Klötze l „Da wird sich meine Frau aber freuen“, sagt Jürgen Lemke, als ihm die Volksstimme den Blumenstrauß des Monats überreicht. Aber natürlich findet der 76-Jährige auch selbst Gefallen an dem Gebinde. Schließlich hat er darin auf den ersten Blick einige Orchideen entdeckt. Und genau die haben es ihm seit längerer Zeit besonders angetan. Obgleich der Klötzer im Grunde alle Pflanzen mag. „Ich liebe sie“, stellt er fest. Die Leidenschaft dafür bekam er wohl von seiner Mutter in die Wiege gelegt, einer sehr belesenen Frau mit einem Faible für die Natur. Jürgen Lemke kann sich noch gut daran erinnern, dass seine Familie auf dem Döllnitz einst ein Grundstück hatte. Er war damals noch ein kleines Kind und hätte beinahe eine Orchidee gepflückt. „Da hat sie mich darauf hingewiesen, dass man das nicht darf, weil die so selten sind.“ Das war eine deutliche Ansage, die Lemke auf ewig im Gedächtnis bleibt.

Grüner Daumen

Dass er einen grünen Daumen hat, liegt sicher auch daran, dass er früher auf dem Weg von der Schule nach Hause immer an der Gärtnerei Lühmann vorbeikam. Zu jener Zeit muss er so 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein. Der Chef des Betriebes brachte ihm nur nicht alles bei, was man über das Metier wissen muss, sondern ließ ihn auch mitarbeiten. „Ich bekam sogar das Angebot, dort in die Lehre zu gehen. Aber ich wollte lieber was Handwerkliches machen“, erzählt Lemke. Also absolvierte er eine Ausbildung zum Klempner und Installateur. Bereut hat er diese Entscheidung nie. Denn: „Was ich da gelernt habe, kommt mir heute noch zugute.“ Später arbeitete Lemke unter anderem als Hausmeister in den Kreisverwaltungen Klötze und Salzwedel.

Schon immer streifte Lemke, der drei Kinder und drei Enkel hat, durch Wald und Flur. Irgendwann stieß er dabei auf das Gelände der Orchideenwiese. Als er nach der Wende begann, sich näher damit zu beschäftigen, war dort von Orchideen aber kaum noch was zu sehen. Nur wenige Exemplare hatten überlebt. Sie waren aber nicht verschwunden, sondern ruhten im Erdreich. Sie brauchten nur die passenden Bedingungen. Also wurden in einem ersten Schritt die Erlen gefällt. Orchideen mögen nämlich keinen Schatten. Außerdem wurde die knapp zwei Hektar große Fläche gemäht, um das Wachstum zu befördern. Diese Maßnahmen zeigten Wirkung. Wurden Mitte der 1990er Jahre nur knapp 100 Orchideen gezählt, waren es 2005 bereits 800 und in diesem Jahr weit mehr als 6000. Das hat auch damit zu tun, weil Lemke für die Vermehrung sorgt. 2008 sammelte er zum ersten Mal die Dolden ein und schüttelte die Samen über den Boden aus. „Austotteln“ nennt er das.

Auf der Orchideenwiese in Klötze gedeiht nur eine einzige Art: das Breitblättrige Knabenkraut. Es blüht, in der Regel zwischen dem 15. Mai und dem 15. Juni, in vielen unterschiedlichen Farben, meistens hell- oder dunkelblau, aber auch rot, rosa, gescheckt, lila oder weiß. Bis zu 13 verschiedene Kolorierungen, so weiß Lemke, sind möglich. Jedes Jahr eine andere. Warum das so ist, darüber rätselt er noch.

Fest steht, dass das Areal weiter jedes Jahr gemäht werden muss. Ansonsten könnten sich andere Pflanzen ansiedeln, gegen die sich die Orchideen nicht durchsetzen können. Das Mähen, so erklärt Lemke, übernimmt zum einen die Landesforst, die einen Auftrag vergibt, und die ABS Drömling. Aber nicht mit der Maschine, sondern ganz behutsam mit der Sense, damit nichts zerstört wird.

Jürgen Lemke freut sich jedes Jahr auf die Blütezeit, die bei günstigem Wetter auch mal drei Monate andauern kann. „Wenn ich diese Pracht sehe, dann lacht mein Herz.“ Entsprechend ärgerlich ist er, wenn sich Besucher nicht an das Betretungsverbot halten oder gar Orchideen herausreißen.

Schatten ist schädlich

Jürgen Lemke betont, dass die Orchideenwiese keine Selbstverständlichkeit ist. Man muss sich darum kümmern, im Blick behalten. Genau das tut er. Regelmäßig, oft täglich. „Wenn man die Wiese sich selbst überlässt, ist alles vorbei“, macht er deutlich. Und die nächste Bedrohung hat er schon entdeckt: einen Graben, der dringend ausgeschachtet werden muss, damit das Wasser abfließen kann. Denn zu viel Nässe begünstigt das Aufkommen von Binsen. Und wo Binsen sind, sind keine Orchideen.

Ein bisschen Sorgen macht sich Jürgen Lemke durchaus, wenn er an die Zukunft denkt. Schließlich wird er nicht jünger. Von der Stadt Klötze, die sich mit der Orchideenwiese rühmt, wünscht er sich mehr Unterstützung. Und gerne würde er auch einen Nachfolger mit der Welt der Orchideen vertraut machen. Das erfordert Zeit, geht nicht von heute auf morgen. Eine Variante, so überlegt der 76-Jährige, wäre auch, einen Verein zu gründen.

Wer Jürgen Lemke helfen möchte oder eine Idee hat, kann sich unter Telefon 03909/421 45 bei ihm melden.