Neuermark-Lübars l Ratlos stehen Rainer Rockhausen und Achim Groß in ihrem Damwildgatter unweit von Neuermark-Lübars Richtung Elbe. Auf den fünf Hektar Land, von einem zwei Meter hohen Zaun umringt, liegen überall verteilt fünf Stücke Damwild. „Das muss eine richtige Hetzjagd gewesen sein!“ Drei Kälber aus dem Frühjahr und zwei erwachsene Tiere haben der oder die Wölfe in der Nacht zum Sonnabend gerissen, zum Teil aufgefressen oder durch Kehlbiss getötet. Acht Stücke Damwild sind irgendwie über den Zaun gekommen und so vor dem Wolf geflüchtet.

Einen Tag später laufen sie verschreckt rund um das Gatter, wollen zurück zur Herde, die überaus nervös nach der nächtlichen Attacke ist. Nachdem die Kadaver am Sonnabend vom Wolfsbeauftragten Andreas Berbig in Augenschein genommen und dann entsorgt worden sind, bemühten sich die beiden Damwildbesitzer, die Geflüchteten wieder ins Gatter zu kriegen – mit Erfolg.

2002 hatten die beiden Neuermark-Lübarser das Gatter mit zunächst drei Tieren eingerichtet. Lehrgänge u. a. in landwirtschaftlicher Tierhaltung wurden abgelegt und sämtliche Genehmigungen entsprechend Tierschutzgesetz eingeholt. An Kleinabnehmer verkaufen sie das Damwildfleisch, jetzt vor Weihnachten sollten eigentlich sechs Tiere geschlachtet werden. Der Wolf kam zuvor.

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Im Sommer 2013, als das Deichbruchwasser rund 1,30 Meter hoch stand, waren die Tore des Gatters rechtzeitig geöffnet worden, ein paar Tiere wurden per Kahn aus den Fluten gerettet. Dennoch sind 15 ertrunken, fünf in freier Wildbahn geblieben und 30 wiedergekommen. Also konnte die Zucht fortgesetzt werden. 42 Tiere liefen nun wieder im Gehege. Die Wiese bietet genug Futter, im Winter gibt es Heu und hin und wieder etwas trockenes Brot oder Äpfel.

Dass „eines Tages“ mal was mit dem Wolf passieren könnte, hatten Rainer Rockhausen und Achim Groß befürchtet. Sie hofften, dass der Zaun unüberwindbar ist. Doch der oder wohl mehrere Wölfe haben ein kleines Schlupfloch gefunden. Das ist inzwischen natürlich verschlossen. Doch die Sorge, dass der Wolf wiederkommt, weil er im Gatter die Beute leichter fangen kann, ist groß.

Die Vorschläge, die der Wolfsbeauftragte zu Strom im Zaun machte, sind bei über 1000 Metern laufendem Zaun kaum realisierbar. Denn das ist viel zu teuer. Deshalb wurden jetzt erst einmal alle Stellen, an denen sich die Räuber durchdrücken könnten, zusätzlich verstärkt. „Wir hoffen nicht, dass er wiederkommt, ansonsten müssen wir die Zucht wohl aufgeben.“