Volksstimme: Das zweite Jahr für Sie im Amt als Oberhaupt der Einheitsgemeinde Klötze ist fast vorbei. War es ein gutes Jahr für Klötze?

Uwe Bartels: Ich denke schon, dass es ein gutes Jahr war. Es verlief rasend schnell. Viele Aufgaben tauchten auf, die mich beschäftigten. Ein Schwerpunkt war die weitere Arbeit an der Eröffnungsbilanz für die doppelte Haushaltsführung Doppik. Dafür haben wir im Rathaus mehr Kräfte gebündelt. Das hat uns ein gutes Stück vorangebracht.

Sollte die Eröffnungsbilanz nicht schon längst fertig sein?

Ja, aber es gab Verzögerungen, beispielsweise durch den Bau neuer Brücken und anderes. Wir sind bei den letzten 15 Prozent. Die Infrastruktur hat großen Anteil an der Bilanz. Die Bewertung der kommunalen Immobilien ist fertig, die Überprüfung erfolgte. Sehr erfolgreich war die Zusammenarbeit mit dem Rechnungsprüfungsamt des Kreises, das uns Mitarbeiter regelmäßig ins Rathaus schickte, um zu helfen. Vorteilhaft war auch die Arbeit einer Praktikantin, sie kannte sich gut aus mit der Materie.

Ein Streitpunkt in diesem Jahr war der Standort für eine neue Kita in Kusey. Sie haben den Platz neben der Sporthalle favorisiert, der Ortschaftsrat den Bereich am alten Sportplatz. Wie schätzen Sie das rückblickend ein?

Gut war, dass wir uns im Stadtrat doch noch überfraktionell einigen konnten. Der Start ging allerdings in die Hose. Missverständnisse und Befindlichkeiten führten dazu. Wir haben uns dann an einen Tisch gesetzt und die Sache ausdiskutiert. Ich habe eingelenkt und das Grundstück am alten Sportplatz akzeptiert. Ich sehe immer erst das Gute im Menschen. Manchmal muss man eben auf die Zähne beißen, bevor man etwas sagt.

Ist der Fall Kusey damit abgeschlossen?

Es ist noch nicht alles in Sack und Tüten, weil Fragen weiter offen sind: Was ist mit der Zukunft des Hortes? Bleibt der in dem extra Gebäude oder zieht er mit in das der Grundschule? Auch dabei gibt es noch Gesprächsbedarf.

Wo sahen Sie noch Probleme? Wobei haperte es?

Zum Beispiel beim Straßenbau in der Ziegelstraße in Klötze. Dort tauchten Probleme auf, die nicht gleich ersichtlich waren. Das verzögerte die Arbeiten. Dort sind neue Schieber in Wasserleitungen eingebaut worden. Dabei stellte sich heraus, dass Leitungen geplatzt waren und lange Risse in den Rohren auftauchten.

Oft wird behauptet, in der Kernstadt Klötze werde mehr als in den Ortsteilen gemacht. Welche Projekte standen 2018 außerdem in den Ortschaften auf der Agenda?

Die Umrüstung der Straßenlampen auf LED. In Quarnebeck ist das komplett erfolgt. In Steimke im Altneuferchauer Weg haben wir den Nebenbereich erneuert, weil der Weg nicht breit genug war. Noch nicht ganz abgeschlossen sind die Arbeiten im Sanitärbereich des Kunrauer Schlosses. In Altferchau haben wir einen neuen Spielplatz gebaut. Die Abnahme ist erfolgt. Wegen der ausstehenden Restarbeiten wird die Eröffnung 2019 sein. In Steimke ist außerdem die Heimatstube fertig geworden. In Schwiesau sind die Wege auf dem Friedhof gebaut und ein Parkplatz daneben angelegt worden. Weitere Urnenstelen gab es neben dem Friedhof in Klötze auch für den in Neuferchau. Nesenitz erhielt Spielgeräte. In Neuferchau wurden Mulden auf dem Osterfeuerplatz angelegt und in Dönitz der Regenabfluss verbessert. Der Giebel am Dorfgemeinschaftshaus Dönitz ist gegen Spritzwasser geschützt worden. Wenn die Wand ausgetrocknet ist, wird gemalert.

Was gab es neben dem Straßenbau noch für Klötze?

Die Grundschule bekam einen neu gestalteten Spielplatz für rund 20 000 Euro.

Was soll 2019 in Angriff genommen werden?

Die Planungen für die Sanierung der Hegefeld-Sporthalle in Klötze. Mehr als eine Million Euro wird das Projekt kosten. An zwei Seiten muss die Fassade isoliert werden. Für den Sanitärbereich und die Umkleidekabinen ist eine grundhafte Sanierung erforderlich. Jetzt sollen Gespräche mit den Vereinen und Schulen, also den Nutzern der Sporthalle, geführt werden. Ich möchte, dass sie vor der Entscheidung mitreden und in die Planungen einbezogen werden. Die Mitsprache der Bürger ist ein Grundprinzip, das müssen wir verstärken.

Wie geht es mit den Feuerwehren in der Einheitsgemeinde weiter? Stichwort neue Funkgeräte.

Je nach Höhe der Fördermittel wollen wir 2019/2020 die Ausrüstung mit neuen Geräten schaffen. Wichtig dafür ist, dass wir uns in der Altmark auf ein System einigen. In Immekath soll für das neue Fahrzeug an die bestehende Einstellbox angebaut werden. Das Geld dafür kommt in den Haushalt für 2019. Außerdem hoffe ich, dass für die Immekather Wehr nächstes Jahr das neue Tanklöschfahrzeug 3000 kommt und für die Klötzer der Rüstwagen. Einige Geräte wie Scheren und Spreizer müssen ausgetauscht werden, weitere Ersatzbeschaffungen sind vorgesehen. Beim Feuerwehr-Nachwuchs müssen die Kinder und Jugendlichen laufend neu ausgestattet werden. Das alles kostet viel Geld, und die Preise steigen ständig. Das verhindert einen Teil der Anschaffungen oder schiebt sie auf.

Wichtig sind für Sie die Kitas und Schulen. Was ist auf diesem Sektor passiert?

Neben dem Spielplatz an der Klötzer Grundschule erfolgten Maler- und Elektroarbeiten in der Kuseyer Grundschule. An der Klötzer Kita Spatzennest ist das neue Spielgelände mit Parkplatz im Juni eröffnet worden. Auch an der kahlen Mauer folgt noch was, die Diskussion ist nicht beendet. Der Bereich soll aber erst mal begrünt werden. In der Kunrauer Kita haben wir neue Räume geschaffen, Garderoben, einen Mitarbeiterraum. Das wird 2019 fortgesetzt, die Pläne sind fertig.

Wie geht es mit anderen Kitas weiter?

Für Schwiesau wird der Ersatzbau der Kita aus Containern weiter vorbereitet. Das Okay des Jugendamtes liegt vor. Jetzt kann der Plan erstellt werden. Die neue Container-Kita entsteht auf dem bisherigen Gelände. Das alte Gebäude wird dann abgerissen. Für die Neubauten in Kusey und Schwiesau müssen so schnell wie möglich Ergebnisse her.

Zuletzt gab es Probleme mit der Schwiesauer Kita. Wegen Schimmelpilzsporen war der Sportraum gesperrt worden. Gibt es dazu Neuigkeiten?

Ein Gutachter, den wir bestellten, hatte vor einigen Tagen in der Schwiesauer Kita leichte aufsteigende Nässe in der Wand festgestellt. Er sagte, das Hauptaugenmerk sollte auf dem richtigen Lüften liegen. Testmessungen erfolgen noch.

Stichwort Tierpark. Dort ist viel geschehen.

Richtig. Den Förderverein um Lothar Schulze, Uwe Witte, Horst Kamieth, Hans-Jürgen Schmidt und andere muss ich hoch loben. Ginge es nur um das Wollen, wären sie schon weiter. Aber alles muss Stück für Stück erfolgen, sonst werden wir nicht mehr Herr der Lage. Gefährliche Bäume wurden entfernt. Der Spielplatz und der Streichelzoo sind in Angriff genommen, die Ausschreibung für den Zaun am Streichelzoo ist raus. Die Stadt stellt weiterhin Gelder zur Verfügung. Sitzgelegenheiten sind eingetroffen, zwei wurden schon aufgestellt, zwei weitere folgen noch. Die Freifläche muss noch gestaltet werden. Immer wieder tauchen neue Ideen auf bei den Mitgliedern des Fördervereins. Die Volieren und das Drumherum sollen verschönert werden. Unklar ist aber noch, wie wir den Rückzugsbereich der Vögel anlegen können.

Mit der Bildung der Einheitsgemeinde Stadt Klötze mussten plötzlich im Stadtrat zwei Lager kooperieren: Die Stadträte aus Klötze, Neuendorf und Schwiesau auf der einen Seite, die Stadträte aus Kunrau und Umgebung auf der anderen. Ist das Zusammenwachsen abgeschlossen?

Ein markanter Punkt war der Kita-Standort für Kusey. Wir haben uns über die Fraktionen hinweg geeinigt. Mein Gefühl sagt mir, das Miteinander wächst. Und es wird wieder mehr auf die Folgen von Entscheidungen für die gesamte Einheitsgemeinde gekuckt, nicht nur auf Klötze oder die anderen Ortsteile. Es wird nicht mehr gesagt: „Das ist eure Sache, da mische ich mich nicht ein.“ Der Zusammenhalt wird mehr zur Normalität.

Was steht noch auf der Liste für 2019?

Der vierte Bauabschnitt im Wohngebiet Wasserfahrt, die neuen Baugrundstücke dort, die Verbindung zur Friedensstraße und die Bushaltestelle. Weiterhin wird es viele Instandhaltungsarbeiten und Werterhaltungen geben.

Was wünscht sich der Bürgermeister von Klötze für das kommende Jahr?

Dass wir mehr über Probleme sprechen, bevor es zum Zerwürfnis kommt. Dass das neue Kinderförderungsgesetz auch zur Bezahlbarkeit der Kinderbetreuung für die Kommunen führt und wir nicht alleine gelassen werden. Eigentlich haben wir zu wenige Erzieherinnen. Kommt es zum Wegfall der Straßenausbaubeiträge, muss vorher geklärt sein, wer die Kosten trägt, zum Beispiel in der Ziegelstraße. Man kann ja viele Dinge anschieben. Aber es muss gesagt werden, wer die Zeche bezahlt. Man kann nicht nur fordern, man muss auch Lösungen liefern.

Was wünscht sich der Bürgermeister privat?

Gesundheit, das ist das Wichtigste. Ich wünsche mir Unterstützung beim Umsetzen der Aufgaben, darauf bin ich angewiesen. Auch Kritik, daraus kann man lernen. Rückhalt in der Familie. Dass der schöne Slogan „Stadt Klötze – lebenswerte Heimat“ weiter umgesetzt wird. Dass die medizinische Versorgung in Klötze aufrechterhalten bleibt. Und dass das Personal im Rathaus, dem ich für 2018 danken möchte, auch 2019 mitzieht.