Wust l Am Ende ist sogar das Haus abbezahlt. Aber die großen Lügen sind nicht vom Tisch und Willy Loman, lebenslanger Verkäufer für irgendwelche Waren, ist tot. „Er hatte den falschen Traum“, fasst in der letzten Szene sein Sohn Biff zusammen. Aber Charlie, der einzige Freund, der mit der kleinen Familie am Grab steht, kommentiert „Er war ein Verkäufer. Und ein Verkäufer braucht einen Traum.“

Zum Abschluss der Sommerschule Wust spielen Teilnehmer und Dozenten der Sommerschule das sehr bekannte Theaterstück „Tod eines Handlungsreisenden“ des amerikanischen Schriftstellers Arthur Miller. Vergebliche Geschäftsreisen, beklemmende Geldsorgen, kleinliche Streitigkeiten in der Familie, die immer wieder mit allergrößter Heftigkeit ausbrechen, eine Kündigung mit 63 Jahren, ein Jobangebot, das aus Stolz ausgeschlagen wird, Söhne, die mit schönster Regelmäßigkeit nichts auf die Reihe bringen außer zu klauen und den Frauen hinterherzulaufen – es ist eine beklemmende Welt, in die man da schaut bei den Lomans. Zur Rettung flüchtet sich Willy, sichtlich ein alter, ausgebrannter und zunehmend verwirrter alter Mann, in seine Tagträume – bald werden er und seine Söhne groß herauskommen, bald werde man aufs Land ziehen, Möhren und Rote Beete hinterm Haus ziehen. Wirklich ehrlich mit sich selbst ist er nur, wenn er mit seinem sehr reichen Bruder spricht – der allerdings ist längst tot.

Das Stück ist auf knappe anderthalb Stunden gestrafft, keine Minute davon zu viel. Enrico Reumann als Willy Loman schlurft durch die Inszenierung, gibt seiner Rolle Wahnsinn, Erschöpfung, Aggressivität und Rechthaberei gleichzeitig mit, das ist so beklemmend wie kurzweilig. Seine Frau Linda versucht seit Jahren vergeblich, die Familie zusammenzuhalten, und ist von der blanken Verzweiflung völlig aufgefressen, fantastisch Linda Hinz in dieser Rolle. Auch die Söhne, mit Leidenschaft gespielt von Anton Schanz und Eileen Uhde, passen wunderbar in dieses irre Panoptikum. Die brillanten Musiker, die das Stück live begleiten und durch halbtransparente Wände sichtbar und präsent waren, bildeten eine zusätzliche Bereicherung.

Bilder

Arthur Shettle als Regisseur aus New York, von dem als Allround-Künstler auch das Konzept für Bühnenbild, Musik und Licht stammt, die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Musiker und auch Bodo Strecke, der seit Jahren für die gesamte Technik der Sommerschul-Aufführungen zuständig ist, haben erneut eine Höchstleistung vollbracht. Denn die Schauspieler haben die Texte erst zu Beginn der Sommerschule bekommen; das ganze Team und auch Guido Scheller aus Wust, der nach dem Entwurf von Arthur Shettle erneut ein großartiges, modernes Bühnenbild gebaut hat, hatten nur dreieinhalb Wochen Zeit von Null an bis zur Premiere – bis in die Nebenrollen eine unglaubliche und hochprofessionelle Leistung. Die Texte lernen, in die Rollen hineinwachsen, die Szenen flüssig beherrschen, tägliche Proben oft bis spät in die Nacht, obwohl die meisten Teilnehmer auch tagsüber in der Sommerschule eingebunden waren – allergrößter Beifall!

Unbedingt sehenswert. Die zweite Aufführung findet am 2. August und die letzte am Sonnabend, 3. August, ab 19.30 in der Theaterbaracke Wust am Sportplatz statt.