Oebisfelde l Stadtrat Manfred Wesche (CDU) ist bekannt für klar formulierte und nicht selten unbequeme Worte, wenn es um die Sache geht. Bei der derzeit brisanten Finanzsituation der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen hat er des Öfteren in Ausschuss- und Stadtratssitzungen mit kühlem Kopf und scharfer Kritik gefordert, dass an einem Strang zu ziehen besser ist als gute Ansätze zu zerreden.

Wesche ist auch ein Befürworter des in der Planung befindlichen Wirtschaftsbeirates. Er ist so gut wie der einzige Vertreter des Stadtrates, der am Unternehmerfrühstück teilnimmt. Und er fordert vehement das Beibehalten des Wirtschaftsförderers in Lohn und Brot der Stadtverwaltung. Die Volksstimme sprach mit dem Rätzlinger über seine Gründe.

Für den ehemaligen Landwirt und kommunalpolitisch aktiven Wesche steht fest, dass die Einheitsgemeinde eine starke Chance besitzt, wieder auf gesunde finanzielle Standbeine zu kommen. „Wir benötigen Multiplikatoren. Eindeutige Ansprechpartner für die Wirtschaft. Gesichter mit Wiedererkennungswert und den Wert der Zuverlässigkeit“, fordert Wesche.

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„Wenn wir in den politisch verantwortlichen Gremien den Schulterschluss mit der Verwaltung, sprich dem Wirtschaftsförderer, eingehen, dann wirkt das auf Investoren wie eine Unterschrift unter einem Vertrag. Unternehmen, die expandieren, sich ansiedeln möchten, reagieren höchst sensibel auf unstabile kommunalpolitische Verhältnisse. Wir als Region müssen gemeinsam strategisch denken“, fordert der Experte.

Aus seiner Sicht seien der zu schaffende Wirtschaftsbeirat, der Wirtschaftsförderer und der Stadtrat die Instrumentarien, um die Stadt Oebisfelde-Weferlingen „nach vorn zu bringen“. Dabei spielt es eben eine große Rolle, dass der Wirtschaftsförderer den Part eines Mittlers zwischen Wirtschaft und Politik einnimmt. „Es darf nach meiner Auffassung nicht am falschen Ende gespart werden. Erst recht ist eine Personaldebatte in dieser Sache fehl am Platze. Es geht allein darum, mit dem erzielten Ergebnis der Haushaltskonsolidierung neue Einnahmequellen zu erreichen“, bemängelt Wesche den Zeitverlust durch politisches Zerreden.

Dass aktuell die Chance besteht, Investoren für eine Ansiedelung in der Einheitsgemeinde zu gewinnen, die sieht auch Wirtschaftsförderer Peter Schorlemmer. Die Volksstimme sprach am gestrigen Donnerstag mit ihm. Insbesondere Unternehmen aus dem Raum Wolfsburg fragen regelmäßig an, ob Flächen zu erhalten sind. „Die Stadt Wolfsburg möchte in der aktuell durch die VW-Krise für sie schwierigen Situation liebend gern solche Möglichkeiten aufzeigen, kann dies aber aufgrund mangelnder gewerblicher Flächen nicht“, weiß Schorlemmer. Die Stadt Oebisfelde-Weferlingen verfügt derzeit noch über drei Hek- tar Industrieland, will aber im nördlichen Teil der Stadt und südlich der Umgehungsstraße B 188n neue Areale ausweisen, so Schorlemmer.

Unabhängig von seiner Person sieht auch er das Dreieck Wirtschaftsbeirat, Wirtschaftsförderer und Stadtrat für den Garanten von Wirtschaftswachstum. „Diese Vernetzung garantiert ein funktionierendes Netzwerk, das bei Unternehmen als Partner für ihren Kapitaleinsatz gilt“, weiß Schorlemmer aus Erfahrung.

Dass der Posten eines Wirtschaftsförderers mehr ist als ein Schreibtischjob, das belegt er mit einer langen Liste von Laufwegen im Vorfeld von gewerblichen Ansiedlungen, die dann erst vom Stadtrat beschlossen werden.

 

Ob in Weferlingen der Hallenneubau der Lappwaldbahn oder der Bau des Edeka-Getränkemarktes oder der Hallenneubau bei SLM-Kunststofftechnik oder der neue Penny-Markt in Oebisfelde oder die Ansiedlung der Neinstedter Stiftung in Etingen, überall führten die ersten Kontakte über die Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung. „Im Sinne der Stadt dem Investor Zeit und Geld ersparen“, das ist aktuell umso mehr die Herausforderung, die aus der kommunalen finanziellen Schräglage wieder herausführen könne, meint Schorlemmer.