Klietz l „Zufällig sind wir auf dieses alte Foto gestoßen – so entstand die Idee, zum runden Jubiläum eine gedruckte Chronik mit den wesentlichen Etappen der Entwicklung unseres Vereins zu erstellen“, informierte Vorsitzender Eberhard Wienmeister. Dieses Druckwerk ist nun fertig, auf der Vorstandssitzung am Mittwochabend konnte jeder schon mal darin blättern.

Zusammengestellt hatten die 56 Seiten starke Chronik die Vorstandsmitglieder Bernd Stamer und Ekkehard Wulfänger, der restliche Vorstand hatte zugearbeitet: Willi Porsche schrieb zum Beispiel über die Tischtennisabteilung und Eberhard Wienmeister über den Volleyball und den Frauensport. Zeitdokumente von ehemaligen Freizeitsportlern oder deren Befragungen kamen ergänzend hinzu. Zudem kümmerte sich Bernd Stamer als Sponsorenwart auch um die Finanzierung. Dank etlicher Spenden kann die in Schönhausen gedruckte Chronik ab sofort recht günstig angeboten werden. Ab sofort ist sie im Papierwarengeschäft, beim Bäcker, beim Fleischer, in allen Friseurläden oder an der Kasse auf dem Fußballplatz erhältlich. An letzterer kann man auch den neuen Wimpel kaufen.

Das runde Jubiläum wollen die Germanen auch nutzen, um diverse sportliche Höhepunkte zu organisieren. Zum Beispiel ein Tischtennisturnier für Jedermann oder ein Familiensportfest für Groß und Klein. Die Termine müssen noch abgestimmt werden. Andere stehen schon fest: Am 15. Januar ist Preisskat im Schullandheim und am 5. November steigt der Sportlerball im „Seeblick“ mit diversen Ehrungen.

Aktuell 145 Mitglieder

Vorgestellt werden in der Chronik die jetzigen Sektionen Fußball, Tischtennis, Bowling, Volleyball und Freizeitsport. Aktuell zählt Germania 145 Mitglieder, im Jahr 1986 waren es 239 gewesen. Aber wer von den jüngeren Klietzern weiß denn schon, dass unter dem Dach des Vereins einst auch Reitsport betrieben wurde oder Handball und Frauenfußball? Stolz sind die Tischtennisspieler von Germania auch darauf, dass sie die einzigen von 14 Vereinen im Ex-Kreis Havelberg sind, die seit der Wende durchgängig im Wettkampfbetrieb vertreten waren. Am längsten dabei sind hier übrigens Wilhelm Porsche, Arnim Glimm und Manfred Loer.

Jetzige und ehemalige Germania-Mitstreiter und Fans werden im Heft viele sportliche Höhepunkte wiederfinden – wie zum Beispiel das Pokalspiel gegen Magdeburg.

Als „Turn- und Sportvereinigung Germania 1926“ wurde der Verein damals von Fußballern gegründet. Nach 1934 – mit der Errichtung des Sprengchemiewerkes – gab es eine weitere Mannschaft im Ort. Der erste Fußballplatz befand sich zwischen dem Friedhof und dem Gelände der Dachdeckerfirma Brendel – damals gab es hier um die 600 Einwohner. Mit dem Bau der WASAG-Sprengchemie vergrößerte sich die Seegemeinde um die beiden Siedlungen. Das Werk förderte den Sport und ließ 1936 den jetzigen Fußballplatz anlegen. Es gab neben den Germanen sogar eine Betriebsmannschaft.

Eine Neugründung erfuhr der Verein 1946, Werner Steinbach leitete ihn die nächsten 15 Jahre. Damals wurden die örtlichen Betriebe vom Staat zur Unterstützung verpflichtet. In Klietz betraf dies die Maschinen-Ausleihstation MAS, dadurch wurde eine Umbenennung in „BSG Traktor Klietz“ nötig – man wurde also bis zur Wende eine Betriebssportgemeinschaft.

Tischtennis kam 1952 hinzu

Eine Tischtennissektion gesellte sich am 21. Juni 1952 zu den Fußballern, zwei Jahre später folgte die Handballsektion und im Anschluss die Leichtathletikgruppe. Da es noch keine Turnhalle gab, stellte die MAS eine Werkhalle für die Tischtennisspieler zur Verfügung. Die MAS stellte später sogar den Bus für die Sportler. Jährlich fand ein Sportlerball statt, Theaterbesuche und Kegel­abende wurden organisiert, es gab Schul-, Betriebs- und Gemeindesportfeste. Die Lehrer Kurt Bernauer und Friedhelm Stabenow kümmerten sich um die Nachwuchsarbeit.

Ein Zusammenschluss mit Neuermark-Lübars erfolgte 1957 auf Drängen der Trägerbetriebe, eine leistungsstarke Fußballmannschaft sollte geschaffen werden: Traktor Klietz-Neuermark.

Freiwillige und unentgeltliche Aufbau-Vorhaben in Eigenregie waren in der DDR an der Tagesordnung. 1959 wurde eine alte Scheune zur Turnhalle umgebaut – es ist heute der Saal des „Seeblicks“. Allein die Sportler leisteten dabei 1600 Stunden.

Aber auch in jüngster Zeit waren die Germanen freiwillig wie einst nicht nur sportlich aktiv: So schufen sie zusammen mit Firmen 2011 einen Trainingsplatz für die Fußballer oder sanierten 2009 und 2010 das Mehrzweckgebäude – hier waren vor allem Denis Ulrich, Eberhard Wienmeister und Mario Hermann tätig.