Die Ausgangslage

Positive Rahmenbedingungen sind:

- Historische Altstadt mit Insellage

- Vielfältiges kulturelles Angebot

- Wertvolles Ökosystem Mittlere Elbe

- Gutes Radwegenetz

Negative Rahmenbedingungen sind:

- Schlechte verkehrstechnische Anbindung

- Wachsende Überalterung der Bevölkerung

- Sinkende Anteile an Landessteuern und nicht ausreichende Finanzzuweisungen

- Schwierige wirtschaftliche Standortbedingungen

- Fehlende städtebauliche Verbindung Ober- und Unterstadt

- Leerstand in der Altstadt

Havelberg l Wie soll sich Havelberg in den nächsten 15 Jahren entwickeln? Wo liegen die Schwerpunkte, welche Strategien und Maßnahmen sind für einzelne Handlungsfelder erforderlich? Fragen, auf die in den nächsten Monaten Antworten gefunden werden sollen. Die letzte Fortschreibung des Stadtentwicklungs- konzeptes liegt zehn Jahre zurück. Unterstützt wird die Stadt vom Büro „Die Raumplaner“ aus Berlin. Am Mittwoch traf sich erstmals der Arbeitskreis, dem neben Bürgermeister und Amtsleitern rund 15 Vertreter aus verschiedenen Bereichen angehören. Coronabedingt hatten die Raumplaner im Vorfeld Videos erstellt, um beim Treff in der Eichenwaldsporthalle sofort in die Diskussion einsteigen zu können und die Zeit gemeinsam in einem Raum zu verkürzen.

Orientierung für zukünftige Projekte

Erster Komplex, dem sich die Mitglieder an dem Abend widmeten, ist die Soziale und kulturelle Daseinsfürsorge. Nächstes Thema, das voraussichtlich im März bearbeitet wird, ist Wirtschaft, Tourismus und Verkehr. Ein dritter Schwerpunkt ist die Zentren- und Altstadtentwicklung.

Mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) will die Stadt konkrete, langfristig wirksame und lokal abgestimmte Lösungen für eine Vielzahl von Herausforderungen finden und eine Orientierung für zukünftige Projekte erhalten. Handlungsbedarfe sollen herausgestellt, Visionen und Leitbilder für Handlungsschwerpunkte erarbeitet werden. Wichtig dabei ist die Beteiligung der Bürger. Deshalb werden Themen online gestellt, auch eine Ausstellung soll es geben.

Erarbeitet wurden zunächst die Rahmenbedingungen, die die Stadt bietet, und eine Ist-Analyse zum Thema Soziale und kulturelle Daseinsfürsorge. Aufgesplittet ist diese in Kinderbetreuung, Bildungseinrichtungen für Kinder und Erwachsene, Kultur, Vereinsstruktur, Spiel-, Sport- und Freizeitflächen, medizinische Versorgung, Pflegeeinrichtungen, Jugendzentrum und Dorfgemeinschaftshäuser.

Moderiert von Sabine Slapa von den Raumplanern, eröffnete Hannes König die Diskussion. Der Lehrer am Gymnasium und Leiter des Schülerinstitutes SITI regte unter anderem an, sich Gedanken dazu zu machen, wie junge Lehrer nach Havelberg geholt werden könnten, um den Standort des Gymnasiums zu sichern. Es seien weniger zu geringe Schülerzahlen, die Sorge bereiteten, als Lehrer, die hier fehlten. Laut der Bestandsanalyse sind die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren im Prinzip stabil geblieben. 2011 waren es 229 Gymnasiasten, 2020 220. Wichtig sei ihm auch, beim Gymnasium nicht von einer Außenstelle von Tangermünde zu sprechen, „es sind zwei gleichberechtigte Standorte“.

Schulkomplex ist einmalig im Kreis

Hannes König brachte auch den Begriff des Schul-Campus ins Gespräch. Mit Blick auf das gesamte Areal mit Grundschule, Sekundarschule, Gymnasium, Förderschule, Sportanlagen sowie Kreismusikschule, Kreisvolkshochschule und SITI sei dies gerechtfertigt.

„Diese Schulangebote in einem Komplex sind einmalig im Landkreis Stendal, das sollten wir als Stärke herausstellen“, sagte André Gerdel, Leiter des Amtes für Ordnung, Soziales und Kultur.

Brücke zwischen den Generationen

Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) sprach angesichts der vielen bereits vorhandenen und in Zukunft denkbaren Bildungsangebote von einem zu entwickelnden Bildungs-Campus für Jung und Alt. Das fand breite Zustimmung in der Runde und wurde mit weiteren Ideen untersetzt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Gebäude der früheren Sekundarschule, welches die Stadt bekanntlich als neue Grundschule ausbauen möchte.

Um dafür möglichst Fördergelder aus der neuen Städtebauförderung „Lebendige Zentren“ zu erhalten, hatte der Stadtrat auf seiner Sitzung im November die Förderkulisse um den Schulbereich erweitert. Auch die Fortschreibung des Entwicklungskonzeptes ist eine Voraussetzung dafür.

Kämmerin und Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski riet dazu, sich Wege im Konzept offen zu lassen, um auf Förderkulissen besser reagieren zu können. Sie nannte auch das Stichwort „Altersuniversität“. Interessant wäre zu erfahren, welche Wünsche sowohl junge als auch ältere Bürger zu Bildungsangeboten hätten.

„Verschiedene Varianten als Baukastenprinzip wären gut“, nahm Raumplanerin Sabine Slapa aus diesem Part der Diskussion mit. Ralf Dülfer, Vertreter der Bundeswehr und der evangelischen Kirchengemeinde: „Für den Bildungs-Campus ließen sich weitere Synergien entwickeln. Das könnte ein regionaler Leuchtturm werden, der eine Brücke zwischen den Generationen schlägt und die Attraktivität der Stadt erhöht.“