Havelberg l „Ihr müsst euch Zeit nehmen. Der 114. war noch nicht mein letzter Geburtstag.“ Diesen Satz sagte der älteste Mann der Welt Gustav Gerneth heute vor einem Jahr, als er im kleinen Kreis seiner Familie und mit dem Bürgermeister auf seinen Ehrentag anstieß. Dieses Ziel konnte er nicht erreichen. Wenige Tage nach seinem Geburtstag verstarb er am 21. Oktober 2019. Damit erfüllte sich aber sein Wunsch, friedlich zu Hause einschlafen zu können.

Gustav Gerneth galt seit Januar 2019 als ältester Mann der Welt, nachdem der Japaner Masazo Nonaka gestorben war. Dieser war knapp drei Monate älter als der Havelberger und stand seit April 2018 im Guinness Buch der Rekorde. Zuvor hatte Gustav Gerneth andere Rekorde eingestellt: zunächst als ältester Mann in Sachsen-Anhalt, dann in Deutschland – 2015 als ältester Mensch Deutschlands und auch im deutschsprachigen Raum. Darauf war er stolz und hat stets an seinen Geburtstagen Ziele ausgegeben. So zu seinem 109. Ehrentag. Da verkündete er, den 110. Geburtstag feiern zu wollen. „Das ist dann eine runde Sache.“ Das schaffte er und trug sich am 15. Oktober 2015 ins Goldene Buch der Hansestadt ein.

Er wurde 1905 in Stettin geboren, erlernte den Beruf des Maschinisten, fuhr zur See und auf Binnenschiffen. Er war Flugzeug- und Bordmechaniker, im Zweiten Weltkrieg geriet er in Kriegsgefangenschaft. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1972 arbeitete er in Havelberg im Gaswerk, das dann schloss. Mit seiner Frau hatte er drei Söhne. Heute sind es Enkel und Urenkel, die an seinem 115. Geburtstag an ihn denken. Etwa an sein Lebensmotto: „Auf den Hintern soll man sich nicht setzen, da wird man steif.“ Oder an seinen Lieblingskuchen Frankfurter Kranz, den er an seinen Geburtstagen gern mit seinen Gästen teilte.