Quarnebeck l Die Geschichte von Robin Hood, der wie kein Zweiter mit Pfeil und Bogen umgehen konnte, kennt wohl jedes Kind. Und bestimmt war der Held aus der englischen Sagenwelt auch ein Vorbild für die knapp 30 Frauen und Männer, die sich in Quarnebeck zum elften Sommertreffen für Bogenbauer eingefunden haben. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus dem norddeutschen Raum, aber auch aus Trier, Düsseldorf oder Frankfurt am Main. Die Gastgeber des Camps waren Judith und Kai Janzen.

Letzterer konnte sich im Gespräch mit der Volksstimme noch recht gut daran erinnern, wann er zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung gekommen ist. „Das muss 2007 gewesen sein. Unsere Tochter Jaelle wollte das unbedingt mal ausprobieren. Also haben wir ihr einen Bogen gekauft. Der sah recht simpel aus. Und irgendwie habe ich mir gedacht, dass man den auch selber bauen könnte.“ Daraufhin recherchierte der Ingenieur im Internet und stieß auf eine Seite namens Fletchers Corner. Dort gab es nicht nur eine Anleitung zum Bogenbau, sondern auch ein Forum für Gleichgesinnte.

Ähnlich war der Werdegang bei Dirk Marwede aus Bergen bei Celle. „Ich war neun Jahre alt. Da hat mir mein Opa beigebracht, wie man einen Bogen baut“, berichtete der 56-Jährige, der von allen nur „Der Heidjer“ gerufen wird. Danach widmete er sich vor allem dem Bogenschießen, aber mit dem Anfertigen hatte der Fernmeldetechniker lange Zeit nichts mehr am Hut. Es dauerte bis zum Jahr 2000, ehe ihn die Leidenschaft wieder packte. Bei allem Weiteren waren ihm ebenfalls das Internet und Fletchers Corner dienlich. „Ich wollte nicht nur schießen, sondern auch bauen. Back to the roots.“

Holz ist nicht gleich Holz

Zurück zu den Wurzeln. Genau darum ging es auch in Quarnebeck. Dirk Marwede fühlte sich pudelwohl. „Das Schöne ist ja auch, dass wir uns zum Teil schon lange kennen. Man tauscht sich aus, jeder lernt vom anderen.“ Denn das sprichwörtliche Patentrezept, um einen Bogen zu bauen, gebe es nicht, sagte Kai Janzen. „Es gibt so viele Möglichkeiten. Übung macht den Meister.“ Wobei man kein Meister sein müsse, um es zu probieren. „Jeder, der eine Kartoffel schälen und mit einem Messer umgehen kann, ohne sich zu verletzen, der kann auch einen Bogen bauen“, scherzte Marwede. „Man muss sich einfach informieren und anfangen. Der Rest kommt mit der Erfahrung.“

Nach einer Weile wisse man auch, welche Werkzeuge, Arbeitsschritte und Materialien benötigt werden. „Für den Bogen eignen sich Eibe, Ulme, Esche, Robinie und Haselnuss“, erklärte Janzen und empfahl, einfach mal den jeweiligen Förster darauf anzusprechen. Hingegen sei Holz aus dem Baumarkt in der Regel total ungeeignet, weil es den Belastungen nicht standhalten würde. Dann käme es darauf an, was man für einen Bogen bauen möchte. Für ein einfaches Modell ohne Griffstück genüge eigentlich schon ein dicker und ausreichend langer Ast, etwa aus Haselnuss, erläuterten die Experten. Für die Sehne zum Spannen des Pfeils könnte Paketschnur verwendet werden, für den Pfeil wiederum Haselnuss, wobei die Spitze immer abgerundet werden sollte. „Dann gerät man auch nicht in Verdacht, zu wildern“, verriet Marwede. Und die Federn, die den Pfeil stabilisieren? Dirk Marwede schwört auf das Gefieder vom weißen Truthahn. „Schwan oder Gans geht auch“, ergänzte Janzen.

Die beiden Männer machten übrigens deutlich, dass mit einem Bogen nicht zu spaßen sei, auch wenn dieser als Sportgerät gelte und daher nicht unter das Waffengesetz falle. Doch Janzen beruhigte: „Es passiert sehr selten was. Man muss eben aufpassen.“

Gespräche am Lagerfeuer

Und was macht man nun mit dem fertigen Bogen? Der neueste Trend, berichtete Marwede, sei das 3 D-Schießen auf Plastik-Tiere.

All das und noch viel mehr gab es beim Treffen der Bogenbauer in Quarnebeck zu erfahren. Der Spaßfaktor kam natürlich nicht zu kurz, Lagerfeuer und Fachgespräche inklusive. „Das ist hier wie ein Klassentreffen“, freute sich Kai Janzen – und wollte unbedingt noch eine Sache loswerden: „Ein großes Kompliment und Dankeschön an meine Frau. Ohne sie“, so betonte der 50-Jährige, „würde das hier nicht funktionieren.“

Tja, jeder Robin Hood braucht halt seine Marian.