Vom Knospenknall bis zum Dahlienfeuer

Mit der Ausstellung „Frühlingsduft und Knospenknall“ hatte der Reigen der Blumenschauen in der Havelberger Stadtkirche zur Buga 2015 begonnen. Azaleen, Orchideen, Tulpen und Narzissen wurden präsentiert.

In 16 Blumenschauen konnten sich Besucher von April bis Oktober unter anderem an Gerbera, Rhododendron, Rittersporn, Rosen, Hortensien und Dahlien erfreuen. Auch Bonsai und koreanische Blumenkunst wurde präsentiert.

In der Johanniskirche in Brandenburg gab es ebenfalls 16 Schauen.

Havelberg l Von April bis Oktober erlebten die Havelberger und ihre Gäste im Buga-Jahr 2015 insgesamt 16 verschiedene Blumenschauen in der Stadtkirche. Zur Bundesgartenschau 2015 Havelregion war das Gotteshaus neben der Johannis-Kirche in Brandenburg Gastgeber für Floristen aus ganz Deutschland. Sie zeigten dort ihr Können. Die Schauen gehörten zweifellos zu den Höhepunkten des Großereignisses, das vor fünf Jahren von Dom zu Dom in die fünf Buga-Orte Brandenburg, Premnitz, Rathenow, Rhinow/Stölln und Havelberg gelockt hat.

Und heute? Da steht die Stadtkirche weitgehend leer. Denn die Restaurierungsarbeiten für die historische Scholtze-Orgel sind im vollen Gange. Geplant waren sie schon zu Buga-Zeiten. Domkantor Matthias Bensch hat sich zum Ziel gesetzt, das noch zu gut 50 Prozent in seinem Ursprung erhaltene Instrument zu restaurieren. Gottlieb Scholtze (1713 bis 1783) hatte die Orgel 1754 in der Stadtkirche erbaut. Sie ist neben jener im Havelberger Dom und der in der Kirche Lenzen eine von nur noch drei erhaltenen zweimanualigen Orgeln des Wagner-Schülers.

20.000 Euro fehlen noch an Spendengeldern

„Die Rückführung in den Originalzustand der Stadtkirchenorgel ist wegen der herausragenden Klangqualität und der Seltenheit dieser Instrumente ein kulturhistorisch wichtiges Projekt von deutschlandweiter Bedeutung“, ist Matthias Bensch überzeugt. Deshalb gründete er 2014 mit interessierten Mitstreitern den Orgelverein. Die Buga sollte mit dazu beitragen, Spenden für das ehrgeizige Objekt Orgelrestaurierung einzuwerben. Immerhin sind rund 608.000 Euro erforderlich. Ein Großteil der Summe ist durch Spenden und Fördergelder inzwischen gesichert.

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20.000 Euro fehlen noch an der Gesamtsumme – Spenden sind also weiterhin willkommen. Das ist auch über eine Pfeifenpatenschaft möglich. Näheres dazu gibt es im Internet unter www.orgelverein-havelberg.de „Seitdem bekannt ist, dass die Orgelrestaurierung begonnen hat, sind die Spenden deutlich zurückgegangen. Wir hoffen, dass wir auch diese Summe noch zusammenbekommen“, bittet Matthias Bensch um weitere Unterstützung.

Ziel ist Einweihung zum Reformationstag 2021

In die Stadtkirche sind vor der Buga bereits rund 600.000 Euro an Fördergeldern geflossen, um zum Beispiel das Holz des Dachstuhles vom einst aufgebrachten Holzschutzmittel zu befreien und an der Nordseite die Fenster zu erneuern. Nach der Bundesgartenschau gingen die Arbeiten weiter. Im Herbst 2019 endete der vierte Bauabschnitt der Kirchenrestaurierung. 180.000 Euro wurden für die Fassadensanierung im Chorbereich investiert. Auch eine Schwammsanierung im Fußbodenbereich machte sich erforderlich. Nachdem die Orgel ausgebaut war, zeigte sich in der Orgelempore ebenfalls Schwammbefall. Dank weiterer Fördergelder konnten auch diese 120.000 Euro aufgebracht werden und der Orgelrestaurierung steht nichts mehr im Weg.

Die Orgelbauer um Kristian Wegscheider aus Dresden haben Teile des Instrumentes mit in ihre Werkstatt genommen, darunter etliche Pfeifen und die Windladen. Die Farbrestauratoren haben die ursprüngliche Farbschicht des hölzernen Orgelgehäuses bereits freigelegt und den ersten Probeanstrich vorgenommen, berichtet der Kantor zum aktuellen Stand. „Im Mai 2021, wenn die Holzarbeiten am Gehäuse abgeschlossen sind, wird die endgültige Farbschicht aufgetragen.“

Die Fertigstellung der Orgelrestaurierung ist für Herbst 2021 geplant. Zum Reformationstag am 31. Oktober soll das barocke Instrument feierlich eingeweiht werden. So lange bleibt die Kirche für die Öffentlichkeit weitestgehend geschlossen. Aber einen Blick ins Gotteshaus dürfen Besucher vom Eingangsportal aus werfen.

Dafür sorgen Kämmerin Petra Jonschkowski aus der Stadtverwaltung, die die Kirche morgens aufschließt, und Florian Hallmann vom Sonnenhaus, der abends wieder zuschließt. „Somit können sich Besucher jetzt im Sommer auch noch in den Abendstunden die Kirche anschauen“, freut sich die Kämmerin, der sehr an einer offenen Stadtkirche gelegen ist, über diese Lösung.