Sandau l Der 14. Januar 1987 war bitter kalt: Minus 25 Grad Celsius hatte das Thermometer von Horst Müller damals angezeigt. Ein Jahr zuvor war es ähnlich frostig, nur ein Grad „wärmer“. Temperaturen, wie sie die heutige Jugend an der Elbe wohl so bald nicht mehr erleben dürfte. Dann schon eher die 40 Grad Celsius, welche Horst Müller 1992 gemessen hatte.

Wie der Senior dazu kam, jeden Tag diverse Wetterdaten schriftlich in Tabellen festzuhalten? Sein Schwiegervater war Landwirt und hatte in seinen Aufzeichnungen das Wetter immer nur sehr allgemein beschrieben – wie „der Winter war kalt“. Damals bekam Horst Müller ein Thermometer geschenkt, welches die Höchst- und Mindesttemperaturen anzeigte, womit die täglichen Wetteraufzeichnungen begannen. Notiert wurden auch die Niederschlagsmenge, ob es wolkig, bedeckt oder sonnig war, Windstärke- und richtung sowie Wettererscheinungen wie Nebel oder Raureif. Festgehalten wurden ferner der Wasserstand der Elbe sowie Schneehöhen. So lag im Winter 1978/1979 enorm viel Schnee. Die Elbe war 1998 letztmals zugefroren. Recht feucht war das Jahr 1994, als es im Monatsschnitt 71 Liter regnete, 1991 waren es nur 33 Liter.

Bücher voller Wetterdaten

Etliche Bücher voller Tabellen sind inzwischen schon zusammengekommen, eines ist in der Ausstellung zu sehen. Später wurden auch Blühzeiträume von Pflanzen wie der Forsythien notiert oder Ankunft und Abflug der Störche. „Inzwischen habe ich vier Thermometer, davon ein digitales“, berichtete der Sandauer. Allerdings zeigen sie nicht unbedingt immer die selben Temperaturen an ...

Bilder

Neben ihm stand Peter Zimmermann vor seinen beiden Schiffsmodellen. Beide im Maßstab 1:50. Jeweils dreieinhalb Monate hatte er für das Zusammensetzen der Bausätze benötigt. Manches Detail wurde aber auch selbst gefertigt. Die Fregatte „HMS Bounty“ wurde durch die Meuterei berühmt, welche Christian Fletcher 1789 anzettelte. Der Kapitän samt 18 Getreuen wurde in einem Boot ausgesetzt, nach 4000 anstrengenden Seemeilen erreichten sie die Insel Timor. Das andere Modell ist die „USS Enterprise“, ein ursprünglicher Schoner, der zuletzt in Diensten der US-Navy stand und 1823 auf Grund lief.

Neues Modell doppelt so groß

Derzeit arbeitet der einstige Fährmann, der seit dem Ende des Vorjahres seinen verdienten Ruhestand genießt, an einem dritten Schiff – die „Victory“ wird doppelt so groß wie ihre beiden Vorgänger.

Klaus-Dieter Pöhl dürfte Sandauern und auswärtigen Karnevalfans als Schöpfer der lustigen Männekens auf den Plakaten des Karnevalklubs SCC bekannt sein. Seit 1994 ist er der „Hauszeichner“ vom SCC, mit den seitdem angefertigten Plakaten und Bühnendekorationen könnte er wohl allein schon eine Ausstellung bestücken. Doch sind im Kirchturm kleinere Werke von ihm zu sehen, nämlich Glückwunschkarten zu diversen Anlässen, Kerzenständer, Sperrholzfiguren fürs Kinderzimmer oder bunt bemalte Brettchen – zu DDR-Zeiten waren letztere der Renner.

Bemalte Milchkannen und Stickbilder

Gestickte Bilder, Stricksocken, in Plattstich und Hardanger-Technik angefertigte Decken, Weihnachtsanhänger und weitere tolle Handarbeiten hatte Barbara Rettinghausen zur Exposition beigesteuert. Von Christel Hohenhaus waren eine bemalte Milchkanne und professionell angefertige Zeichnungen zu sehen, auch Volkhard Meyer hatte Zeichnungen beigesteuert. Fotos von David Heller hängen in der Turmhalle, hier sind auch gestrickte Kuscheltiere ausgestellt. Letzteres ist ein Hobby der jüngeren Sandauer.

Seit Februar hatte Berta Meyer die Ausstellung vorbereitet, welche eigentlich zu Ostern öffnen sollte. Manche wie Maler Gerd Pfeiler oder Töpfer Jörg West hatten bereits ausgestellt, viele sind Neulinge. „Mit 34 Ausstellern hätte ich nie gerechnet“, freute sich die einstige Bürgermeisterin. Darunter immerhin ein Drittel Männer, Jüngste ist die elfjährige Töpferin Leonie Schulz.

Immerhin 14 Rubriken sind in der Exposition vertreten, unter anderem Batik von Dagmar Pabst, Filzkunst von Kerstin Hamann, filigrane Basteleien von Liane Bornemann, Holzarbeiten wie das große 46-teilige Turmpuzzle von Gerd Pfeiler – es verbleibt auch später hier – oder Getöpfertes von Inge Schulze. Rosel Warnstedt steuerte ganz aktuell ein Gedicht zum Corona-Virus bei.

Die Exponate sind bis Oktober im Kirchturm ausgestellt. Geöffnet ist dieser aktuell täglich von 14 bis 16 Uhr.