Nesenitz l Nicht leicht zu finden ist der Hof von Reiner Tietge bei Nesenitz. Doch wer am Sonnabend den Weg dorthin suchte, der kannte sich ohnehin aus. Denn die Mitglieder des Rassekaninchenzuchtvereins Klötze und Umgebung sind eine eingeschworene Truppe. Vorsitzender Reiner Tietge war an diesem Tag Gastgeber einer sogenannten Tischbewertung. „Dabei werden die Kaninchen aller Vereinsmitglieder von einer Jury auf dem Tisch bewertet“, erläuterte der Vereinschef.

Einmal im Jahr müssen sich die Langohren dieser Prüfung stellen. Die Züchter ernten so die Früchte ihrer Arbeit mit den Tieren und erfahren, was die Langohren wert sind und für welche Ausstellungen sie angemeldet werden können. Deshalb wird die Tischbewertung immer kurz vor Beginn der Schausaison anberaumt.

Beispielsweise möchten die Klötzer ihre Kaninchen demnächst bei der Havellandschau in Kamern präsentieren, bei der Altmarkschau in Fleetmark und Mitte November bei der Kreisverbandsschau in Jerchel. Wer erfolgreich ist, zeigt seine Tiere im Dezember bei der Schau des Landesverbandes in Magdeburg und der Bundesschau in Kassel.

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„Wir wollen bei allen Schauen dabei sein“, schickte Reiner Tietge voraus. Denn der Klötzer Verein gilt allgemein als sehr erfolgreich. Aus dessen Reihen gingen schon Landesmeister hervor, Deutsche Meister, Bundessieger und, wie im Fall von Reiner Tietge, Europameister. Für seine Mecklenburger Schecken im Farbeinschlag rot-weiß erhielt er sogar den höheren Titel des Europachampions.

Die Preisrichter Karl-Heinz Herrmann aus Salzwedel und Detlef Krause aus Schernikau achteten bei der Bewertung am Sonnabend auf das Gewicht der Tiere. In die Bewertung flossen zudem Körperbau, Form und Typ mit ein, Qualität des Fells sowie rassespezifische Merkmale wie Kopf, Farbe und Zeichnung. Für alles gibt es maximal 100 Punkte und ein Prädikat: ab 97 Punkten „vorzüglich“, ab 94 Punkten „sehr gut“.

Seltene Rasse ist vom Aussterben bedroht

In dem Klötzer Zuchtverein werden Kaninchen der Rasse Widder gehalten. „Deutsche Widder, Meißner Widder und Deutsche Kleinwidder“, nannte Reiner Tietge Beispiele und erklärte: „Die Meißner Widder sind vom Aussterben bedroht und ganz selten.“ Sie würden deshalb eine Zucht zum Erhalt der Rasse betreiben und sind damit die einzigen in Sachsen-Anhalt beim Farbschlag „Havanna“.

Weil sich der Haldenslebener Kaninchenzuchtverein aufgelöst hat, waren auch Evelin und Michael Bethge aus Gutenswegen mit ihren gelben Widdern angereist. Sie werden demnächst Mitglieder im Klötzer Verein. Achim Miehe aus Weferlingen brachte seine Hasenkaninchen mit zur Jury.