Klötze l Die Kommandos sitzen: „Den Po nach oben. Und jetzt langsam absetzen, nicht plumpsen lassen. Der Po ist ganz fest.“ Bestimmt, aber dennoch freundlich ruft Angelika Heise die Anweisungen durch die Klötzer Zinnberghalle. Sie ist Vorturnerin bei der Klötzer Frauensportgruppe „Bauch, Beine, Po“. Auf ihr Kommando hören an diesem Dienstagabend 17 Frauen. Und sie tun es gerne: Für ihr Engagement haben die Mitglieder der Gruppe Angelika Heise für den Blumenstrauß des Monats im Dezember vorgeschlagen. Überreicht bekam die Klötzerin diesen während der Sportstunde am Dienstag.

Seit 20 Jahren Mitglied in der Gruppe

„Von der Gruppe habe ich den Spitznamen ‚Drill Sergeant‘ bekommen“, gesteht Angelika Heise mit einem Lächeln. So werden eigentlich die Ausbilder in der US-Armee genannt, die junge Rekruten während der Grundausbildung in Form bringen. Der Spitzname steht sogar auf der Rückseite ihres T-Shirts, das sie während der Übungsstunden trägt. „Das war eine Überraschung von den Mädels“, sagt Angelika Heise. Ernst gemeint sei das alles aber nicht. Denn eigentlich ist sie sehr lieb, versichert die 42-jährige Klötzerin.

Seit mittlerweile neun Jahren leitet sie die Frauensportgruppe, die bereits seit 1988 besteht. Mitglied ist Angelika Heise schon seit 1995. Ihr fehlte damals einfach die sportliche Betätigung, wie sie sie noch aus der Schule kannte, erklärt sie. Also sei sie der Gruppe beigetreten. Den Posten der Vorturnerin habe sie mehr aus der Not heraus übernommen, wie sie sagt. Denn als die damalige langjährige Leiterin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen konnte, war Ersatz schwer zu finden. „Es wollte keiner machen. Also habe ich es übernommen“, blickt Heise zurück.

Seitdem denkt sie sich die Übungen aus, die die Frauen bei der Stunde, die dienstags in der Zinnberghalle stattfindet, nachmachen. „Ich schaue im Internet und auf CDs, um Ideen zu bekommen“, erklärt die Vorturnerin. Dabei achtet sie darauf, welche Übungen besonders gut für den Bauch, die Beine und den Po sind. Anschließend sucht sie noch die passende Musik für die Bewegungen aus. Gelernt hat die Zahnarzthelferin das nicht, wie sie sagt: „Ich bin Laie. Das sind aber alles Übungen, die man auch ohne Qualifikation machen kann.“ Dabei muss sie das Alter der Frauen im Blick behalten: Das liegt zwischen 30 und 60 Jahren. „Übungen im Knien gibt es nicht mehr.“

Treffen auch außerhalb der Sporthalle

Hochleistungssport soll sowieso nicht betrieben werden. Schließlich soll das Sportangebot den Frauen – 35 Mitglieder zählt die Gruppe insgesamt, zu der Übungsstunde kommen meist um die 20 – auch eine Möglichkeit geben, herauszukommen und Spaß zu haben. Und so stehen auch Aktivitäten außerhalb der Sporthalle auf dem Programm. Im Januar etwa ist ein gemeinsames Essen geplant. „Wir wollen ja auch mal gemütlich sein und uns persönlich besser kennenlernen“, sagt Angelika Heise. Schöne Abschlussfahrten mit dem Kremser hätte es ebenfalls schon gegeben.

Denn die Stunden finden nicht das ganze Jahr hindurch statt. Von Ende Mai bis Anfang September ist Pause. „Dann haben die Kinder Ferien, viele sind im Urlaub und ich brauche die Zeit, um ein neues Programm auszuarbeiten“, erklärt Angelika Heise. Für jede Saison gibt es ein Programm, das jede Woche wiederholt wird. „Wenn man das nur einmal in der Woche macht, merkt sich das aber keiner.“ Sie selbst übt den ganzen Sommer lang, um sich alles zu merken. Auf die Frage, wie lange sie noch Vorturnerin sein möchte, antwortet sie: „Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir später Sitzgymnastik machen. So lange wollen wir es zusammen aushalten.“

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