Nesenitz l Claudia und Reiner Tietge aus Nesenitz sind Kaninchenzüchter mit Leib und Seele. Und äußerst erfolgreich noch dazu. So kehrten sie von der 32. Bundeskaninchenschau, die am 19. und 20. Dezember in Kassel stattfand, mit mehreren Titeln zurück. So wurde Claudia Tietge mit ihrem Meissner Widder havannasilber ebenso Deutscher Meister wie ihr Mann mit seinem Meissner Widder blausilber. Außerdem gab es vom ZDRK, der Dachorganisation der Rasse-Kaninchenzüchter in Deutschland, diverse (Ehren-) Medaillen für Tiere des Ehepaares.

„Kaninchenfleisch schmeckt unheimlich

„Deutscher Meister, das ist schon was Besonderes“, freut sich Claudia Tietge. „Und zwei Deutsche Meister aus einem Haus – das gibt es ja auch nicht so oft.“

Wie die Nesenitzerin erzählt, betreibt ihr Gatte dieses Hobby schon seit mehr als 30 Jahren. Sie selbst wurde mit dieser Leidenschaft vor sieben Jahren „infiziert“. Obgleich sie sich noch daran erinnern kann, wie sie schon als Kind einen „Neuseeländer“ hatte. „Er hieß Herbert und ging mit mir an der Leine in der Nachbarschaft spazieren.“

Die Kaninchenzucht bereitet den Tietges auch deshalb so viel Spaß, „weil man viele Freunde gewinnt. Das ist auf den Ausstellungen immer ein großes Hallo, wenn man sich wiedersieht. Dann trinkt man Kaffee und fachsimpelt“, berichtet Claudia Tietge, die mit ihrem Mann derzeit etwa 100 Kaninchen hat. Es waren in diesem Jahr mit den Aufzuchten aber schon rund 250. Die meisten wurden verkauft, einige auch verspeist. „Nein, da haben wir keine Gewissensbisse“, sagt Claudia Tietge. Ich habe ganz viele Rezepte. Das Fleisch schmeckt unheimlich gut. Wir hatten schon Bulette à la Tristan, das war mein erster Rammler.“

Außerdem erklärt sie, dass es zwischen „normalen“ Haus- und Rassekaninchen keinen wirklichen Unterschied gibt. Außer vielleicht in Bezug auf die Haltung. „Da gibt es spezielle Richtlinien, die auch kontrolliert werden. Unsere Großen Widder haben Buchten mit einer Größe von einem Quadratmeter. Die haben wir uns extra anfertigen lassen. Die Tiere müssen sich wohlfühlen, sonst vermehren sie sich nicht.“ Besonderer Wert wird bei Rassekaninchen auch auf das Futter gelegt. Unter anderem, damit das Fell schön glänzt. „Im Monat brauchen wir 30 Sack Futter. Billig ist das Ganze nicht“, betont Claudia Tietge, die wie ihr Mann bereits Kreis- und Landesmeister war. Reiner Tietge erreichte zudem schon mal den Titel des Europameisters. Allmählich, so scherzt Claudia Tietge, wird wegen der vielen Trophäen der Platz im Haus knapp. „Ich habe schon vier Kartons auf den Dachboden gebracht.“

Erst kommen die Tiere, dann der Mensch

Als Züchter von Rassekaninchen, so weiß Claudia Tietge, kommt man viel herum, sofern man an Schauen teilnimmt. In diesem Jahr waren Tietges nicht nur in Kassel, sondern beispielsweise auch in Magdeburg, Kläden und Jerchel. Und in drei Jahren geht die Europameisterschaft in Dänemark über die Bühne. Natürlich sind Tietges dann dabei. „Wir werden uns eine Ferienwohnung mieten und auch gleich ein bisschen Urlaub machen“, kündigt Claudia Tietge an.

Selbstverständlich gehören sie und ihr Gemahl dem Kaninchenzuchtverein G 152 Klötze an. Reiner Tietge ist Erster Vorsitzender und Zuchtbuchführer. „Der Verein hat zurzeit sieben aktive und etwa die gleiche Zahl passiver Mitglieder“, erläutert Claudia Tietge. Neue Gesichter sind in der Runde herzlich willkommen. „Wir stehen dann gerne mit Rat und Tat zur Seite“, betont Tietge, die abschließend deutlich macht, dass ihr die Zucht von Rassekaninchen auch sehr dabei hilft, mit ihrer Krebserkrankung umzugehen. Denn: „Man kommt raus und hat eine Aufgabe.“ Schließlich gilt es, sich um die Langohren zu kümmern. „Von meinem Vater habe ich gelernt, dass die Tiere an erster Stelle stehen und zu versorgen sind und dann erst der Mensch.“