Befragung im Elbe-Havel-Land bis Ende Mai

Was wünschen sich die Jugendlichen?

Von Leonie Schüler-Springorum

Elbe-Havel-Land

In manchen Dörfern sind es die Bushaltestellen, in anderen die Bänke auf dem Sport- oder Spielplatz. Andere Aufenthaltsorte für Jugendliche gibt es in den meisten Dörfern oft nicht – mit Ausnahme der Jugendclubs. Aber vielen fehlt die Möglichkeit, sich auch mal außerhalb der Öffnungszeiten und ohne betreuende Personen irgendwo aufhalten zu können. „Wir hätten gerne einfach was nur für uns zum Beispiel einen Raum, in dem wir uns hinsetzen und unsere Freizeit gemeinsam verbringen können“, sagt der Wuster Hendrik Köppen (21). „Wir würden ja gerne hier bleiben, wenn für uns die entsprechenden Anreize da wären. Aber momentan hält die meisten ja nichts mehr hier, die wollen eigentlich alle bloß nur noch woanders hin.“

Diese Wahrnehmung spiegelt sich auch in einer aktuellen Studie der Hochschule Magdeburg-Stendal zur Lebenssituationen von Jugendlichen in ländlichen Regionen und Kleinstädten wider. Dafür wurden in fünf Bundesländern über 800 junge Menschen im Alter zwischen 12 bis 18 Jahren befragt. Fast ein Viertel davon aus der Altmark. Negativ betrachtet, schließen fast 80 Prozent die Abwanderung aus der Altmark nicht aus. Positiv betrachtet, sind sich weniger als 30 Prozent wirklich sicher, dass Sie für immer wegwollen. Was können Gemeinden also tun, um die schwankende Mehrheit für sich zu gewinnen? Auch hier gibt die Studie eine Antwort: Jugendliche, die gut in das regionale Leben eingebunden sind und in ihren Kommunen Möglichkeiten zur Verwirklichung eigener Ideen haben, sind zufriedener und wollen seltener abwandern. Diese Erkenntnisse nahmen sich der Stendaler Verein Kinderstärken, der Förderverein Jugendzentrum Elb-Havel-Winkel und der Demografiemanager der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land, Gerhard Faller-Walzer, zum Anlass, um einen Fragebogen zu entwickeln, der eine Datengrundlage zur Situation der Jugendlichen hier in der Region schaffen soll.

Einbeziehung in die Gemeindearbeit

„Wir wollen ein verstärktes Interesse der Jugendlichen an ihrer Verbandsgemeinde wecken und ihnen vermitteln, dass sie ihre Vorstellungen einbringen und an Entscheidungsprozessen teilhaben können“, erklärt Gerhard Faller-Walzer das Vorhaben. Für die Entwicklung des Fragebogens hat er sich mit Jugendlichen aus Wust zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein zweiseitiger Fragebogen, der die jungen Menschen nicht nur fragt, was ihnen an ihrem Dorf, ihrer Stadt gefällt oder eben nicht gefällt, sondern auch mit Fragen wie „Kannst du dir vorstellen, im Gemeinde-/Stadtrat mitzuwirken?“ oder „Was sollte ein Verein anbieten, damit du mitmachen würdest?“ Damit wird nicht zuletzt der Auftrag des Gesetzgebers erfüllt, der die Gemeinden auffordert, Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren spezifische Interessen berühren, in angemessener Weise zu beteiligen.

Dass für nachhaltige Veränderungen nicht nur von Seiten der Gemeinden etwas erwartet werden kann, sondern auch die Jugendlichen sich in den Prozess einbringen sollten, weiß auch Hendrik Köppen: „Uns ist klar, dass wir selbst auch ein bisschen was tun müssen, wenn wir Verbesserungen wollen. Wenn wir merken, dass man auf uns eingeht und wirklich etwas verändert werden soll, sind wir natürlich auch bereit, uns zu engagieren. Und wenn es dazu gehört, mal ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, dann machen wir das.“ Gemeinsam mit seinen Freunden Willi Reumann (18) und Jan-Frederick Hampsen (19) hat er jetzt die Fragebögen abgeholt, um sie nun an weitere Freunde zu verteilen.

Fragebogen auf der Homepage

Außerdem wollen sie den Link zur Befragung per WhatsApp verschicken, um möglichst viele Gleichaltrige zu erreichen. Eine weitere Verbreitung des Fragebogens erfolgt über das JUZE Havelberg, Social Media, Schulen, die Gemeinden, Vereine sowie Jugendfeuerwehren. Und man findet den Fragebogen auch auf der Webseite der Verbandsgemeinde www.elbe-havel-land.de. Bis Ende Mai haben die Jugendlichen Zeit, die Fragen zu beantworten und den Bogen per mail oder Post zurückzuschicken oder direkt abzugeben. Danach erfolgt die Auswertung und Erarbeitung der nächsten Schritte. Und vielleicht finden die Jugendlichen aus Wust im übernächsten Schritt dann Gefallen daran, sich nicht nur für die eigenen Räume, sondern auch für die Gemeinde als Ganzes zu engagieren.