Klötze l Sonntag, 13. Dezember 2015. Bahnhof Klötze. Es ist 10.16 Uhr. Dutzende Menschen stehen auf dem Bahnsteig. Fotoapparate und Videokameras werden einsatzbereit gemacht. Alle schauen in eine Richtung. Spannung und Vorfreude sind zu spüren. Aus der Ferne macht es „Tut“. Wenig später sind Scheinwerfer zu sehen. Und um 18.23 Uhr ist es soweit. Der Sonderzug nach Salzwedel läuft ein. Zu den Fahrgästen wollen auch Sven Klopotowski und sein Sohn Tino Schmidt aus Klötze gehören. „Das ist ein Ereignis, das wir nicht verpassen wollen“, sagt der Vater und erinnert sich daran, wie er zu seiner Lehrzeit von Klötze aus mit dem Zug nach Magdeburg pendelte.

Lange ist es her. Die Bahnstrecke zwischen Oebisfelde und Salzwedel wurde von 1889 bis 2002 im Personen- und Güterverkehr befahren. Dann war Schluss. Mit einer Ausnahme. So gab es am 7. Dezember vergangenen Jahres für einen Tag ebenfalls Sonderfahrten zwischen Klötze und Salzwedel.

An diese guten alten Zeiten möchte Gerhard J. Curth, der ebenfalls in Klötze am Bahnsteig steht, gerne wieder anknüpfen. Curth ist Geschäftsführer der Deutschen Regional Eisenbahn (DRE) GmbH. Die DRE ist wiederum Pächterin der Bahnstrecken zwischen Oebisfelde und Salzwedel sowie zwischen Salzwedel und Geestgottberg. Seine Pläne, die er im Gespräch mit der Volksstimme nochmal bekräftigt, sehen vor, dass auf diesen Abschnitten wochentags Güterzüge und am Wochenende auch Personenzüge rollen. Mit potentiellen Kunden für den Güterverkehr liefen Verhandlungen. „Da sind wir dran, aber spruchreif ist noch nichts.“ Und dass es zwischen Buchhorst und Wassensdorf an einer Eisenbahnbrücke über den Mittellandkanal mangelt, erkennt Curth zwar als Problem an, aber: „Dazu gab es Gespräche mit Volkswagen als Geldgeber“, die wegen des Abgas-Skandals allerdings ins Stocken geraten seien.

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Doch zurück zum Geschehen auf dem Klötzer Bahnhof. Der Andrang ist groß. Einige Menschen werden bei dieser ersten Fahrt des Tages (um 13, 16.30 und 19 Uhr folgen weitere) stehen müssen. Der Waggon hat nur 71 Sitzplätze. Aber immerhin eine Toilette. Damit haben einige Leute wohl nicht gerechnet – und zuvor sicherheitshalber das WC der nahen Tankstelle aufgesucht.

Die Entfernung zum Altstädter Bahnhof in Salzwedel ist kurz: 28,5 Kilometer. Die Hin- und Rückfahrt kostet zwölf Euro, ermäßigt acht Euro. Fahrkarten gibt es im Zug, erzählt Curth.

Dass die Sonderfahrt ausgerechnet gestern stattfindet, liegt seinen Angaben zufolge daran, dass der Deutsche Bahnkundenverband (DBV) – Regionalverband Altmark-Wendland e.V. – unbedingt einen der Weihnachtsmärkte in der Region bedienen wollte, aber vorher keinen Zug bekam. Nun kann man, falls gewollt, immerhin noch den letzten Tag des Weihnachtsmarktes in Salzwedel besuchen.

Die Lok, die eingesetzt wird, verkehrt normalerweise zwischen Rathenow und Cottbus, wie Curth berichtet.

Derweil sind alle Fahrgäste eingestiegen. Um 10.34 Uhr fährt der Zug ab. Etwas verspätet, weil die Strecke nach dem Sturm in der Nacht erst noch beräumt werden musste, wie Curth informiert. Es werde auf Sicht gefahren.

Miranda Smit, die das Klötzer Bahnhofsgebäude bewohnt, winkt hinterher. „Schön, dass hier mal wieder was los ist ist“, sagt sie.