Sanierung

Tausende Steine gegen den Hausschwamm in der Havelberger Stadtkirche

Mit grobem Kies wird dem Pilz in der Stadtkirche der Kampf angesagt

Von Andrea Schröder
Das war richtige Knochenarbeit: Schubkarre für Schubkarre brachten Niklas Asmus und Ulrich Rebling den groben Kies in die Stadtkirche. Der Hausschwamm soll damit endgültig keine Chance mehr haben, wieder zu wachsen. Foto: Andrea Schröder

Havelberg

Der Fußboden im hinteren Bereich der Havelberger Stadtkirche war bereits saniert worden, weil sich dort der Hausschwamm ausgebreitet hatte. Dann kam im September vergangenen Jahres die böse Überraschung: Eine besonders aggressive Form des Pilzes breitete sich in einem Bereich rasend schnell aus. Das neu eingebaute Holz wurde herausgenommen. Abtrocknen war angesagt.

Für den Fußboden der Stadtkirche, der zwischen Altar und Empore aus Holz besteht, ist eine komplette Sanierung geplant, die dann nicht mehr aus organischen Materialien bestehen wird. Doch bis das soweit ist, gab es jetzt die Zwischenlösung. Der Fußboden im hinteren Bereich der Kirche, wurde mit grobem Kies, der Laie würde ihn als Steine bezeichnen, verfüllt, nachdem auch der andere mit Holz sanierte Bereich herausgenommen worden war. Die Kirchengemeinde verspricht sich davon, dass der Boden somit weiter trocknen kann und der Hausschwamm nie wieder eine Chance bekommt.

Farbrestaurierung an der Orgel beginnt

Dazu gehört aber noch mehr, wie Klaus-Dieter Steuer, der sich in der Kirchengemeinde um die baulichen Fragen kümmert, berichtet. Ein Klimakonzept ist für die Kirche zusammen mit der Planungsfirma IBS aus Berlin in Arbeit. Dafür wurden über Leader Fördergelder beantragt. Einerseits für die endgültige Fußbodensanierung, für die die Kosten auf 150.000 Euro geschätzt werden. Andererseits – und das hat Priorität – für die Regulierung der Luftfeuchtigkeit in der Kirche. Angesichts der umfangreichen Restaurierung der wertvollen Scholtze-Orgel ist das unbedingt erforderlich, damit sie überhaupt bespielbar ist, bekräftigt Klaus-Dieter Steuer die Dringlichkeit. Beide Anträge sind an die Leader-Gruppe gestellt. Ob Geld aus dem Topf dieser nun zu Ende gehenden Förderphase fließen kann, muss sich zeigen. „Wir hoffen sehr darauf.“

Förderantrag für Klimakonzept

Eine weitere Maßnahme wird mit der Stadt realisiert. Das Hochbeet am Südflügel des Bauwerkes wird auf das Niveau des Kirchendfundamentes zurückgebaut. Das Beet ist ein Grund für den Feuchtigkeitseintrag in die Kirche. Zur Reduzierung der Luftfeuchtigkeit ist angedacht, im Innern des Gebäudes einen schmalen Kanal zu ziehen, in den eine elektrisch betriebene Temperaturregulierung eingezogen wird. Kombiniert mit einer Automatikbelüftung durch die Fenster soll das Ziel erreicht werden, die Luftfeuchtigkeit, die jenseits der 80 Prozent liegt, um mindestens zehn Prozent zu senken, erklärt Klaus-Dieter Steuer. Nötig ist zudem eine Sockelsanierung. 300.000 Euro sind dafür an Kosten veranschlagt.

Ob die in dieser Woche eingebrachten knapp 50 Tonnen Grobkies im Fußboden verbleiben, steht noch nicht fest. Fakt ist, dass es für Niklas Asmus und Ulrich Rebling von der Firma Busse in Tangermünde richtig schwere Knochenarbeit war, die Steine in die Schubkarre zu schippen und sie dann in die Kirche zu fahren. Sie hatten zuvor nicht nur das neue Holz ausgebaut, sondern auch ein Stück des alten Bereiches. Zudem wurde das Areal abgeflammt. Damit soll sichergestellt sein, dass sich keine Sporen des Hausschwammes mehr im Fußboden befinden. Der Winter und der lange kalte März und April spielten den Verantwortlichen in die Karten. Wäre es wärmer gewesen, hätte der Pilz möglicherweise schon wieder wachsen können.

Eile war jetzt geboten, weil Anfang Mai die Farbrestauratoren an der Orgel ihre Arbeit beginnen wollen, berichtet Klaus-Dieter Steuer weiter. Durch die groben Steine besteht nun die Chance, dass der Fußboden richtig austrocknen kann.

Südfassade und Turm wären weitere Projekte

Ob sie später vielleicht als Basis für die gesamte Fußbodensanierung dienen können, steht noch nicht fest.Die Ursache der hohen Feuchtigkeit ist nicht bekannt. Der Wasserschaden, der zur Buga, als die Kirche die Blumenschauen beherbergte, könne nicht der alleinige Grund sein. Deshalb soll der Fußboden künftig auch nicht mehr aus Holz bestehen.

Mit den jetzt beantragten Fördergeldern für Fußboden und Klimakonzept ist die Kirchensanierung bei weitem noch nicht abgeschlossen. An der Südfassade sind weitere Arbeiten erforderlich. Und dann geht’s auch noch um den Kirchturm. Die Kirchengemeinde will sich auch dieser Herausforderung in den nächsten Jahren stellen.

Niklas Asmus schüttet die Steine in den Fußbodenbereich, aus dem zuvor das Holz ausgebaut worden ist.
Foto: Andrea Schröder