Sandau l Ein großes blaues Banner hängt in der Turmhalle der Sandauer Kirche und begrüßt hier sozusagen alle Besucher. „25 Jahre Elberadweg“ steht auf diesem Banner zu lesen, Wolfgang Hellwig hatte es hier hingehangen. Eigentlich sollte er es an seiner Pension im Wulkauer Weg aufhängen, doch hier in der Kirche können weit mehr Touristen das Banner sehen, so seine Motivation.

Der Lage an diesem Radweg ist auch der gute Fortschritt beim Kirchturmbau in Sandau zu verdanken. Denn die zahlreichen Radtouristen sind es, welche mit ihren Spenden das Gros der Eigenmittel beisteuern, welche der Förderverein für den Wiederaufbau benötigt. In Kürze startet der elfte Abschnitt (wir berichteten).

Vorgaben für Radwegekirche

Seit 2010 ist die Stadtkirche eine offene und zugleich eine Radwegekirche. Für letztere sind strikte Vorgaben zu erfüllen, wie Toiletten, Versorgung mit Getränken oder ein Raum für die stille Andacht.

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Natürlich wird auch jedes Jahr eine Statistik geführt. Besucherstärktes Jahr war demnach das Buga-Jahr 2015, als 4394 Gäste gezählt wurden – darunter zahlreiche Busreisegruppen. Über 3000 Besucher wiesen die Jahre 2013, 2014, 2016 und 2018 auf. Im Vorjahr besuchten 2932 Gäste das Gotteshaus und spendeten 9392 Euro.

Dreifach gehandicapt

Diese Zahlen werden dieses Jahr bei weitem nicht erreicht, denn nicht nur der Straßenbau sorgt dafür, dass sich Touristen nur selten in das gesperrte Sandau verirren. So mancher radelt auf Umwegen durch die Feldmark vorbei. Auch die Fähre setzt nicht über, sie liegt zur Zeit auf der Werft in Havelberg zur Landrevision. Dadurch bleiben viele Radler gleich auf der anderen Elbseite. Zu allem Übel kam auch noch die Pandemie hinzu – welche aber auch dafür sorgt, dass weit mehr Radtouristen als sonst in Deutschland unterwegs sind.

Unter diesen Voraussetzungen die Kirche wie üblich über sechs Stunden offen zu halten, wäre ein Unding. Doch ganz schließen wollten die Sandauer Kirchenförderer das Gotteshaus auch nicht: Heidemarie Breit, welche ansonsten die Dienstpläne für die etwa ein Dutzend Kirchenführer erstellt, erklärte sich bereit, täglich zwischen 14 und 16 Uhr das Haus offen zu halten.

Buga-Jahr brachte meiste Besucher

Und war erstaunt, wie viele trotz aller Widrigkeiten dennoch durch Sandau radeln oder die Stadt mit dem Auto besuchen. Oder aber zu Fuß, wie ein Pärchen aus Dänemark, welches weiter nach Havelberg wanderte. Im Mai zählte sie 86 Gäste, im Juni 160 und im letzten Monat schauten immerhin 274 Besucher in der Stadtkirche vorbei – darunter auch eine Reisegruppe aus Beuster. So mancher ruft auch außerhalb der offiziellen Zeiten an, natürlich schließt Heidemarie Breit dann auch die Kirchentür auf.

Leider seien nur wenige Sandauer unter den Besuchern, bedauert die Kirchenführerin. Dabei hätten sie gerade in der Corona-Zeit hier viele Anregungen erhalten: In der Ausstellung im Turm sind diverse Handarbeiten von Einheimischen ausgestellt – hier könnte man sich Ideen für ein neues Hobby holen. Handarbeiten „Made in Sandau“ kann man denn auch gleich in der Turmhalle erwerben, wie gehäkelte Knuddel-Tiere von Lilo Lindemann, großformatige Fotos von David Heller oder tolle, teils dreidimensionale Glückwunschkarten von Liane Bornemann.

Die Pandemie sorgte auch dafür, dass die sonst üblichen sechs bis acht Veranstaltungen im Jahr, welche ebenfalls Spendengelder in die Fördervereinskasse spülen, bislang ausfallen mussten. Dabei wird nicht nur Geld für den Turmbau benötigt, auch ein Kredit ist noch zu tilgen sowie die laufenden Betriebs- und Wartungskosten.