Neuermark-Lübars l War Heiko Kurze, Bandleader der Village Boys und auch DJ, Mitte März bei der Verkündung der Vorschriften zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch optimistisch, bald wieder auf der Bühne zu stehen, hat sich die Gefühlslage inzwischen etwas geändert. Denn nun ist klar, dass bis Ende August keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen. Zahlreiche Dorf- und Stadtfeste, auf denen die Village Boys mit ihrer Musik für beste Party-Stimmung gesorgt hätten, sind gecancelt, dazu Hochzeiten, Jugendweihen und runde Geburtstage im Mai und Juni. „Anfangs war ich voller Hoffnung, dass es im Mai langsam wieder los geht und die Zwangspause nur von kurzer Dauer ist. Aber da habe ich mich geirrt.“ Der Neuermark-Lübarser erzählt, dass das Stadtfest in Schönebeck ausfällt, das Feuerwehrfest am 1. Mai in Jerichow, in Thale hätte die Band aufgespielt, „wir hätten jedes Wochenende einen, manchmal sogar zwei Auftritte gehabt“. Und der Havelberger Pferdemarkt? Für die Village Boys der Höhepunkt des Jahres, auf den sich die vier Musiker alljährlich sehr freuen. Eine Woche später dann das Burgfest in Tangermünde... „Ob diese beiden Großveranstaltungen stattfinden können, ist fraglich“, hegt Heiko Kurze noch leise Hoffnung. Im Herbst möchten sie hier in der Heimatregion gern beim Wuster Oktoberfest aufspielen.

So lange wie jetzt Zwangspause einlegen zu müssen, haben die Village Boys noch nie erlebt. Selbst zur Flut 2013 waren sie nach drei Wochen wieder am Start. Für Heiko Kurze, der als Berufsmusiker sein Geld ausschließlich mit Musik verdient, ist die Situation angespannt – nicht nur wegen der ausbleibenden Einnahmen, sondern auch, weil er es vermisst, auf der Bühne zu stehen. „Ich will nicht jammern. Anderen Musikern geht es schlechter. Ich kenne genug, die von der Hand in den Mund leben. Und Gastronomen mit Angestellten beispielsweise sind in diesen Zeiten noch viel schlechter dran.“

Auch wenn er sich die viele Freizeit in seinem Proberaum mit Gitarrespielen oder mit Radfahren auf dem Elbdeich gut vertreiben kann, will er doch viel lieber arbeiten „und nicht so viel Zeit zum Nachdenken haben, da kommen trübe Gedanken auf“. Er überlegt, sich vorübergehend einen Job zu suchen, vielleicht als Kurierfahrer. „Aber so was muss man erst einmal finden in diesen Zeiten“, sagt der 55-Jährige.

Gefreut hatten sich Heiko Kurze und seine Tochter Silja auf ein Konzert der Sängerin Taylor Swift am 20. Juni in der Berliner Waldbühne – abgesagt. „Es geht den großen Künstern nicht anders als uns Kleinen.“ Er hofft, dass kommende Woche weitere Lockerungen bekanntgegeben werden und zumindest kleine Veranstaltungen stattfinden dürfen, „wir wollen einfach nur zurück auf die Bühne!“

Um sich abzulenken, arbeitet Heiko Kurze zusammen mit Detlef Hopfe am nächsten Corona-Song, der denn wieder über die sozialen Medien zu hören sein wird.