Klötze l Eine Ära ist in der Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek am Mittwoch zu Ende gegangen. Nach mehr als drei Jahrzehnten hat sich dort Iris Wienecke, die zuletzt auch langjährige Leiterin der Bibliothek war, in den Ruhestand verabschiedet. Im Obergeschoss des Gebäudes in der Breiten Straße 12 hatte sie zu einem kleinen Umtrunk samt Büfett mit Schnittchen, Suppe und Kuchen eingeladen. Kolleginnen aus Salzwedel, Gardelegen, Beetzendorf, Kunrau und Apenburg waren gekommen, ebenso Vertreter der Stadt Klötze, um ihr alles Gute für den neuen Lebensabschnitt zu wünschen.

Durch den Weggang von Iris Wienecke entsteht eine personelle Lücke. Als kommissarische Leiterin der Einrichtung wurde Ilka Prager für unbestimmte Zeit eingesetzt, sagte Klötzes Bürgermeister Uwe Bartels auf Nachfrage der Volksstimme bei dem Abschiedsfest. Sie betreut die Kinder- und Jugendbibliothek im Haus. Die Leitungsstelle werde ausgeschrieben. Auf die Frage, warum eine solche Ausschreibung noch nicht erfolgt sei, wollte sich Uwe Bartels nicht öffentlich äußern.

Lange Jahre ein Team

Iris Wienecke und Ilka Prager waren über lange Jahre das Team in der Klötzer Bibliothek, wie die scheidende Leiterin in ihrer Rede zurückblickte. Im Jahr 1986 hätten beide dort angefangen und seien nun schon „fast wie ein Ehepaar“, scherzte Iris Wienecke. Zuvor hatte sie bereits in Staßfurt gearbeitet. Ihre Laufbahn als Bibliothekarin begann vor genau 42 Jahren, rechnete sie vor.

Als Iris Wienecke in die Purnitzstadt kam, habe sie ein „gemachtes Nest“ vorgefunden, die Bibliothek sei fertig gewesen. Denn zuvor seien die verschiedenen Bereiche auf unterschiedliche Standorte in der Stadt verteilt gewesen. Wie das war, habe sie noch als Praktikantin erlebt.

Mitarbeiterzahl schrumpfte

Zählte der Mitarbeiter-Stamm der Klötzer Bibliothek vor dem Ausscheiden der Leiterin noch zwei Angestellte, waren es in ihren ersten Jahren in Klötze noch deutlich mehr. Neun Fachleute hätten sich um die Bücher und Nutzer gekümmert. Nur wenige Jahre später, 1993, seien es nur noch zwei Fachkräfte und zwei Facharbeiter gewesen, die später ebenfalls hätten gehen müssen.

An den Anfang des Jahres 1993 konnte sich Iris Wienecke noch gut erinnern, denn da sei sie „ins kalte Wasser gestoßen worden“ und habe die Leitung der Bibliothek übernommen. „Es war eine schwierige Zeit. Die Bibliotheken standen auf der Kippe.“ Die Städte und Gemeinden hätten die Büchereien als freiwillige Aufgabe betrachtet. Auch heute habe sie das noch gehört. Aber was wäre eine Stadt ohne diese freiwilligen Aufgaben?, fragte sie. Die Bibliothek habe einen großen Wert für das Leben in Klötze, habe sie doch an vier Tagen in 52 Wochen des Jahres geöffnet. Mit der Onleihe und den neuen Medien seien es heute sogar 365 Tage im Jahr.

Tränen zum Abschied

Und auch die Zukunft der Klötzer Bibliothek hat die Leiterin angesprochen. „Ich wünsche mir, dass es weitergeht und hoffe, dass es nicht den Bach runtergeht“, fand sie deutliche Worte. Die aktuelle Situation mit der ungeklärten Nachfolge erwecke bei ihr einen solchen Anschein. Gewünscht hätte sie sich, dass wie in Salzwedel und Gardelegen, eine junge und motivierte Kollegin, die gut mit Kindern arbeiten kann, das Steuer übernimmt. Es wäre schön, wenn man sich jemanden „nacherziehen“ könnte, der die Einrichtung in das nächste Jahrzehnt führen kann, sagte sie. Sie selbst würde nämlich weiter gern nach Klötze fahren.

Nicht ohne Tränen verabschiedete sich Ilka Prager von ihrer Kollegin, für die sie 32 Rosen für 32 Jahre mitgebracht hatte. Gemeinsam habe man die Bibliothek durch die Wende und schwere Zeiten geführt, in Iris Wienecke habe sie eine Mentorin gefunden, „die versucht hat, mich weiterzubringen“, sagte Prager. Die „Arbeits-Ehe“ sei durch Freundschaft geprägt und Streitigkeiten seien immer positiv gewesen. „Ich gönne dir den Ruhestand“, sagte Ilka Prager. Damit die ehemalige Kollegin auch weiterhin kommt, schenkte Prager ihr die Gebühr für zwei Jahre.