Die vorhandenen Parkplätze liegen über dem Bedarf

Dem Verkehrskonzept für die Stadtinsel liegt eine umfangreiche Analyse der Haushalte, Einwohner, Gewerbetreibenden und Dienstleistungseinrichtungen aus den Jahren 2012 und 2019 im Verhältnis zum vorhandenen Parkraum zugrunde. Demnach ergibt sich ein Plus an Stellplätzen gegenüber dem Bedarf.

Der Bedarf bei Gewerbetreibenden/Dienstleistungseinrichtungen lag 2012 bei 246 Stellplätzen, 2019 bei 206 Stellplätzen. Richtzahlen sind mindestens zwei Stellplätze pro Büro-, Verwaltungs- und Praxisräumen sowie Läden und je fünf Stellplätze pro öffentlicher Einrichtung mit Versammlungsstätten.

Bezogen auf den Wohnraum sind Mehrfamilienhäuser und sonstige Gebäude mit Wohnungen mit mindestens einem Stellplatz je Wohnung/Haushalt zu berücksichtigen. 2012 lag die Zahl der Haushalte bei 367, 2019 bei 350. Der Mindestbedarf liegt also bei 350 Stellplätzen. Die Zahl der Einwohner betrug 2012 622 und 2019 583.

Der Stellplatzbedarf insgesamt lag 2012 bei 613. Dem standen 645 Stellplätze gegenüber. 2019 lag der Bedarf bei 556 Stellplätzen, denen 676 vorhandene Stellflächen gegenüber stehen. Das ergibt ein Plus von 120 Stellplätzen.

Die Verbesserung der Parkplatzsituation in den vergangenen sieben Jahren um 88 liegt vor allem darin begründet, dass es weniger gewerbliche Einrichtungen und weniger Haushalte/Bewohner auf der Stadtinsel gibt. Zudem ist die Zahl der Stellplätze etwas angestiegen.

Eine gefühlte Verschärfung der Parkplatzsituation könnte laut Stadtverwaltung darin begründet sein, dass weniger Bewohner einen Anwohnerparkausweis erworben haben – Ursache dafür dürfte der Verzicht auf Parkscheinautomaten und eine Reduzierung der Zeitparkplätze sein. 2012 wurden 119 Anwohnerparkausweise ausgestellt, 2019 waren es 58. Der Preis liegt übrigens bei 26 Euro pro Jahr.

Nach Straßenabschnitten gibt es folgende Stellflächen:

Lange Straße 29, Parkplatz Rossmann (alt) 33, Mühlenstraße 10, Kirchstraße 5, Kirchplatz 42, Hinter der Kirche 14, Schulstraße 13, Fischerstraße 28, Scabellstraße 9, Domstraße 10, Markt 29, Havelvorland (privat) 27, Steinstraße 10, Salzmarkt 15. Insgesamt sind das 247 Stellplätze.

Parkmöglichkeiten direkt auf der Stadtinsel und in angemessener Entfernung von 100 bis 200 Metern: Uferstraße Parkplatz 28, Uferstraße Rossmann 27, Lange Straße Arbeitsamt 26, Wässeringe Bahnhofstraße 10, Vor dem Steintor 6. Das sind insgesamt 97 Stellplätze.

Auf privaten Grundstücken gibt es 83 Garagen und 249 Stellplätze – gesamt 332.

Havelberg l So viel vorweg: Die Parkplatzssituation auf der Stadtinsel hat sich verbessert. Das belegen Zahlen der Stadtverwaltung Havelberg, die den Bedarf und die vorhandenen Stellplätze in den Jahren 2012 und 2019 vergleichen (siehe Info-Kasten). Dennoch gab es von Anwohnern in der Fischerstraße im vorigen Jahr massive Kritik, weil sie es sehr schwer hätten, einen Parkplatz in Wohnungsnähe zu finden. War die Straße einst nur den Anliegern zum Parken vorbehalten, wurde dies zu Jahresbeginn 2018 geändert. Die Parkscheinautomaten wurden von der gesamten Stadtinsel verbannt und das Parken weitestgehend bis auf Ausnahmen freigegeben – auch in der Fischerstraße.

Im Oktober hatte sich der Ausschuss für Ordnung, Umwelt und Tourismus intensiv mit den Vorschlägen und Kritiken der Anwohner aus der Fischerstraße befasst. Nun hat die Verwaltung einen Vorschlag vorgelegt, der im Fachausschuss und im Hauptausschuss diskutiert und bei jeweils einer Enthaltung beschlossen worden ist. Das letzte Wort hat der Stadtrat auf seiner für den 26. März geplanten Sitzung.

Vorgeschlagen wird, in der Fischerstraße Zeitparkplätze einzuführen, die montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr das Parken für zwei Stunden erlauben. Damit will die Stadt Abhilfe schaffen, dass die Fischerstraße aufgrund der Zeitparkplätze in den angrenzenden Straßen Scabell- und Steinstraße gern von Besuchern, Angestellten und Geschäftsleuten zum längeren Parken genutzt wird. Mit der Einführung von Zeitparkplätzen wird dem Druck in der Hauptgeschäftszeit entgegengewirkt und eine höhere Parkfrequenz erreicht. Wieder Anwohnerparkplätze einzuführen, würde dem Gleichheitsprinzip widersprechen, sagte Ordnungsamtsleiter André Gerdel.

Die zwei Stunden – auf den anderen Stellflächen ist jeweils eine Stunde erlaubt – sind für Kunden gedacht, die Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die über eine Stunde hinaus gehen. Friseur, Kosmetik oder auch der Gaststättenbesuch zum Beispiel.

Einheitlich zwei Stunden?

Ratsmitglied Lars Braunsdorf gab im Fachausschuss zu bedenken, dass bei der Begrenzung bis 16 Uhr die Möglichkeit besteht, das Auto um 14 Uhr abzustellen und dann bis zum nächsten Morgen dort zu lassen beziehungsweise am Freitag ab 14 Uhr über das gesamte Wochenende. 9 bis 16 Uhr ist jedoch die Hauptbelastungszeit, da ist der eigentliche Druck auf die Parkflächen vorhanden, antwortete André Gerdel. Stadtrat Martin Schröder sagte im Hauptausschuss, dass er eine einheitliche Begrenzung auf zwei Stunden für alle Zeitparkplätze besser finden würde. Zudem würde er die Zeit auf 18 Uhr ausweiten.

André Gerdel machte deutlich, dass mit den Zeitparkplätzen eine Durchmischung erreicht werden soll, dort wo es erforderlich ist. Die Änderungen sind zwar zur Entspannung der Situation in der Fischerstraße gedacht, jedoch nicht in erster Linie dahingehend, dass die Anwohner einen Parkplatz vor der eigenen Haustür bekommen.

Dass sich die Situation verbessern wird, davon geht Stadträtin Ursula Rensmann aus. Auch Walter Kusma, der als sachkundiger Einwohner dem Fachausschuss angehört und in der Fischerstraße wohnt, sieht das so. Stadträtin Diana Neumann, die ihr Geschäft in der Fischerstraße hat, denkt, dass die Zeitparkplätze dazu führen werden, dass Anwohner, deren Häuser zum Stadtgraben hin stehen, dort ihre Privatparkplätze wieder nutzen und nicht mehr in der Fischerstraße parken.

Parkausweise für Anwohner

Stadtrat Wolfgang Schürmann schlug vor, die neue Regelung für ein Jahr zu testen und sich dann noch einmal mit dem Verkehrskonzept zu befassen. So war auch schon bei der Frage Parkscheinautomaten verfahren worden. Nach einem Jahr hatte sich gezeigt, dass die Stadtinsel gut ohne sie auskommt. Wer übrigens sicher alle Parkplätze auf der Stadtinsel nutzen möchte, hat immer noch die Möglichkeit, einen Anwohnerparkausweis zu erwerben. Dieser kostet 26 Euro im Jahr. Ihre Zahl ist von 119 im Jahr 2012 auf 58 im Jahr 2019 zurückgegangen.

Eine weitere Entspannung der Parkplatzsituation soll ein Parkleitsystem an der Bundesstraße und den Landstraßen bringen, mit dem die Hansestadt Besucher und Touristen auf díe Großparkplätze lenken will. Vom Norden her steht dafür der Parkplatz an der Bahnhofstraße zur Verfügung, vom Süden her der in der Elbstraße am Haus der Flüsse. Wer durch die Stadt fährt, kann den Parkplatz in der Uferstraße nutzen. Das Leitsystem soll die Besucher frühzeitig auf die Großparkplätze aufmerksam machen, die manches Mal doch eher verwaist sind, sagte Dieter Härtwig, Sachgebietsleiter im Ordnungsamt, im Fachausschuss. Dass jedoch gar kein Tourist mehr auf die Stadtinsel fährt und sich dort einen Parkplatz sucht, wage er zu bezweifeln. Jedoch dürfte das Leitsystem zur Entlastung in der Altstadt beitragen.

Für die Kosten sind 16.000 Euro veranschlagt. Stimmt der Stadtrat dem Beschluss zu, kann noch in diesem Jahr mit der Vorbereitung begonnen werden. Jedoch ist Zeit erforderlich, denn es müssen auch Bauanträge für die Beschilderung an den Ortseingängen Havelbergs gestellt werden, machte André Gerdel aufmerksam. Martin Schröder hatte zu diesem Thema angemerkt, dass er einen Schilderwald befürchtet. Doch sind die Hinweise auf die Parkplätze in einer Minimalvariante angedacht, die nicht zu klobig sind, sagte der Amtsleiter auf Volksstimme-Nachfrage.