Groß Rosenburg l Christin Kloß und Ronald Günther vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) erläuterten die aktuellen Deichbauvorhaben. Die Quintessenz: Alles ist im Fluss, allerdings ist der überaus „sportliche“ Fertigungstermin 2020 nicht zu halten. So beginnen einige Sanierungsabschnitte erst 2023. Laut Flussbereichsleiter Ronald Günther sei die Finanzierung nicht gefährdet. Damit spielte er auf die enorm gestiegenen Preise an: Infolge der „guten Konjunktur“ kletterten die Bauleistungen der Firmen in die Höhe.

Kritik kam aus Breitenhagen zu einem anderen Thema: Das dortige Schöpfwerk würde „zu spät“ eingeschaltet. Heute stehe - obwohl der Elbepegel noch in relativ niedrigen Bereich ist - das Wasser oft auf dem Acker, wie Eckard Stolpe sagte. „Das geschieht nicht ohne Grund: Bei Hochwassern soll der landseitige Pegel wegen der Druckdifferenz gar nicht so tief abgesenkt werden“, so Günther. Das Schöpfwerk schaltet sich bei einem Landgrabenpegel von 1,80 Meter ein. „Das würde ich bis auf Ausnahmen auch nicht ändern wollen.“

Solides Hochwasserrmanagement

Bürgermeister Torsten Reinharz (parteilos) gab Informationen zum sogenannten Hochwasser-Audit, dem sich die Einheitsgemeinde unterzog. Darin werden Abläufe festgeschrieben und geordnet, wie sich die Kommune im Falle von großen Hochwasser-Ereignissen zu verhalten hat. Laut Reinharz bestätigen die Audit-Fachleute der Einheitsgemeinde ein bisher solides Hochwassermanagement.

Martin Kukler von der Wasserwehr Barby bat die Stadt um Höhenangaben der sanierten Barbyer Stadtmauer. Nach seinen Feststellungen würde „es enge werden“, wenn das Hochwasser den bisherigen Maximalpegel von 2013 überschreiten sollte (Pegel Barby 7,62 Meter). Dazu zeigte er ein Foto vom „Stummeldamm“ am Schloßpark, wo der Nullpunkt-Stein (00) des Deiches in Richtung Elbbrücke/Glinde steht. Diese Höhe liege dort - ebenso wie die Marienkirche als höchster Punkt - bei 54 Meter über NN (Meeresspiegel). Laut Ronald Günther sei der „Freibord“, also der Abstand zwischen dem Wasserspiegel und der höher liegenden Kante der Stadtmauer, ausreichend. Bürgermeister Reinharz sicherte Kukler die Daten zur Stadtmauerhöhe zu.

Die Wasserwehr der Stadt Barby verteilt sich auf Ortsgruppen in Pömmelte, Glinde, Groß Rosenburg, Tornitz/Werkleitz und Barby. Über 79 Kameraden wirken hier aktuell mit. Detlev Lorbeer bedauerte, das Lödderitz keine Gruppe mehr hat. „Da müssen wir dran arbeiten“, so der Stadtwasserwehrleiter. Wie sich in der Vergangenheit zeigte, war das Biosphärendorf von den Hochwassern der Jahre 2002 und 2013 besonders betroffen gewesen. Die Mitglieder der Wasserwehr sind nicht selten ehemalige Feuerwehrleute, aber auch Bürger. Sie bilden organisatorisch eine selbständige Einheit, die der jeweiligen Kommune untersteht. Die Kameraden koordinieren im Hochwasserfall Einsätze an Deichen, Sielen und anderen Schutzanlagen. Ihre Fachkenntnis erwerben sie bei Schulungen und Übungen.

Mehr junge Leute gewinnen

Die erste Wasserwehr in der damaligen Verwaltungsgemeinschaft wurde bereits im November 2002 in Barby gegründet. Wasserwehrleiter Detlev Lorbeer erinnerte sich daran, wie die Gründung damals vor sich ging. „Anlass war das Jahrhunderthochwasser 2002 und die Fehler, die beim Verlegen von Sandsäcken gemacht wurden.“ Weil einfach nicht genug Fachleute zur Verfügung standen, die in jenen dramatischen Augusttagen Anleitung gaben, zog man wenige Wochen danach die Konsequenz daraus im Barbyer Rathaus, der im November 2002 die erste Gründung folgte. Doch wie überall drückt heute die Wasserwehr der relativ hohe Altersdurchschnitt. Lorbeer: „Wir müssen junge Leute gewinnen. Tut was, macht Werbung, wo ihr nur könnt!“