Havelberg l Manfred Philipp kümmert sich seit Jahrzehnten darum, dass die Geschichte der Havelberger Feuerwehr bewahrt bleibt. Zuletzt zum 140. Wehrgeburtstag hatte er maßgeblichen Anteil an einer umfangreichen Ausstellung, die im Rathaus interessante Einblicke in die Arbeit der Kameraden gegeben hat. In der Volksstimme gab es eine Serie zur Geschichte der Wehr. Es gibt wenig, was der Havelberger nicht weiß über die Feuerwehr, in der er heute der Altersabteilung angehört.

„Dass es auf dem Stadtfriedhof noch die Grabstätte des ersten Wehrleiters gibt, habe ich aber erst zu Beginn dieses Jahres erfahren“, berichtet Manfred Philipp. Der Leiter des Landesfeuerwehrmuseums in Stendal, Michael Schneider, hatte ihm davon erzählt. Er machte sich auf die Suche und fand das Grabmal, das sich rechterhand vom Eingang des historischen Friedhofes befindet. Ein großes Kreuz aus schwarzem Granit steht auf einem Sockel. In das Kreuz sind der Name Otto Hollefreund und seine Lebensdaten eingraviert. Geboren ist er am 11. März 1834, gestorben am 28. Januar 1894. Er hat seinen 60. Geburtstag nicht mehr erlebt. Zu finden sind auf dem Grabstein auch die Inschriften zu Almine Hollefreund, geborene Poetzsch, (3. April 1839 bis 10. Oktober 1928) und Ida Hollefreund (12. August 1862 bis 5. Januar 1928). Die Frau und Tochter von Otto Hollefreund? Bekannt ist Manfred Philipp darüber nichts.

Wie es zur Gründung der Havelberger Feuerwehr kam, ist ihm dagegen sehr gut bekannt. In der Chronik ist dazu folgendes zu lesen: „Nach zwei großen Bränden am 16. und 19. April 1877 in der Stein- und Mühlenstraße der Stadt Havelberg veröffentlichen die Stadtväter im Curier Havelberg einen Aufruf, der einem Notruf gleich kam. In dem Aufruf heißt es: Es wäre wünschenswert, es bildete sich auch hier in Havelberg eine Feuerwehr. Wenn sich nur jemand an die Spitze stelle, aber wer? Dieser Aufruf hatte Erfolg. Die respektable Person fand sich, denn im Mai des gleichen Jahres wurde der Wunsch durch den Männerturnverein Wirklichkeit. Der Turnverein, mit 70 Mitgliedern aus allen Berufen der Stadt zusammengesetzt, machte sich unter dem ersten Wehrleiter Otto Hollefreund an die Arbeit. Er leitete die Wehr 17 Jahre. Am 28. Januar 1894 traf die Wehr ein harter Schlag. Es starb nach kurzem Krankenlager der allverehrte Oberführer und Ratsherr Otto Hollefreund. Was er der Wehr gewesen, weiß der am besten zu beurteilen, der mit ihm gearbeitet hat.“

Friedhof ist 165 Jahre alt

Dass sein Grabstein wie so viele andere historische Grabmale noch erhalten ist, ist Ulrich Gruber und Holger Schulz zu verdanken. Die beiden kümmern sich seit vielen Jahren ehrenamtlich um die Pflege des Stadtfriedhofes. Ulrich Gruber, stellvertretender Leiter der Sekundarschule, ist jetzt in den Ferien fast täglich bei Arbeiten anzutreffen. Dabei wurde er von Manfred Philipp mit einem Präsentkorb überrascht, mit dem der Chronist im Namen der Feuerwehr danke für die viele Mühe auch in Bezug auf den Erhalt des Hollefreund-Grabmales sagt.

„Wir pflegen alles, wo es keine Angehörigen mehr gibt“, berichtet Ulrich Gruber etwa von alten Grabmalen und Grabplatten, die entlang des Weges Geschichte erzählen. Geschichte von Havelberger Bürgern. Aber auch sonst kümmern sich die beiden darum, dass der zur Evangelischen Kirchengemeinde gehörende Friedhof erhalten bleibt, auch wenn auf ihm nur noch selten Bestattungen stattfinden. Er ist 165 Jahre alt und hat eine Fläche von 1,4 Hektar. Gerade haben Ulrich Gruber und Holger Schulz die Fächer der von ihnen mühevoll restaurierten Friedhofsmauer ausgeputzt, um mehr Stabilität in die Steine zu bekommen. Tote Bäume wurden rausgenommen.

Über das Dankeschön von der Feuerwehr freut sich Ulrich Gruber. „Das ist eine schöne Geste.“ Anerkennung ist es für die beiden Ehrenamtlichen auch, wenn Besucher den gepflegten Zustand des Friedhofes loben. Sie kommen von überall her und suchen nach Grabstätten von verstorbenen Angehörigen.