Kirchgemeinde

Vikar Gordon Sethge stellt sich vor

Unter dem Schatten der jüngsten Ereignisse im Kirchenasyl stehend, fand der Gottesdienst am Sonntag in Schönhausen statt.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt 26.09.2016, 17:03

Schönhausen l Neben den bedrückenden Worten von Pfarrer Euker gab es auch Grund zur Freude: die Begrüßung von Vikar Gordon Sethge. Der 29-Jährige hat sein Doppelstudium Lehramt/Pfarramt im Sommer abgeschlossen, und auf dem Weg, Pfarrer werden zu wollen, steht nun das zweijährige Vikariat an.

In Gardelegen aufgewachsen, hatte er den Wunsch geäußert, das in der Altmark absolvieren zu können. Dass ihm der Pfarrbereich Schönhausen zugewiesen wurde, freut ihn sehr: „Es ist eine vielseitige Gemeinde, reich an Traditionen, aktiv in der Jugendarbeit und in der Flüchtlingsarbeit. Ich bin gespannt auf die kommende Zeit“, sagt der junge Mann, der eine Wohnung in Schönhausen hat. Das erste halbe Jahr widmet er sich der Schulpädagogik – als Religionslehrer am Genthiner Gymnasium. Zu Weihnachten wird er eine der Christvespern im Pfarrbereich halten. „Nach so langem Studium ist es schön, dass nun endlich das kommt, was ich machen will.“ Studiert hatte Gordon Sethge übrigens in Jena und die letzten beiden Jahre in Oxford.

Von seinem Werdegang und seiner Vorfreude auf die kommende Zeit berichtete er am Sonntag beim sehr gut besuchten Gottesdienst in der Schönhauser Kirche. Auch Pfarrer Ralf Euker ist gespannt auf die nächsten zwei Jahre und freut sich auf die Bereicherung des Gemeindelebens mit einem Vikar, den er auf dem Weg zum Pfarrer begleiten wird.

Dass es nicht nur heitere Tage gibt, sondern auch bedrückende, erlebt die Gemeinde derzeit. Ein Iraner, dem in Schönhausen Kirchenasyl gewährt worden ist, soll ein sechsjähriges Mädchen sexuell bedrängt haben und sitzt in Untersuchungshaft. Ralf Euker ist dankbar, dass die Gemeinde ihm nach dem kaum fassbaren Ereignis Kraft und Rückhalt gibt. Er wandte sich unter anderem mit folgenden Worten an die Gemeinde: „Als Christen leiten uns Lebensfragen wie diese: Wer ist heute mein Nächster? Wen vertraut Gott mir an? In welcher konkreten Situation haben wir unser Vertrauen in Jesus von Nazareth unter Beweis zu stellen? Seit dem Spätsommer des letzten Jahres, der Gründung der Landesaufnahmeeinrichtung in Klietz, beziehen sich diese Fragen auch auf die zeitweiligen Bewohner der Bundeswehrkaserne. Vor diesem Hintergrund trat am vorletzten Dienstag der Gemeindekirchenrat unseres Kirchengemeindeverbands zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Nach intensiven Vorgesprächen diskutierten die Ältesten darüber, inwieweit es für uns als Kirchengemeinde geboten ist, zwei christlichen Männern aus dem Iran und aus Afghanistan das Kirchenasyl zu gewähren. Das Kirchenasyl hat seine biblische Grundlage im Alten Testament und hat von da an eine Jahrtausende lange Tradition: Flüchtet sich jemand in den Bereich des Altars, so ist er an diesem heiligen Ort vor Strafverfolgung und Rache geschützt. Im Falle der beiden Männer, denen in unserer Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt wurde, ist der Gemeindekirchenrat davon überzeugt, dass die für beide bereits angekündigte Abschiebung in humanitärer Hinsicht nicht zu vertreten ist. Unser Gemeindekirchenrat möchte den Behörden durch das Kirchenasyl die Chance und die Zeit geben, ihr Vorhaben noch einmal zu überdenken.

Am vergangenen Sonnabend nun hatte sich eine Situation ergeben, in der der schwerwiegende Verdacht der sexuellen Bedrängung eines Kindes im Raume stand. Die Polizei wurde umgehend eingeschaltet und der Verdächtigte noch Samstagnacht verhaftet. Auch unsere iranischen und afghanischen Glaubensgeschwister, von denen heute wieder einige unter uns sind, sind sehr schockiert und traurig über die jetzt eingetretene Situation. Unsere Gastfreundschaftlichkeit und Geschwisterlichkeit ist für sie zur Zeit ein wichtiger Teil ihres Lebens.“