Schönhausen l An Weihnachtsurlaub ist in den Elbe-Havel-Werkstätten dieses Jahr nicht zu denken. Während der Betrieb in den letzten Jahren in den meisten Abteilungen über die Festtage eingestellt war und in Küche und Wäscherei nur auf Sparflamme gearbeitet wurde, herrscht hier auch jetzt Hochbetrieb. Denn die Asylsuchenden, die in der Klietzer Kaserne untergebracht sind, müssen mit drei Mahlzeiten täglich versorgt werden und auch die Flachwäsche der durchschnittlich 700 Menschen ist zu waschen.

Anfang Oktober, kurz nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Klietz, hat die Werkstatt diese zusätzlichen Aufgaben übernommen. „Das kam für alle sehr überraschend und wir mussten schnell reagieren.“ Die Werkstattleiterin Claudia Heuser ist froh, dass sich nun langsam alles gut eingespielt hat. Das betrifft die Abläufe in der Küche, wo ebenso wie in der Wäscherei nun in zwei Schichten gearbeitet wird, und auch in der Verpackung. Wo sonst die Leichtmontage ihren Raum hatte, werden nun die Behälter mit Frühstück und Abendbrot verpackt. Wurst – natürlich ohne Schweinefleisch –, Butter, Käse, Frischkäse, Marmelade und Nuss-Nougat-Creme werden entsprechend der aus Klietz gemeldeten Anzahl der Bewohner täglich verpackt: nachmittags das Frühstück für den folgenden Tag, vormittags das Abendbrot. In den Behältern wird es gekühlt und transportiert.

Plätze schnell vergeben

„Ein schöner Montage-Auftrag gerade für die Schwächeren, die diese leichten Arbeiten gut ausführen können. Das Interesse, in diesen Bereich umgesetzt zu werden, war groß“, berichtet Claudia Heuser von schnell vergebenen 15 Arbeitsplätzen.

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Viel zu tun gibt es auch in der Küche. Wurden hier bisher nur 500 bis 600 Portionen für die Mitarbeiter sowie für Kindergartenkinder und Schüler in Schönhausen und Genthin zubereitet, so sind es nun zusätzliche 700 Portionen. An manchen Tagen muss auch ganz kurzfristig nachgeliefert werden, weil über Nacht unangemeldet ein Bus mit neuen Flüchtlingen in Klietz eingetroffen ist. Und es ist auch nicht möglich, einfach nur die doppelte Menge zu kochen. Denn die Speisepläne unterscheiden sich an den meisten Tagen komplett. So gibt es für die Flüchtlinge kein Schweinefleisch, stattdessen Rind, Geflügel, Fisch, Geflügelfrikadellen, Falafel oder Couscous. Die Soßen sind dünner, wir verwenden andere Gewürze und auch Zutaten. Die Asylsuchenden essen gern Eintöpfe, der Reis soll nicht körnig sondern klebrig sein.

„Um einen abwechslungsreichen Speiseplan erstellen zu können, stehen wir mit Klietz in engem Kontakt, um entsprechend der Bedürfnisse zu kochen. Und wir belesen uns im Internet“, berichtet Köchin Sandra Bolik.

Hygiene überwacht

Das zubereitete Essen wird in Einzel-Behälter luftdicht verpackt und auf drei Grad heruntergekühlt. Vor der Auslieferung nach Klietz erfolgt dann eine Erhitzung auf 85 Grad, damit das Essen dort eine Ausgabetemperatur von 65 Grad hat.

Alle Prozesse werden von der Hygieneaufsicht strengstens überwacht, es gibt regelmäßige Kontrollen.

Um die zusätzliche Arbeit zu bewältigen, haben die Elbe-Havel-Werkstätten Schönhausen in den letzten Wochen sieben zusätzliche Arbeitsplätze für Bewohner aus der Region geschaffen. Allein in der Küche gibt es derzeit vier Köche und 15 Behinderte, die täglich bis zu 1200 Portionen zubereiten.

Angeschafft werden mussten auch neue Maschinen,  Kühlgeräte und Schweißtechnik – schnell Lieferanten zu finden, war gar nicht so einfach.

Am 4. Januar nehmen auch alle anderen Bereiche der Werkstatt im Schönhauser Gewerbegebiet wieder ihre Arbeit auf.