Klötze l 2016 will der Staat eine Novelle verabschieden, die Kulturgüter „von öffentlichem Interesse“ unter besonderen Schutz stellt. Möchte etwa ein Kunsthändler künftig ein Gemälde ins Ausland verkaufen, dann muss er zunächst prüfen, ob dieses Bild auf speziellen Listen, die national wertvolle Werke ausweisen, verzeichnet ist. So viel zum Export.

Doch mit Blick auf einen aktuellen Hintergrund soll auch der Import von Kulturgütern strenger kontrolliert werden, um Raubgrabungen und Antikenhandel zu unterbinden. Angenommen, der Islamische Staat bestiehlt ein Museum, dann soll es bloß kein Deutscher sein, der die widerrechtlich erlangte Ware erwirbt.

Von dem neuen Kulturgutschutzgesetz könnten neben professionellen Kunsthändlern und Messe-Veranstaltern sowie Wissenschaftlern jedoch auch Privatleute betroffen sein, die aus reinem Spaß Briefmarken, Münzen, Fossilien oder Mineralien sammeln.

Rüdiger Fricke, Hobby-Paläontologe aus Jahrstedt, und viele seiner Freunde sind aufgeschreckt. Sie meinen, dass es bereits ausreichende Richtlinien gebe, um einer etwaigen Hehlerei, die in Amateurkreisen ohnehin nicht vorkomme, entgegenzuwirken. Ihre Furcht: Durch das neue Gesetz werde der Privatmensch von den Wissenschaften ferngehalten. Die Neugier könne in Zukunft nur noch durch das Internet und das Fernsehen, aber nicht mehr aus eigener Anschauung befriedigt werden. Damit, so der Vorwurf, werde auch der Jugend eine sinnvolle Beschäftigung genommen.

Petition kann unterschrieben werden

Nach Auffassung von Fricke sei das beabsichtigte Gesetz „eine Katastrophe“ für jeden Numismatiker, Philatelisten oder anderen Sammler. Zumal, wie der Jahrstedter meint, „jeder angeben muss, was er besitzt. Ansonsten wird das alles gleich beschlagnahmt.“ Fricke, der die Freiheit jeden Sammlers beschnitten sieht, poltert: „Was da jetzt läuft, hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Das grenzt an Diktatur.“

Er hat aber noch die Hoffnung, dass das neue Kulturgutschutzgesetz nicht zustandekommt, weil sich dagegen eine „Wahnsinns-Front“ aufbaue. Im Internet, unter www.steinkern.de – einer Plattform für Sammler – kann eine Petition unterschrieben werden. „Es gibt schon fast 28 000 Unterstützer“, freut sich Fricke.