur vor der Eingangstür. „Wenn die Kinder hier sind, ist das immer eine schöne Abwechslung und es kommt Freude bei den Senioren auf. Unsere Bewohner vermissen die Kinder jetzt ganz besonders. Sonst fragen sie schon während der Schließzeit der Kita in den Sommerferien, wann denn die Kinder wieder mal vorbeischauen.“

Dass es nun wieder Lockerungen für Seniorenheime gibt, findet sie wichtig. Unter Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln können die Bewohner wieder Besucher empfangen. Jeweils eine Person am Vormittag und eine am Nachmittag. Die Senioren dürfen auch wieder mit zu ihren Familien nach Hause. „Wir hoffen natürlich, dass sich auch die Angehörigen an die Regelungen halten. Denn ein komplett abgeschottetes Haus wie zu Beginn der Corona-Krise möchten wir nicht wieder haben. Bisher sind wir sehr gut durch die Pandemie gekommen, das soll auch so bleiben.“

Gymnastik, Backen und Zeitungsschau

Viele Bewohner hatten Verständnis für die Kontaktbeschränkungen gezeigt. Sie telefonierten viel mit ihren Familien. Manch einer kam auch auf den Hof des Seniorenzentrums, um wenigstens am Fenster Hallo zu sagen.

Zum Team der sozialen Betreuung gehören sieben Mitarbeiterinnen. Vormittags und nachmittags kümmern sie sich in den Wohnbereichen um die Senioren. Gymnastik, Backen, Zeitungsschau, Themenstunden und Spaziergänge gehören zum Angebot. Wer nicht raus aus seinem Zimmer kann, bekommt Besuch von den Betreuerinnen. „Ende August wollen wir mal wieder ein kleines Sportfest veranstalten, noch getrennt nach Alt- und Neubau“, berichtet Peggy Lieberenz.

„Es wäre schön, wenn sich alle Menschen an die Regelungen halten. Muss es denn unbedingt im Urlaub ins Ausland gehen“, hofft Bewohnerin Renate Krause, dass es nicht zu einem zweiten Lockdown kommen muss.