Stärkung der Natur im Umfeld des Menschen

Der Wettbewerb „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ wird vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ durchgeführt und im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

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Das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ ist ein Zusammenschluss von im Naturschutz engagierten Kommunen. Es stärkt die Bedeutung von Natur im unmittelbaren Lebensumfeld des Menschen und rückt den Schutz der biologischen Vielfalt in den Blickpunkt.

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Die Bundesregierung hat 2019 das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ beschlossen. Das Programm soll die Lebensbedingungen für Insekten verbessern und dem Insektenrückgang entgegenwirken.

Havelberg l Philipp Ritzmann vom Biospärenreservat Mittelelbe, derzeit auch amtierender Leiter des Hauses der Flüsse in Havelberg, hat das Projekt im Umweltausschuss der Stadt Havelberg kurz vorgestellt. Dessen Inhalt besteht darin, mit Ideenvielfalt zum Schutz von Insekten beizutragen und die Stadtnatur zu fördern. „Nicht jede Fläche in der Einheitsgemeinde eignet sich dafür“, warf Amtsleiter André Gerdel ein. „So sind zum Beispiel die Flugkorridore der Fledermaus zu beachten.“ Es müsse auch noch einmal „genau danach geschaut werden, wie wir den Umweltaspekt auf den Dörfern und in der Stadt umsetzen können“.

Nachtfalterwiese soll entstehen

Die Hansestadt Havelberg beteiligt sich an dem Bundeswettbewerb, möchte eine „Naturstadt“ werden. Dabei kooperiert sie mit dem Bios­phärenreservat Mittelelbe/Haus der Flüsse.

Die Projektidee für diese Naturstadt an der Havel besteht in der Schaffung einer Nachtfalterwiese mit Fledermaus-Horchstation und Fleder­SchmausWiese. Ein Hauptaugenmerk dabei liegt in der Entwicklung artenreicher Wildblumen-Kräuterwiesen mit dem Schwerpunkt auf nachtschwärmende Insekten sowie in der Installation einer öffentlichen Horchstation mit Fledermaus-Überschalldetektor und Infotafeln am Havel­ufer. Wildkräuter sollen besonders für nachtschwärmende Insekten, aber auch für Bienen und Schmetterlinge ausgesät werden.

In Betracht gezogen wird dafür ein Bereich an der Nordspitze der Havelberger Spülinsel.

- die Grünfläche vor der Spül­inselbrücke mit etwa 300 Quadratmetern

- die Grünstreifen neben der Fahrbahn mit etwa 300 Qua­dratmetern

- eine Fläche mit Baum- und Strauchbewuchs und Grünflächen mit bis zu 3000 Quadratmetern.

Umsetzung könnte 2021 beginnen

Die Neuanlage der Nachtfalterwiese könnte im Jahr 2021 in die Tat umgesetzt werden, die Hörstation mit Fleder­mausdetektor und die Infotafeln/Infostationen dann im Jahr darauf. Inbegriffen in diese Maßnahmen wäre unter anderem die Entfernung von nicht heimischen Gehölzen, wozu die Hybrid-Pappeln gehören. Allerdings müssen die dafür benötigten finanziellen Mittel über den Bundeswettbewerb hereingeholt werden.

Zur Erklärung: 40 Kommunen haben die Chance, jeweils 25.000 Euro an Fördergeldern zu erhalten. Havelberg möchte gerne eine davon sein.

Fachjury wählt die besten Ideen aus

Aktuell haben sich 310 Städte, Gemeinden und Landkreise mit 332 Projektideen zum Schutz von Insekten im Siedlungsbereich und zur Förderung von Stadtnatur beteiligt. Damit ist die Bewerbungsphase auch abgeschlossen. Im laufenden Monat und im Oktober wird eine Fachjury die besten 40 Projektideen auswählen und deren Verkündung dann spätestens Ende Oktober vornehmen.

Mehrjährige Blühflächen

Welche konkreten Verbesserungen für die Stadtnatur und die Insekten sind mit dem von der Hansestadt vorgeschlagenen Projekt zu erwarten? Vor allem ist es die Entwicklung arten- und strukturreicher mehrjähriger Blühflächen, gegebenenfalls magere Flachland-Mähwiesen. Diese dienen der Förderung einer Vielzahl von Insektengruppen – mit dem inhaltlichen Schwerpunkt auf nachtschwärmende Insekten, insbesondere von Nachtfaltern, zum Beispiel aus der Familie der Schwärmer, von denen unter anderem der Nachtkerzenschwärmer streng geschützt ist. Aus der Familie der Eulenfalter trifft das ebenfalls auf einige Arten zu.

Gefördert werden sollen aber auch nachnutzende Arten, insbesondere streng geschützte Fledermäuse, darunter Großer und Kleiner Abendsegler, Braunes und Graues Langohr, Breitflügelfledermaus oder Mopsfledermaus.