Schönhausen l Schon beim ersten Treff vor einem Jahr war man sich einig: „Das müssen wir wieder mal machen!“ Das bewährte Organisationsteam Haake/Stremel/Bärmann/Brendahl zeigte zum zweiten Mal sein Talent. Sogar das Wetter spielte mit und ließ es trotz dunkler Wolken nicht regnen, so dass die letzten der mehr als 60 erschienenen Bewohner erst nach Mitternacht den Platz verließen.

2017 wurde noch gerätselt, wer wohl die Ältesten und die Jüngsten unter den Bewohnern der idyllisch am Ortsrand liegenden Siedlung von Schönhausen sind. Nun stellte sich heraus: Friedhelm Huth wurde im Dezember 1945 in der Siedlung Nr. 22 geboren. Im vergangenen Jahr ist das Ehepaar Huth aus gesundheitlichen Gründen zur Tochter gezogen. Im April 2017 erfolgte die Ummeldung. Damit hat Friedhelm Huth mehr als 71 Jahre ununterbrochen im gleichen Haus gelebt! Seine Eltern hatten in dem ab 1934 entstehenden Sprengstoffwerk Klietz – Teil der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (WASAG) – Arbeit gefunden. In der Schönhauser Siedlung, die neben den beiden in Klietz ab 1936 entstehenden Werkssiedlungen angelegt wurde, fanden sie ihr Zuhause. Die Häuser entstanden nach einheitlichen Baumustern und sind für die damalige Zeit als durchaus fortschrittlich anzusehen.

Damit die Arbeiter günstig Klietz erreichen konnten, wurde nur ein paar Schritte entfernt am Kleinbahngleis ein Haltepunkt errichtet. Der Bahnsteig an der Mittelstraße, von dem heute nur noch Reste übrig sind, sind der Versuch, Ende der 80-er Jahre den Schönhausern, die in den südlichen und östlichen Teilen des Ortes wohnten, eine günstigere Möglichkeit zum Bahnfahren zu schaffen. Denn die Entfernung von der Siedlung zum Bahnhof beträgt immerhin rund zweieinhalb Kilometer. Mit der Wende kam auch das Aus für den Haltepunkt „Siedlung“.

Bilder

Auf dem Foto von 1943, das beim Siedlungsfest die Runde machte, gewinnt man einen guten Eindruck, wie die Höfe in der Siedlung in den 40-er bis in die 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts aussahen. Die Aufnahme wurde auf dem Hof des Hauses Nr. 25, heute Nr. 45, gemacht. Der Blick geht in Richtung Norden. Typisch sind die Holzzäune und die Holzschuppen. Im Hintergrund das kleine Waldstück nördlich der Siedlung. Das rechts angeschnittene Haus existiert nicht mehr. Es fiel 1945 den anrückenden Soldaten der Roten Armee zum Opfer. In den 80-er Jahren entstand dort ein neues Haus.

Die Siedlungsbewohner fühlen sich bis heute wohl und sind eine gute Gemeinschaft, wie das Fest wieder einmal bewiesen hat.