Melkow l „VEB Wasseraufbereitungsanlagen Markleeberg, Werk Rathenow“ steht auf einem kleinen verwitterten Schild am unteren Rand des grünen Kessels zu lesen. In der brandenburgischen Kreisstadt wurde der sieben Meter hohe und drei Meter breite Filterkessel 1972 also in einem Volkseigenen Betrieb zusammengeschweißt, er fasste immerhin 81 Kubikmeter Wasser. Eingesetzt wurde er anschließend in einem Schwimmbad, hier reinigte er das Wasser aus den Becken.

Irgendwann jedoch hatte der riesige Kessel ausgedient, er landete beim Schrotthändler. Hier entdeckte ihn im Jahre 2006 der Unternehmer Manfred Wetzel, welcher seit der Wende in Rathenow einen Sandstrahl- und Verzinkungsbetrieb besaß. Am Ortsrand in Melkow befand sich ein Zweigbetrieb der Rathenower Firma, hier wurde der Kessel abgestellt. Der Unternehmer verschaffte dem Kessel ein „zweites Leben“, indem er diesen zu einer Art Wohnhaus umfunktionierte. Das neu entstehende „Kesselhaus“ bekam ein Dach, eine Eingangstür samt Treppe, Fenster sowie einen kunstvoll geschmiedeten Balkon. Im Innern führte eine Wendeltreppe hoch zur zweiten Etage, welche im Barockstil ausgestaltet worden war.

Im Internet entdeckt

Der Erbauer und „Hausbesitzer“ verstarb im Jahr 2014, seine Erben boten das gute Stück im Internet bei Ebay-Kleinanzeigen zum Kauf an. Hier entdeckte es vor einigen Jahren der Stendaler Unternehmer Norman Schönemann, welcher in der Hansestadt eine Brau- und Genussmanufactur namens Taubentanz betreibt – dieser Name stammt aus dem Mittelalter. Inzwischen fand sich auch eine Verwendung für den stählernen Koloss auf dem Betriebsgelände in der Breiten Straße: Hier soll er künftig als Hofladen dienen – und damit einen Bauwagen ablösen.

Drittes „Arbeitsleben“ für Kessel

„Oben in der Lounge werden Bier- und Schnapsverkostungen stattfinden, unten findet dann der Verkauf statt“, informierte der neue Besitzer vorm Abtransport in Melkow. Zwei große Autodrehkräne aus Stendal waren dazu nach Melkow gekommen. Schließlich musste der fast zehn Tonnen schwere Kessel erst in die Waagerechte gebracht werden, damit er auf den Tieflader verladen werden konnte. Auch beim Aufstellen in Stendal war nochmals Präzisionsarbeit der beiden Kranführer gefragt, der stählerne Koloss musste schließlich auf einem schmalen Hofgelände abgestellt werden. Hier wird er noch etwas für seinen neuen Verwendungszweck ausstaffiert – dann kann sein „drittes Arbeitsleben“ beginnen.