Havelberg l „Wir sind froh, wieder in Gesellschaft sein zu dürfen“, sagt Ilsabe Görtler. „Die Gespräche mit den Menschen sind wichtig. Dass wir uns wieder unterhalten und austauschen können, ist doch sehr wesentlich. Es tut weh, wenn das wegfällt“, findet Ruth Steinert. „Das Zusammensein hat uns gefehlt“, sagt Karl-Heinz Harmel. „Wir haben uns erstmal darüber unterhalten, wie es allen geht und ob alle gesund geblieben sind“, berichtet Eveline Schulz. Die vier Senioren gehören zur Englischgruppe der Volkssolidarität in Havelberg, die sich normalerweise jeden Donnerstag zum Unterricht trifft. Wegen Corona mussten sie eine Zwangspause einlegen, die 15 Wochen andauerte.

Verena Fischer, einst Englischlehrerin am Havelberger Gymnasium, übt mit den Senioren Englisch für den täglichen Gebrauch. „So halten wir den Kopf ein bisschen fit“, sagt Ilsabe Görtler. Die Enkelkinder besser zu verstehen, bei denen englische Vokabeln ganz normal gebraucht werden, ist ein weiterer Grund. Überhaupt macht sich Englisch immer mehr in unserem Sprachgebrauch breit, da ist es gut, Kenntnisse zu haben, finden die Senioren. „Unsere Generation hatte ja kein Englisch in der Schule“, gibt Ilsabe Görtler zu bedenken. „Die Musik im Radio ist zu 90 Prozent in englischer Sprache“, nennt Karl-Heinz Harmel einen weiteren Grund, weshalb er wöchentlich zum Englisch geht.

Normalerweise sind sie mehr in der Runde, die sich seit November 2013 mit Verena Fischer trifft. Zum ersten Unterricht nach der Corona-Pause war die Hälfte gekommen. Die Altersspanne reicht von 60 bis 85 Jahre, berichtet die Koordinatorin der Volkssolidarität Havelberg Beate Schulz. Auch sie ist froh, dass sie nun endlich wieder die Mitglieder der Volkssolidarität in der Begegnungsstätte in der Semmelweisstraße begrüßen kann. Zwar dürfen verschiedene Sachen wie Kartenspiel und Sitztanz noch nicht stattfinden. Doch sind alle froh, sich wenigstens wieder sehen und unterhalten zu dürfen. Deshalb treffen sich die einzelnen Gruppen zu Kaffeerunden. „Und der Kuchen schmeckt auch wieder“, sagt Beate Schulz. Am Montag kamen vier von normalerweise 17 Kartenspielern in den Klub, am Dienstag trafen sich elf Mitglieder der Sportgruppe. Die Handarbeitsgruppe war am Mittwoch mit 13 Frauen vertreten. „Mehr als 15 Leute darf ich momentan auch nicht hereinlassen“, berichtet die Koordinatorin von den Hygienemaßnahmen. Jeder muss einen Anwesenheitszettel ausfüllen. Die Tische und Stühle sind so gestellt, dass Abstand möglich ist. Nach jedem Besuch ist alles zu desinfizieren und es muss gelüftet werden. Viel zusätzliche Arbeit, weshalb Beate Schulz froh ist, dass auch die drei Frauen, die übers Jobcenter beschäftigt sind, wieder mit an Bord sein können.

„Am Mittwoch war Treff des Klubrates. Da habe ich die Ortsgruppen in Havelberg darüber informiert, was wieder erlaubt ist und was nicht“, erzählt Beate Schulz weiter. Auch auf den Dörfern treffen sich die Ortsgruppen wieder. Insgesamt gibt es im Altkreis Havelberg elf Ortsgruppen der Volkssolidarität mit rund 350 Mitgliedern. „Es wird viel erzählt, was jeder so erlebt hat. Alle freuen sich, wieder zusammen sein zu dürfen.“

Was sich die Senioren für die nächste Zeit wünschen? „Dass alle Disziplin üben, damit wir bald wieder zur Normalität kommen. Das ist wichtig für alle“, sagt die 85-jährige Ruth Steinert.