Klietz l „Da ist eine! Da auch!“ Gerade ist die Sonne untergegangen, als die Naturfreunde nach der Wanderung auf dem 1,7 Kilometer langen Fledermauspfad am „Seeblick“ Platz nehmen. Anneliese Steinborn erzählt von den vom Aussterben bedrohten fliegenden Säugetieren, untermauert ihren Vortrag mit Bildern. Und dann tauchen sie am Nachthimmel auf! Die Fledermäuse fliegen ihnen beinahe um die Ohren. Denn der „Tisch“ ist reich gedeckt für die fliegenden Jäger. Mücken über Mücken tummeln sich dicht am Klietzer See, sind fette Beute. Endlich. „In den letzten Jahren gab es kaum Mücken. Die gehören neben Faltern, Spinnen, Fliegen und Käfern zu den wichtigsten Nahrungstieren. Weil es sie kaum gab, war es für die geschwächten Fledermäuse beschwerlich, Junge aufzuziehen.“

Neues Winterquartier

Umso mehr bemühen sich Anneliese und Joachim Steinborn um die bedrohten Tiere. Vor einem Jahr richteten sie den Fledermauspfad als Bestandteil des 7,5 Kilometer langen Naturlehrpfades ein. Und „bauen“ immer weiter daran. Gerade fertig geworden ist ein neues Überwinterungsquartier (wir berichteten). Der frostfreie, unterirdische Raum ist sechs Meter lang, 1,45 Meter breit und 1,45 Meter hoch. An den Wänden hängen Mehrkammersteine, in die die Fledermäuse kriechen und ihren Winterschlaf halten können.

Nur mit Hilfe vieler Beteiligter war es möglich, dieses Überwinterungsquartier anzulegen. „Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises stellte 5000 Euro und die Mehrkammersteine bereit, die Bundeswehr gab die alten Betonelemente, die Firma Matzke-Haus brachte ihre Technik zum Einsatz, das Servicecenter der Bundeswehr befestigte die Mehrkammersteine und fertigte die Tür. Die Gemeindearbeiter packten zu, die Bundesforst war involviert und nicht zu vergessen Stefan Kertz vom Schullandheim als ständiger Mitstreiter“, zählt Joachim Steinborn auf, wer alles geholfen hat, seine Baupläne umzusetzen. Im Herbst wollen er und seine Frau noch trockenes Laub in den Bunker bringen, damit hier auch Kriechtiere überwintern können.

Bilder

Insgesamt gibt es im Bereich des Klietzer Truppenübungsplatzes zehn Winterquartiere – zumeist alte Bunker, die mit „Schlafplätzen“ bestückt worden sind. Auch das alte Wasserwerk gehört dazu. Erstaunlich, dass die Fledermäuse immer wieder die Einflugschlitze in dem großen Waldbereich finden.

Passierbar auch für Senioren

Steinborns, Mitglied im Fledermaus-Arbeitskreis des Landes Sachsen-Anhalt, haben noch mehr vor. „Der Pfad soll für Senioren besser begehbar sein, denn es gibt etliche ältere Klietzer, die hier auf dem mit 1,7 Kilometer recht kurzen Stück durch den Wald am Ortsrand entlang spazieren.“

Wie stolz er ist, dass sich der Pfad so gut entwickelt, spüren die Teilnehmer der Wanderung: Joachim Steinborn zeigt die Bäume und Büsche, die am Wegrand wachsen – selbst ausgesät oder gepflanzt. „Nicht drauftreten“, mahnt er die Kinder zur Vorsicht! Die staunen, als sie in einem der vielen an den Bäumen entlang des Pfades hängenden Kästen tatsächlich ein Tier entdecken: eine Rauhautfledermaus, die hier in der Region in den Sommermonaten vorkommt. Sie finden dank Steinborns auch beste Bedingungen vor. „Natürliche Unterschlüpfe und Höhlen gibt es kaum noch, deshalb muss der Mensch helfen“, ist es ihr Anliegen.

Gerade zieht Anneliese Steinborn eine „Kleine Bartfledermaus“ auf. Frau Frost aus Möringen fand das geschwächte Jungtier. Nur noch 3,3 Gramm schwer, ist es eigentlich zum Sterben verurteilt. Mit Mückenbrei und extra aus Mangelsdorf geholter Stutenmilch versucht Anneliese Steinborn, das kleine Säugetier aufzupeppeln.

Fledermäuse im Netz

Am Ende des Abends bekommen die Wanderer Fledermäuse ganz nah zu Gesicht. Denn Peter Busse aus Sandau, der sich mit Steinborns im Landkreis Stendal um die Fledermäuse kümmert, und Fabian Sieg aus Klietz, der Steinborns unterstützt, haben am See Fangnetze aufgebaut. Lange warten müssen sie nicht, bis die ersten Flieger darin landen, 21 sind es insgesamt. Die Teilnehmer der Fledermausnacht konnten sie in Augenschein nehmen, bevor sie wieder in die Nacht starten durften, denn die Luft ist voller Mücken und der Appetit der Fledermäuse ist groß!