Abschlussfahrt

Spanien mit Havelberg getauscht

Eine Spanienreise mit einer Havelberg-Reise getauscht hat eine Gruppe von Abiturienten aus dem bayrischen Pasing. Finn Weidenbach (18) war auf diese Idee gekommen.

Von Dieter Haase
Einer der Lieblingsorte der jungen Pasinger war der Bootsverleih im Havelberger Yachthafen. Fast an jedem Tag schipperten sie mit Wassertretern im Winterhafen oder um die Spülinsel herum.
Einer der Lieblingsorte der jungen Pasinger war der Bootsverleih im Havelberger Yachthafen. Fast an jedem Tag schipperten sie mit Wassertretern im Winterhafen oder um die Spülinsel herum. Foto: Dieter Haase

Havelberg/Pasing - „Das ist absolut nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagt Finn Weidenbach und meint damit die gemeinsame Abschlussfahrt der jungen Damen und Herren aus seiner Abiturklasse nach Spanien. „Aber am Ende siegte bei allen doch die Vernunft. Denn auf ein Abenteuer mit den wieder stark angestiegenen Corona-Infektionen in Spanien wollten wir uns auf gar keinen Fall einlassen. Und auf eine Quarantäne-Verordnung bei der Rückkehr nach Deutschland auch nicht.“ Aus dem Grund wurde der geplante Auslandstripp von den jungen Leuten aus Pasing kurzfristig abgesagt.

Keiner hatte je was von Havelberg gehört

Doch was nun? Wohin sollte es jetzt gehen? „Es blieb ja auf die Schnelle nur noch Deutschland für uns übrig“, berichtet Finn. Seine Idee: „Wir könnten doch gemeinsam nach Havelberg reisen. Ich kenne die Stadt seit meiner Kindheit ganz gut. Meine Oma und mein Opa leben dort. Es wird uns dort bestimmt nicht langweilig werden“, versicherte er seinen Mitschülern. Die fanden den Vorschlag gar nicht so schlecht und willigten in diesen ein.

„Wir wollten uns gerne von Havelberg überraschen lassen“, meinte Caroline. „Denn keiner von uns hatte von der kleinen Stadt bisher je etwas gehört oder gesehen. Finn einmal ausgenommen.“

Per Google erste Informationen geholt

Einen kleinen Eindruck verschafften sich die Abiturienten aber dann schon von ihrem Reiseziel. „Natürlich trieb uns die Neugier. Und so musste uns allen erst einmal Google helfen“, verrät Jan. „Schließlich sind wir dadurch auf der Havelberger Stadtseite gelandet und konnten uns etwas vorinformieren.“ Was Lena bestätigt. „Jetzt reizte es uns wirklich, Havelberg selbst einmal kennenzulernen.“ Und so wurden sogleich Tickets für eine Bahnreise erworben.

Zwei Tage Zwischenstopp in Berlin

Mit dem ICE ging es zunächst von München nach Berlin. „Wir hatten uns vorgenommen, auch in der Hauptstadt einmal für zwei Tage Station zu machen, wenn wir schon mal da sind“, so Finn Weidenbach. „Wir kommen ja schließlich sonst kaum einmal nach Berlin.“ In einem Hostel fand die Truppe eine Übernachtungsmöglichkeit. Und nahm sich dann Zeit, um sich in der Großstadt etwas um- und anzuschauen. Natürlich auch den Fernsehturm.

Finn kennt die Domstadt recht gut

„Aber dann setzten wir uns in den Zug nach Glöwen. Von wo meine Oma uns dann alle abholte“, erzählt Finn. Seine Oma - das ist übrigens die Hafenmeisterin des Havelberger Yachthafens Sigrid Weidenbach. „Ich war noch im Kindergarten, als ich hier schon immer bei Oma und Opa zu Besuch war. Dadurch kenne ich Havelberg sehr gut und finde mich in der Stadt gut zurecht“, sagt Finn. Womit hier auch sein Opa mit Namen genannt sein soll: Es ist Edwin Weidenbach, der frühere Hausmeister des Erlebnispädagogischen Centrums (ELCH) in der Domstadt. Heute ist er für das Haus noch als technischer Mitarbeiter zuständig. Und natürlich erfüllt es ihn immer noch mit Glück, seinen nunmehr erwachsenen Enkel ab und an einmal zu sehen.

Geburtstagsfeier zusammen mit der Jugend

Sigrid Weidenbach ergeht es genauso. Zu ihrem Geburtstag am Sonnabend konnte sie sich allerdings nicht nur über Enkel Finn, sondern auch noch über den Besuch von Enkelin Jamie und von Enkel Colin aus der Nähe von Berlin freuen - beide fast im selben Alter wie Finn. Eine große Überraschung bereiteten ihr an diesem Tag übrigens auch die Pasinger Abiturienten. Als sie sich zum ersten Mal an der großen Geburtstagstafel sehen ließ, empfingen sie sie mit einem gesungenen „Happy birthday to you“. Sigrid Weidenbach kamen vor Rührung fast die Tränen. „Ich habe mit den jungen Leuten dann am Abend noch gerne lange zusammengesessen.“

Kino und Disko wurden nicht vermisst

Und wie haben diese Havelberg erlebt? „Fast so schön wie in Spanien“, antwortet Chong mit einem Lächeln auf diese Frage. „Es gibt viel Wasser, einen Badestrand“ – damit meinte er den wirklich kleinen Sandstrand auf der Spülinsel – „und eine ganze Reihe von einladenden Gaststätten in der Stadt. Und die sommerlichen Temperaturen haben ihr übriges dazu beigetragen, dass wir uns im kleinen Havelberg recht wohl fühlten.“ „Hier könnte ich es auch noch etwas länger aushalten“, fügte Philippe an. Ein Kino oder eine Disko vermissten die Pasinger überhaupt nicht. „Das haben wir zu Hause. Hier brauchen wir so etwas nicht“, lautete die einhellige Meinung.

Jeden Tag was anderes unternommen

Gemeinsam mit ihrem „Stadtführer“ Finn konnten die Pasinger Abiturienten so einiges Interessantes und Sehenswertes in Havelberg entdecken. An einem Tag statteten sie dem Dom und dem Prignitz-Museum einen Besuch ab, an einem anderen Tag staunten sie darüber, was es am und im Haus der Flüsse so alles zu sehen gibt. Und auf dem Campingplatz der Spülinsel bereitete ihnen das Minigolfspiel viel Freude.

Fahrt mit Wassertretern hat alle begeistert

Außerdem entdeckten sie den Bootsverleih im Yachthafen für sich. Fast täglich wurden mit Wassertretern große Runden auf der Havel gedreht. „Es ist wirklich schön hier. Das hätte ich gar nicht gedacht“, schwärmte Olivia. „Und Finns Oma kümmert sich wie eine Mutter um uns. Es würde sich bestimmt lohnen, noch einmal nach Havelberg zu kommen.“ Was allerdings kaum zu machen sein dürfte. Denn nach ihrem bestandenen Abi schwärmen die jungen Damen und Herren demnächst in alle Himmelsrichtungen zum Studium, zu einem Auslandsaufenthalt oder anderen Zukunftsvorhaben aus.

Großes Dankeschön an die Ruderriege

Für ihren Aufenthalt in der Domstadt hatten die Pasinger übrigens auf dem Gelände der Havelberger Ruderriege ihre Zelte aufgeschlagen. „Ich bin Reno Gädeke von den Ruderern sehr dankbar dafür, dass er das noch ganz kurzfristig möglich machen konnte“, hat sich Sigrid Weidenbach über die prompte Zusage nach ihrer Anfrage gefreut. „Es gefällt uns sehr beim Ruderverein“, ist von Colin zu erfahren. „Es ist ein richtig schönes Zeltlager für uns alle.“ Nicht unerwähnt bleiben soll in dem Zusammenhang auch Karin Heise von der Ruderriege, die sich auch immer um das Wohlsein der Jugendlichen bemühte.

Rückfahrt nach München

Am 26. Juli ging es für die Pasinger dann mit vielen positiven Eindrücken zurück nach München.

Finn Weidenbach (18) hatte die Idee, die Abifahrt nach Havelberg zu verlegen.
Finn Weidenbach (18) hatte die Idee, die Abifahrt nach Havelberg zu verlegen.
Foto: Dieter Haase