Klötze l Wenn bei Familie Ewertowski in Klötze die „Königin der Nacht“ ankündigt, dass sie erstrahlen möchte, wird das mit einem kleinen Fest zelebriert. Dann sind Familienmitglieder und Freunde willkommen, das Schauspiel mitzuerleben. Allerdings wird keine Hoheit aus einem Adelshaus empfangen, sondern ist die Aufmerksamkeit auf eine eher unscheinbare und staksige Kakteenpflanze gerichtet. Zusammen beobachten sie, wie die Selenicereus grandiflourus, so der lateinische Name, ihre Blütenpracht entfaltet.

„Eine Blüte blüht nur eine einzige Nacht“, erklärt Hobbygärtner Klaus Ewertowski, der das Naturschauspiel des zirka 20 Jahre alten Kaktus schon mehrmals erlebt hat. Allerdings nicht jedes Jahr. „Vergangenes Jahr hat sie nicht geblüht, aber alle paar Jahre tut sie uns mal den Gefallen“, erklärt er. Klar, dass die Freude jetzt umso größer ist. Dass der Kaktus, den die Deutsche Kakteengesellschaft im Jahr 2009 zum Kaktus des Jahres gewählt hat, blühen will, hatte er die Tage zuvor mit einem buschigen Knospenansatz angekündigt, der angesichts der warmen Sommertage stetig wuchs. Mit Einsetzen der Dämmerung ist es soweit. Die Knospe öffnet sich immer mehr und bringt eine strahlende Blüte hervor, die vom Umfang her fast so groß ist wie der Kopf von Erick, Ewertowskis Enkel. Am Vortag seines achten Geburtstags ist er mit seinen Eltern aus Leipzig zum Großelternbesuch gekommen – und natürlich, um die Königin der Nacht zu sehen, die an diesem Abend alleine für ihn zu blühen scheint.

Und welche Pflege hat die Pflanze erfahren, damit sie der erste Blütengruß für das Geburtstagskind sein konnte? „Keine besondere, sie ist sehr genügsam“, sagt Klaus Ewertowski. Der Kaktus sei anspruchslos und friste eher ein unbeachtetes Dasein auf der Terrasse. Als er vor vier Wochen Knospen angesetzt habe, war die Beachtung jedoch gestiegen. Allerdings steht die Königin der Nacht jetzt noch weiter unter besonderer Beobachtung, ob denn auch die zwei anderen Knospen in einer lauen Sommernacht zu wunderschönen Blüten heranwachsen.