Beetzendorf l Auf den ersten Blick sieht es wieder ganz normal aus auf der einstigen Beetzendorfer Umleitungsstrecke, über die noch vor einigen Monaten dichter Verkehr rollte. Die Schlaglöcher sind verfüllt und Erde wurde in den Seitenbereichen aufgebracht. Doch haben die alten Linden die enorme Belastung im Wurzelbereich durch an der Ampel wartende Autos und ausweichenden Gegenverkehr auch unbeschadet überstanden? Daran gibt es Zweifel. Beetzendorfs Bauausschuss-Vorsitzender Jürgen Friedrichs machte im Hauptausschuss auf Aussagen des Vereins der Heimatfreunde aufmerksam, nach denen die Linden bleibende Schäden davongetragen hätten und eine Wurzeluntersuchung unumgänglich sei. „Was ist da dran?“, wollte der Tangelner wissen.

Bürgermeister Lothar Köppe konnte die Behauptungen nicht bestätigen. Eventuelle Schädigungen könnten höchstens durch ein kostspieliges Gutachten festgestellt werden, das die Gemeinde in Auftrag geben müsste. „Nur was machen wir dann mit dem Ergebnis des Gutachtens?“, meinte der Ortschef. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Linden geschädigt wurden, hätte man viel Geld ausgegeben und wäre trotzdem genauso schlau wie zuvor. Zumal auch die Baufirma, die für die Umleitung zuständig war, inzwischen weitergezogen ist.

Behauptung ins Blaue

Auch CDU-Fraktionschef Dietmar Sommer sprach sich gegen die Erstellung eines Gutachtens aus. „Das wäre nicht zielführend und wir retten dadurch die Bäume auch nicht“, meinte er. Zudem seien die Behauptungen des Heimatvereins „ins Blaue hinein“ erfolgt. Ratsfrau Christel Rosenbaum hält die Schadensvermutung dagegen für durchaus plausibel. Auch der Beetzendorfer Naturexperte Folker Rattey habe immer gewarnt, die Linden könnten solch eine Belastung gar nicht schadfrei überstehen. „Vielleicht sollte man mal mit ihm sprechen“, schlug sie vor.

Der Käcklitzer Dirk Frenzel regte an, sich im Rahmen der nächsten Bauausschusssitzung die Situation vor Ort anzusehen. „Bei der Begehung könnten wir festlegen, was getan werden muss und ob ein Gutachten notwendig ist“, meinte er. Sein Fraktionskollege Jürgen Benecke mahnte ebenfalls dazu, die Situation ernst zu nehmen. Man könne beispielsweise durch eine laufende Fotodokumentation zeigen, wie sich der Zustand der Linden über die Zeit verändert.

Kein Geld für Gutachten

„Wenn wir mit einem Gutachten die Bäume retten würden, wäre ich dafür. Aber dem ist nicht so. Wenn sie in drei Jahren absterben, brauchen wir jetzt dafür kein Geld ausgeben. Wir erfahren in dem Gutachten möglicherweise etwas, was später ohnehin rauskommen würde“, erklärte Grüne Liste/SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Stützel. Deshalb halte auch sie die Erstellung eines Gutachtens nicht für erforderlich.

Der Verein der Heimatfreunde hatte bereits kurz nach Einrichtung der Umleitungsstrecke im September 2019 auf die Gefahr für die Linden aufmerksam gemacht und zumindest eine Versetzung der Ampel vor die Baumreihe gefordert. Das wurde vom Altmarkkreis damals aus technischen Gründen abgelehnt. „Der Kreis hat uns auch versichert, dass eine Schädigung der Linden bei dem vorhandenen Feuchtigkeitsstand nicht zu erwarten ist“, erinnerte Lothar Köppe.

Für Jürgen Friedrichs, der als Revierförster über genügend Fachwissen verfügt, ist es dagegen so gut wie sicher, dass die Bäume im Wurzelbereich durch die Last der Fahrzeuge geschädigt wurden. „Davon gehe ich aus“, meinte er. Linden seien aber robuste Bäume und hätten auf der anderen Seite Platz, um sich wieder zu erholen. Viel mehr mache ihm die entstandene massive Bodenverdichtung im Wurzelbereich Sorgen. Diese sei nicht beseitigt, sondern nur mit Erde bedeckt worden. „Man hätte stattdessen alles aufreißen und dann auffüllen müssen“, erklärte Friedrichs.