Klietz l Dieses Jahr hatte Kirchenältester Gertmund Werth ein anderes Sammellager für Spenden für die Lettlandhilfe auserkoren: die Winterkirche. Das hatte gleich einige Vorteile: Die Räume sind beheizt und hier ist der Weg zudem nicht so weit. Was sich vor allem auch am Mittwoch beim Beladen des Siebeneinhalb-Tonners positiv bemerkbar machte. Denn dieser konnte bis an den Eingang heranfahren, was bei der Kirche schlecht möglich ist. Iris und Gertmund Werth sowie Kirchspielvorsitzender Walter Volkmar hatten beim Beladen Hilfe vom Reporter, so ging alles recht schnell vonstatten.

Und zwar trotz der Tatsache, dass dutzende große Kartons, und Säcke sowie einige Koffer und Fahrräder – darunter ein E-Bike – zu verladen waren. Die meisten der Kartons kamen aus dem DRK-Heim Julianenhof bei Müggenbusch, was schon seit Jahren unterstützt.

Fast alle Kartons sind beschriftet

Viele der auch von Bürgern aus der Umgebung abgegebenen Kartons waren beschriftet. So können die Letten sie später besser verteilen. Vor allem Textilien waren darin, aber auch Spielzeug oder Schulbedarf. Zwei kleinere Kartons waren zum Beispiel voller Schreibblöcke. Auch Bettwäsche wurde gespendet.

Der Transporter hatte bereits die Spenden aus Stendal mitgebracht, wo bei weitem nicht so viele wie in Klietz zusammengekommen waren. Nach dem Beladen in der Seegemeinde ging die Fahrt gleich weiter zum Vereinssitz nach Schönebeck. Hier stand ein großer Sattelzug einer lettischen Spedition bereit, auf welchen noch am selben Tag die gesamten Spenden des Vereins verladen wurden.

Großteil geht an christliche Schule

Den Großteil der Spenden erhält eine christliche Privatschule in Grostona. Natürlich behält diese nicht alles für sich, sondern verteilt die Spenden weiter. Obwohl das baltische Land zur EU gehört, ist dort das soziale Netz sehr dünn. Der Durchschnittslohn lag im Vorjahr bei knapp 1100 Euro, der Mindestlohn bei 430 Euro. Wobei die Preise bereits ähnlich hoch sind wie in Deutschland. Enorm sei zudem die Kluft zwischen den Großstädten und dem flachen Lande, berichtete Matthias Menzel.

Wie nachhaltig die Spenden aus Deutschland den Menschen dort helfen, wurde ihm erst kürzlich wieder berichtet: Vor Jahren wurde vom Verein ein E-Mobil für Gehbehinderte gespendet. Dieses wird in Lettland immer weiter gereicht. Doch mit der Zeit ließ die Akkuleistung nach, mit der jetzigen Lieferung kam Nachschub. Zudem seien dieses Jahr auch Rollstühle und Rollatoren rege gefragt.

Nachhaltig sind auch andere Projekte der Lettlandhilfe. So wurde auch mit Hilfe des Vereins eine neue Heizung in der Schule eingebaut, welche weit weniger Holz als die alte verbraucht. „Früher dauerte die Brennholzvorbereitung mindestens zwei Monate“, berichteten die Mitarbeiter der Christian-David-Schule. (In voller Länge auf der Internetseite nachzulesen.)

Nachhaltige Projekte finanziert

Nachhaltig soll auch das nächste Projekt werden: Die Schule, in der auch Kinder aus schwierigen Verhältnissen lernen, will sich eine Solaranlage aufs Dach montieren lassen. Dann kann sie diesen Strom selbst nutzen und ist somit weniger auf Spenden angewiesen.

Unterstützt wird von der Lettlandhilfe seit einigen Jahren zudem die Aktion „Planet Hoffnung“ – wobei ein Camp für behinderte Kinder samt deren Betreuern organisiert wird. Der lettische Pastor Edgars Godins hilft in Riga zudem Armen mit Lebensmittel- und Geldspenden.

Begleitung diesmal nicht möglich

Eigentlich reisen Helfer aus Deutschland immer mit ins baltische Land, um beim Abladen und Verteilen zu helfen. Doch machte die aktuelle Entwicklung der Corona-Infektionen in Deutschland das zunichte. Die Flugtickets waren bereits gebucht, berichtete Vorsitzender Matthias Menzel – bezahlt werden diese übrigens immer aus eigener Tasche. Doch hätte man sich laut der aktuellen Vorgaben aus Lettland bei Ein- und Ausreise jeweils 14 Tage in Quarantäne begeben müssen. Deutschland zählt in dem baltischen Land seit kurzem als Risikogebiet – und das, obwohl die Zahlen in Sachsen-Anhalt weiterhin recht niedrig sind. Dumm ist nur, dass es das Geld für die Tickets nicht zurück gibt, denn der Flieger hebt ja dennoch ab. Kulanter lief es hingegen beim Hotel in Riga, das erließ den Deutschen die Stornogebühren in Höhe von 250 Euro.