Angekommen

Störche im Elb-Havel-Winkel sind bei der Familienplanung

Die einen kommen schon im März, die anderen erst Wochen später. Die Rede ist von den Störchen, die nach der langen Reise aus dem Süden zurück in der Region sind.

Von Dieter Haase

Havelberg. Die meisten Horste sind jetzt besetzt. Zu den ersten wieder „bewohnten“ in der nördlichen Einheitsgemeinde gehörte das Storchennest auf dem Wohnhaus von Wilfried Ebert in Vehlgast. „Am 28. März habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr zwei Adebare in dem Horst gesichtet. Sie müssen an dem Tag zusammen gekommen sein.“ Was natürlich nicht nur Wilfried Ebert, sondern auch alle anderen Dorfbewohner glücklich gestimmt hat. „Die Leute hier freuen sich immer sehr auf die Ankunft und warten dann mit Spannung darauf, wie viel es wohl an Nachwuchs geben wird.“

Sechs Junge sind bisheriger Rekord

Nachweislich existiert die Storchenbehausung auf dem Dach des Gebäudes bereits seit 1868, wie der Vehlgaster berichtet. So lange er dort wohne, hätten die Altstörche in den meisten Fällen für drei Junge gesorgt. „Der größte Bruterfolg aber hatte sich einmal zu DDR-Zeiten eingestellt, als gleich sechs Junge im Nest aufwuchsen“, erinnert er sich. Und auch an Kämpfe oben auf dem Dach. Bei solchen ist zum Beispiel im Jahr 2012 ein Storch in Vehlgast zu Schaden gekommen. Im Nest hatte sich bereits ein Paar eingefunden und mit den Brutvorbereitungen begonnen. Plötzlich tauchte ein dritter Storch auf, flog den Horst ohne zu zögern an und warf einen Partner des Paares nach kurzem, aber energischem Schlagabtausch vom Dach.

Zur Pflege nach Loburg

Der Unglücksstorch hatte, obwohl äußerlich keine schweren Verletzungen sichtbar waren, doch so viel Schaden genommen, dass er dem Storchenhof Loburg zur Pflege übergeben werden musste. Anhand seiner Beringung konnte festgestellt werden, dass er auch in den beiden Jahren zuvor schon ein „Vehlgaster“ gewesen war. Er befand sich hier also sozusagen zu Hause.

Noch ein Drama aus 2012

Doch damit nicht genug. Ein weiteres Storchendrama ereignete sich dann mehrere Wochen später in dem Haveldorf. Denn im Juni 2012 wurde hier ein Altvogel aus dem Horst tot aufgefunden. Es stand die Frage, ob ein verbliebener Altstorch allein Futter für drei Junge beschaffen konnte und der Nachwuchs aus dem Grund im Nest bleiben konnte. Sie verblieben im Horst, aber Anwohner hielten täglich, bis zum Abflug der Jungstörche, nach dem Rechten Ausschau. Für etwa zwei Wochen hatten sich Dorfbewohner nach der Wende auch schon einmal um die Pflege von aus dem Nest gefallenen Jungen gekümmert, bevor diese dann nach Loburg kamen, erinnert sich der Vehlgaster.

Wilfried Ebert berichtet, dass sich auch in der Siedlung Wendisch Kirchhoff noch ein weiterer Storchenhorst befindet. „Ich kann aber nicht sagen, ob dieser derzeit besetzt ist.“ Störche von dort laufen immer den Anglern hier hinterher - in Aussicht auf einen kleinen Happen.

Erst ein Ankömmling in Damerow

In Damerow, wo auf den dort stehenden Storchenmast erst im März ein neuer Korb aufgesetzt worden war, hat sich erst am vergangenen Sonnabend der erste Adebar niedergelassen. „Somit ist das neue Nest also angenommen worden und der Storch baut auch schon fleißig an seinem Nest, was hier mit großem Interesse aufgenommen worden ist“, berichtet Nachbar Bernd Städler, der einen guten Blick auf das Storchen-Zuhause hat. „Was ihm jetzt noch fehlt, ist ein Partner. Aber der wird sich hoffentlich auch noch einstellen.“ Früher, so fügt er an, war Damerow noch etwasstorchenreicher. „Da gab es hier sogar drei Masten für die Tiere.“

Nur 2019 kein Nachwuchs

Auf dem „Havelhof“ in Nitzow geht es im Storchenhorst auf einer alten Scheune bereits um die „Familienplanung“, wie am frühen Montagabend deutlich zu beobachten war. „Jetzt bin ich mir so gut wie sicher, dass meine beiden gefiederten Gäste auch hier bleiben“, zeigt sich „Havelhof“-Inhaberin Rita Spanner erfreut. „Den ersten Adebar habe ich am 11. April im Nest gesehen, der zweite gesellte sich dann eine knappe Woche später, am 17. April zu ihm.“ Sie ist sich nicht ganz sicher, „aber ich glaube, seit Mitte der 90-er Jahre ist das Nest hier in jedem Jahr besetzt gewesen. Und fast immer sind in ihm auch Junge aufgezogen worden. Nur einmal nicht, 2019, obwohl auch in dem Jahr ein Storchenpaar dagewesen ist.“ Der derzeit einzige Horst in Nitzow existiert auch bereits seit DDR-Zeiten.