Havelberg l Die Flut kam dieses Mal vom Himmel. In den oberen Stadtgebieten waren es 45 bis 60 Liter pro Quadratmeter, in der Unterstadt dagegen „nur“ 15 bis 30 Liter pro Quadratmeter. Letztere schaffte das Regen- und Abwasserkanalsystem noch gut aufzunehmen. Das Mischwassersystem in der Oberstadt allerdings war mit den Wassermassen völlig überfordert, es drückte sie zurück und bis in die Gebäude.

Wasser läuft in Sporthalle

Auch in öffentliche Einrichtungen, wie die Sporthalle „Am Eichenwald“ und die beiden Kindertagesstätten „Zwergenland“ in der Löhestraße und „Regenbogen“ im Franz-Mehring-Viertel. „In der Sporthalle ist der Belag nun wieder abgetrocknet und sie kann bis auf Widerruf uneingeschränkt genutzt werden“, beantwortete Bauhof-Chef Volker Kanzler gestern eine entsprechende Anfrage. Mit Widerruf meinte er vielleicht doch noch auftretende Schäden am Belag. „Wir müssen die nächsten Tage abwarten...“

Nicht hundertprozentig nutzbar

Nicht hundertprozentig nutzbar sind nach dem Wasser­einbruch die Küche, ein Mehrzweckraum und das Lager in der Kindertagesstätte „Zwergenland“ sowie Kellerräume in der Kindertagesstätte „Regenbogen“. Jedoch soll das so schnell wie möglich geändert werden, damit in den Einrichtungen wieder alles so funktioniert wie vor der Flut aus dem Himmel.

Ganze Straßenzüge betroffen

Das gesamte obere Wohngebiet wurde am Mittwochabend zu einem Großeinsatzgebiet für die Feuerwehren. Denn nahezu in jeden Wohnblock und in jedes Wohnhaus war Wasser in die Keller und teilweise auch in Garagen eingedrungen. Gleich ganze Straßenzüge waren betroffen: Am Sportplatz, in der Karl-Liebknecht-Straße, in der Breiten Straße, in der Löhestraße, in der Neustädter Straße, im Franz-Mehring-Viertel ... Einsatzstellen schier ohne Ende.

Großeinsatz für mehrere Feuerwehren

„Es kam ein Einsatz nach dem anderen, und oft winkten uns auch noch Leute auf der Straße mit der Bitte um Hilfe zu ihren Häusern“, berichtete Havelbergs Ortswehrleiter David Koch. Trotz vier Havelberger Einsatzfahrzeugen, „war das ohne Unterstützung nicht zu schaffen“, schätzte er ein. Die Wehren aus Sandau, Nitzow, Garz, Jederitz und Glöwen wurden zur Hilfeleistung nach­alarmiert. „Es war echt ex­trem. Die Einsatzkräfte mussten pumpen, pumpen, pumpen“, so David Koch. „Von kurz nach 17 Uhr angefangen bis 1.45 Uhr am Donnerstagmorgen.

Nachbarn helfen sich gegenseitig

Allerdings war das Abpumpen nicht überall möglich. „In allen Kellern reichten die Wassermassen für unsere Technik nicht aus“, erklärt er. Da mussten die Bewohner dann selbst aktiv werden. Und taten es auch. „In unserer Straße haben sich die Leute gegenseitig geholfen, obwohl sich viele gar nicht kennen. Das war Nachbarschaftshilfe wie zu DDR-Zeiten. Das fand ich einfach bewundernswert“, freut sich Hans-Joachim Frey, der in einem Wohnblock Am Sportplatz wohnt. Auch sein Keller war betroffen. „Bewohner von der anderen Straßenseite fragten mich, ob sie helfen könnten.“

Aufzugsschächte gesichert

Die wichtigste Aufgabe für Mitarbeiter der Havelberger Wohnungsgenossenschaft „Solidarität“ bestand am Mittwochabend darin, „die Aufzugsschächte in unseren Wohnblöcken in der Löhestraße, im Mühlenweg und in der Breiten Straße zu sichern und zu kontrollieren. Insgesamt waren zehn Häuser von uns vom Wassereinbruch betroffen“, erklärt der Vorsitzende der Genossenschaft Detlef Leppin. „Die Wehren aus Havelberg, Nitzow, Jederitz und Garz waren uns eine große Hilfe dabei“, sagte er der Volksstimme. „Bedanken möchte ich mich auch bei der Firma HTI, die uns für die Schadensbeseitigung in Folge des Unwetters kurzfristig Technik zur Verfügung gestellt hat.“

Großer Ast auf der Straße

Die Havelberger Wehr führte ein weiterer Einsatz auf die B 107, Richtung Glöwen. Hier lag ein großer Ast auf der Straße.