Beetzendorf l Am Ende seiner knapp eineinhalbstündigen Lesung hatte Rainer Bonack am Mittwochabend vor allem eines erreicht: Nicht wenige der 22 Besucher verspürten plötzlich irgendwie Lust auf eine Tasse frisch gebrühten Kaffee. Was auch kein Wunder war, schließlich drehte sich in den Gedichten und in den Auszügen aus dem neuen Buch des Magdeburger Autors, das im nächsten Frühjahr erscheinen soll, alles um den koffeinhaltigen, schwarzen Muntermacher.

„Am Anfang war es nur eine Spielerei von mir. Ich schrieb Gedichte, in denen irgendetwas mit Kaffee vorkommt. Ich dachte gar nicht, dass das geht, aber am Ende wurden es knapp 100 Stück“, erzählte der 69-Jährige. Eine Auswahl werde er in seinem Buch publizieren und einige gab er auch dem Publikum zum Besten, das wegen des Corona-Abstands im großen Versammlungsraum des Bürgerzentrums statt in der Bibliothek platziert war. In den Versen ging es beispielsweise um das Kuchenstück, die Jahreszeiten oder die Entdeckung des Kaffees als Getränk im fernen Jemen.

Herzstück der Lesung waren aber die Gespräche am Kaffeetisch über die Liebe und andere Herzensangelegenheiten. Dabei ging es zwischen Mann und Frau auch schon mal um die Frage, ob es ein Einhorn eigentlich gibt. Die Liebste meint ja, schließlich sei das Fabeltier von vielen Menschen schon gesehen worden. Der Abenteurer Marco Polo habe es auf Sumatra entdeckt, Otto von Guericke ein ebensolches Skelett aus Quedlinburg untersucht und auch in Rainer Maria Rilkes Gedichten kommt das Einhorn vor. „Jedes Genie braucht seine Einhörner. Ohne die Fähigkeit, sie zu sehen, würden Deine Gedichte nicht gelingen“, hält sie der zweifelnden besseren Hälfte vor.

Manchmal haben Gespräche mit anderen aber auch nur den Zweck, das Gegenüber auszuquetschen und die eigene Neugier zu befriedigen. Etwa so wie bei dem fiktiven Telefonat zweier Freundinnen, bei dem eine dem Bruder der anderen partout eine Affäre andichten möchte. Schließlich schreibt dieser Gedichte über Kaffee und Liebe und das könne ja nur eines heißen: Er hat eine Liebschaft.

An Strafversetzung nach Beetzendorf erinnert

Seine Lesung umrahmte Rainer Bonack mit einer Auswahl von Musikstücken, die sich ebenfalls um das Thema Kaffee drehen. 150 solcher Songtitel hat der gebürtige Senftenberger, der schon in allen möglichen Berufen tätig gewesen ist, aber vor allem am Schreiben seine Freude hat, gefunden. „Als Hörempfehlungen werden sie den Anhang meines Buches bilden“, kündigte er an.

Für Rainer Bonack war es erst die zweite Lesung vor Publikum in diesem Jahr. Entsprechend aufgeregt war der Autor, was ihm die Zuhörer aber verziehen.

Schließlich überraschte er gleich zu Beginn des Abends mit einer Liebeserklärung an Beetzendorf. „Hierher wurde ich 1972 von der Schreibstube des Grenzkommandos Nord in Kalbe strafversetzt. Das letzte halbe Jahr musste ich hier zubringen und ein Lager mit Möbeln und Übungsmaterial bewachen. Es war eine schöne Zeit, an die ich gern zurückdenke“, erinnerte er sich an seinen letzten Aufenthalt in der Burggemeinde.